Verfasst von: Joachim Sucker | Januar 17, 2017

Keiner will digitale VHS-Kurse

So kann ich die Klagen von VHS-LeiterInnen auf den Punkt bringen.

Da legt die VHS sich eine Lernplattform wie Moodle an, will dort Materialien zu den Kursen hinterlegen und keiner interessiert sich dafür. Das sorgt für Unmut und führt zu einem Rückzug aus dem digitalen Geschäft.

Aber die Gründe sind hausgemacht.

  1. aepfel-und-birnenWenn die VHS über Jahrzehnte keine digital unterstützten Kurse anbietet, sucht auch keiner in der VHS nach solchen Angeboten. Wer immer nur Äpfel verkauft, hat genau die richtige Kundschaft dafür und kann nicht erwarten, dass sich Birnen sofort gut verkaufen lassen.
  2. Der Mehrwert für Kunden durch die Hinterlegung von Unterrichtsmaterial auf Moodle ist gering. Moodle wird schon oft als PDF-Schleuder bezeichnet. Für die Kunden ein erhöhter Aufwand, denn das Einarbeiten auf Moodle ist für nicht webaffine Kunden ein zusätzlicher Aufwand. Da nehme ich doch lieber die Kopie von der Kursleitung.
  3. Überzeugende Kurskonzepte z.B. als Flipped-Classroom sind noch die Ausnahme. Die Produktionen laufen schwer an. Es gibt zu wenig Pädagogen oder Kursleitungen, die sich dafür begeistern. Naja und dann kommt wieder keiner ;-(
  4. Die Kurse bekommen auch wenig Marketingunterstützung. Sie gehen im Kurskatalog unter. Sie müssen sich neben den klassischen Präsenzkursen durchsetzen. Katalog und Flyer bekommen die Stammkunden, die ÄpfelkäuferInnen. Die Gruppe, die sich für solche Kurse interessiert, muss natürlich auch online angesprochen werden.

Dabei gibt es durchaus alternative Zugänge zu den neuen Kundenkreisen.

Grundlage für neue Wege ist die Erkenntnis, dass nicht jede VHS das Rad neu erfinden muss. Es gibt bereits sehr viel Material im Web. Und einiges davon ist sogar als offenes Bildungsmaterial ( OER ) zugänglich, kostenfrei und ohne, oder mit sehr geringen Einschränkungen in der Nutzung.

Ein Beispiel:

bildschirmfoto-2017-01-17-um-16-30-19Moin/Oncampus, die Plattform der Fachhochschule Lübeck für offene online Kurse sog. MOOCs (Massiv Open Online Course),  hat zur Jahreswende einen Foto-MOOC produziert. Inhalt und Leistungesniveau entspricht genau einem VHS-Einsteigerkurs in die digitale Fotografie (470 Treffer in der Kursdatenbank der Volkshochschulen).

 

bildschirmfoto-2017-01-17-um-16-34-59Der Kurs hat bisher über 750 Einschreibungen – ich bin einer davon. Alle Lernvideos stehen als OER zur freien Nutzung im Web. Selbst wenn der Kurs abgelaufen ist, was lediglich bedeutet, er wird nicht weiter unmittelbar betreut, stehen die Videos auf der mooin-Plattform oder bei YouTube weiter zur Nutzung. Hier liegt also ein fertiges Kurskonzept zur Nutzung bereit, ohne dass eine VHS dafür zahlen müßte oder nenneswert Arbeit investieren müßte.

Wenn eine VHS diesen Kurs aktiv bewirbt hat sie folgende Effekte:
Sie integriert einen fertigen Onlinekurs in ihr Portfolio. D.h. sie reserviert eine Meldung auf der Internetseite oder eine Anzeige im Programmheft. Die Kunden erfahren, dass über die VHS doch schon Online-Angebote erfasst werden. Die Kunden fühlen sich gut beraten.

Bei VHS-KollegInnen löst ein solches Vorgehen reflexartig Ängste aus. „Wir bringen die Menschen doch aktiv zu anderen Anbietern.“ Auf den ersten Blick stimmt das, aber ich habe es 2015 in der Hamburger VHS ausprobiert. Wir haben dort einen StrickMOOC anderer Volkshochschulen aktiv beworben. Wie ich von den StrickMOOC-Verantwortlichen hörte, durchaus erfolgreich. Der Effekt in Hamburg war aber auch, dass sich die Textil-Anmeldezahlen in dem Zeitraum erhöht haben. Ich habe dafür eine einfache Erklärung: Online-Kurse benötigen eine hohe Selbstdisziplin, um den gesamten Kurs zu absolvieren. Mit zunehmender Kursdauer schwindet die Motivation. Das Neue ist nicht mehr neu. Der Wunsch zum Stricken bleibt aber. Das führt zu Anmeldungen in den Präsenzkursen. Die TeilnehmerInnen wissen sehr wohl, dass eine Präsenzgruppe die Motivation hochhalten kann. Diese These ist nicht belegt, aber weitere Versuche würden sich sicher lohnen.

bildschirmfoto-2017-01-17-um-16-31-22 Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten für den Fotokurs. Die VHS kann zu diesem Online-Kurs einen Begleitkurs anbieten. Die Fakten werden über die MOOC-Videos gelernt und die Handhabung kann in Präsenz mit der Gruppe geübt werden. Im MOOC „Gratis Online Lernen“ der Uni Graz haben das einige Volkshochschulen genauso erfolgreich ausprobiert, wie in den 35 MOOC-Bars im Rahmen des ichMOOCs der Bremer- und Hamburger VHS.

Und es geht weiter: Aus den Videos können sich KursleiterInnen einzelne Videos für ihre Kurse heraussuchen und eigene Kurskonzepte darauf aufbauen. Das sind wir schon sehr an einem Flipped-Classroom-Konzept.

Mit etwas Geduld kann so der Übergang zu den „Erweiterten Lernwelten“ auch in den Volkshochschulen geschafft werden. Es bleibt spannend!

Verfasst von: Joachim Sucker | November 20, 2016

Evaluation von Onlinekursen

Am 3. November 2016 war ich auf der  Fachtagung „Digitalisierung in der Weiterbildung – Alles neu durch 4.0?“ eingeladen. Veranstaltet durch die k.o.s GmbH. Mein Thema war die Evaluation von Online-Kursen am Beispiel des ichMOOCs.

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Die Veranstalter haben auf ihrer Website die Tagung wie folgt angekündigt: „Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft. Auch im Feld der Bildung werden die Innovationspotenziale der Digitalisierung breit diskutiert. In vielen Lehrerzimmern und Vorlesungssälen sind Flipped Classrooms und Open Educational Ressources bereits angekommen. Aber was ist mit dem Feld der Erwachsenen- und Weiterbildung? Wo liegen hier die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung? Und was bedeutet Bildung 4.0 für Weiterbildungsanbieter in Berlin?Die Fachtagung hat das Ziel, Erfahrungen zum digitalen Lernen in der Berliner Weiterbildungslandschaft zu sammeln, zu reflektieren und zu gestalten. Weitere Infomationen finden Sie im ausführlichen Programm hier.“


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Als Experiment hatte ich meine Präsentation bereits einige Tage vorher offen ins Web gestellt und über Twitter und Facebook verbreitet. Im Workshop hatte sich niemand vorab darüber informiert.

Zwar konnte ich das Thema Evaluation in der Kürze nicht umfassend darstellen, aber mir war wichtig, den Zusammenhang zwischen digitalen Angeboten und der Digitalisierung der Bildungseinrichtung aufzuzeigen. Vorne digitale Angebote und im backoffice traditionell mit Hierarchie und Anwesenheitspflicht zu arbeiten, das wird auf Dauer nicht funktionen. Ich hatte dazu bereits im Blog des Deutschen Volkshochschulverbandes unter der Überschrift „Ist Digitalisierung Chefsache“ geschrieben.

Dieses Thema wird mich noch lange begleiten 😉

Verfasst von: Joachim Sucker | November 1, 2016

Alle mal bloggen bitte!

bildschirmfoto-2016-11-01-um-14-08-35Nun ist der VHS-Blog zum Volkshochschultag schon wieder Geschichte. Er ist es wert, noch einmal betrachtet zu werden, denn ich bin von dieser Form des Corporate-Blog sehr überzeugt.

Der Blog war als Vorbereitung zum Deutschen Volkshochschultag 2016 in Berlin ausgelegt. Das Thema lautete: „digitale Teilhabe“. Im Blog haben Nina Oberländer und ich die unterschiedlichen Töne im digitalem Orchester anklingen lassen.

Für Nachahmer liste ich hier meine (unvollständigen) Erfolgsfaktoren auf:
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Es braucht einen roten Faden
Digitalisierung und deren Folge für die Erwachsenenbildung ist zweifelsohne ein wichtiges Thema und regt zu Kontroversen an. Wir haben den Begriff Digitalisierung heruntergebrachten, greifbar gemacht. Ihn in Alltagsbezug gebracht und Bodennähe hergestellt. Wichtig ist, hier einen authentischen Zugang zum Thema zu finden und genügend Raum für Kommentare zu lassen. Keine Besserwisserei, sondern Denkräume öffnen. Dabei hilft es natürlich, wenn die Blogger*innen eine Vorstellung von ihren Leser*Innen haben.
Eine Vision schadet nicht. Im Gegenteil. Menschen an der Entwicklung der eigenen Vision teilhaben zu lassen, es gibt kaum etwas aufregenderes. Und trotzdem braucht es einen Abstand zur eigenen Begeisterung. Dazu war dieses Thema zu vielschichtig.

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Ein Anlass ist immer gut
Der VHS-Tag war ein guter Ankerpunkt. Nicht nur, weil es zufällig passte, sondern weil Konferenzen vor ab einen verwertbaren Content brauchen. Dieser Content führt ins Thema ein, kann es qualitativ aufbauen und den Beteiligten schon im Vorfeld  Teilhabe ermöglichen. Der Weg zur Flipped-Konferenz (unser eigentliches Ziel) wird damit kürzer.
Wichtig wäre, das Thema so aufzustellen, dass nach dem Event eine Weiterführung möglich ist. Content ist wichtig und warum den Content abschalten. Der Blog ist noch sichtbar, allerdings ist die Kommentarfunktion abgeschaltet. Dieser passive Zustand ermöglicht aber zumindest den Content als Archiv zu vernetzen.

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Ohne Freiheit wird es nichts
Der Deutsche Volkshochschulverband hat Nina und mir die nötige Freiheit zugestanden. Es hat nicht allen in der VHS-Familie gefallen, dass Gastbeiträge die Existenz der VHS in Frage stellen. Der Verband hat sich nicht beirren lassen und hier Stärke gezeigt. Er hat uns machen lassen. Verbandsuntypisch wurde die Kontrolle mal hinten angestellt. Blogs sollen authentisch sein – so kann es gelingen. Die 161 Kommentare sind ein Indiz für einen offenen Zugang. Wenn der Content vorher abgestimmt werden muss, verliert er oft an Vitalität. Ohne diese Freiheit kann ein Blog auch nicht „Externe“ interessieren. Und da ein Blog ein Schritt in die aktive Vernetzung ist, sollten die Akteure glaubhaft sein.

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Blogs werden von Menschen geschrieben
Auch Corporate Blogs werden immer von Menschen geschrieben, die nach Möglichkeit ehrliche Beiträge schreiben sollen. Nicht der kleinste gemeinsame Nenner im Unternehmen oder Verband ist für die Leser/innen interessant. Zuspitzungen werden eher gelesen und kommentiert. Die Redaktion soll identifizierbar sein. Bei Nina und mir war klar: Wir sind Protagonisten des Konzeptes „Erweiterte Lernwelten“ und schreiben aus dieser, eher optimistischen Sicht über den digitalen Klimawandel. Wir haben durch über 161 Kommentare (in 4 Monaten) unsere Relevanz in der Erwachsenbildung gezeigt bekommen.
Eine Portion Mut braucht es auch. Gerade im pädagogischen Umfeld wird häufig das Haar in der Suppe gesucht und gefunden. Nichts ist perfekt. Wer Kritik schlecht aushält, sollte die Finger vom öffentlichen Schreiben lassen.

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Die Mischung macht´s
Gastbeiträge und Medienwechsel lockern den Blog auf. Auf Dauer ist das ewig Gleiche im Blog ermüdend. (Da werde ich hier noch einiges ändern ;-))
Text, Video-Interviews und Gastbeiträge können einen guten Mix schaffen. Die Blogbeiträge wurden von einzelnen Projektvorstellungen getrennt. Auch haben wir unsere Medienwerkzeuge vorgestellt. Das sollte den Zugang erleichtern und zur Nachahmung anregen. Videointerviews mit dem Smartphone, Konferenzen mit Google-Hangout, Adobe Connect

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Ein Blog ist Arbeit – kostet also Geld
Und das schreibe ich hier nicht, weil wir bezahlt wurden. In einem Blog zeigen die Absender ihre Haltung zum Geschäft und der Gesellschaft. Sie können sich unterschiedlich positionieren. Dazu braucht es einen Plan und eine Redaktion und keinen Praktikanten.
Gastbeiträge, Videointerviews vor Ort oder Videokonferenzen zu organisieren ist nicht mal so eben getan. Die richtigen Gastschreiber suchen, die ihrerseits zum Content etwas zu sagen haben und in der Zielgruppe auch einen „Namen“ haben, zu finden – das braucht einen Plan und Zeit.
Der vhsBlog hat sicherlich durch gut gewählte Gastschreiber/Innen dazu beigetragen, dass sich Volkshochschule im Orchester der Erwachsenenbildung einen guten Platz verschafft hat.

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Im Alltagsgeschäft gehen Strategie, Zukunft und Visionen meist unter. Viele Einrichtungen nutzen dafür das Instrument der Leitbildentwicklung. Aber seien wir ehrlich, dass sind oft nichtssagende Wortketten. Im Blog kann das Unternehmen über einen längeren Zeitraum glaubhaft Themen transportieren und eine eigene Haltung dazu stellen.

Nach einer Pause wird sich der Deutsche Volkshochschulverband wieder einem neuen Blog zuwenden. Ich bin gespannt und wünsche viel Erfolg damit.

Abschließend möchte ich die Frage aufwerfen, wie ein Blog in der Weiterbildung aussehen könnte.
Für welche Zielgruppe ist ein Blog geeignet? Sind es die Kollegen oder die Kunden der Weiterbildungseinrichtung?


 

Der Blog in Zahlen:
Beiträge: 35
Kommentare: 161
Nutzer: 3.574
Sitzungen: 6.721
Seitenaufrufe: 13.134

Die Resonanz in den Social Networks haben wir nicht getrackt. Die Sichtbarkeit des Blogs dürfte bei mehreren 100.000 liegen.

Verfasst von: Joachim Sucker | Mai 4, 2016

Neue Wege

Nach 25 Jahren Hamburger Volkshochschule widme ich mich nun den Themen Digitalisierung und Marketing. Das Neue daran ist: ich arbeite freiberuflich. Zu Hause an der Ostsee richte ich mich ein, spare lange Wege nach Hamburg in die VHS und kann doch der Volkshochschule ganz Nahe sein.

Mein erster Job ist der Aufbau und die Redaktion den neuen Blogs des Deutschen Volkshochschule Verbandes (DVV) zum Thema „digitale Teilhabe“.  Nina Oberländer und ich sind wir für den Blog verantwortlich. Wir können uns richtig austoben, denn der DVV vertraut auf unser Urteil und unser Netzwerk. Die Stichworte sind: digitale Bildungsrevolution, New Work, Arbeit 4.0, das digitale ich, Smart City oder Selbstverständnis von Volkshochschulen. Nach kurzer Zeit (2.5.16) hatten wir über 3.500 Besucher und fast 100 Kommentare. Natürlich ist noch genug Platz für Dein Kommentar. Ursprünglich als Vorbereitung für den VHS-Tag in Berlin konzipiert, wird der Blog sicherlich danach weitergeführt.

Es geht also gut los und ich halte Euch künftig hier auf dem Laufenden.

Verfasst von: Joachim Sucker | März 5, 2016

MOOCs und OER sind zwei Seiten einer Medaille

Für die Epale-Publikation „Blick über den Tellerrand“ durfte ich nach einem Webinar (National Agentur für lebenslanges Lernen) einen zusätzlichen Beitrag schreiben. Einige konnten den Beitrag aus technischen Gründen nicht aufrufen, deshalb auf diesem eine Veröffentlichung. Ich empfehle die Gesamte Broschüre zu lesen.

„Zwar sind MOOCs schon oft für tot erklärt worden, aber das lag wohl daran, dass sie mit den uralten Maßstäben der Lehre gemessen wurden. Ein/e Sender/in, viele Empfänger/innen. Heute heißt es bei neuen Lernkonzepten »vom teaching zum learning« – ein deutlicher Paradigmenwechsel. Und dafür eignen sich MOOCs hervorragend. Sie schaffen neue Strukturen und Erfolgsdruck.

Aber schauen wir uns das mal im Detail an: Massiv – ja, es braucht für die Hochschul-xMOOCs eine Masse an »Hörer/innen«. Das ist der Sinn der ausgelagerten Onlinevorlesungen. Wer, was und wie viel davon dabei lernt ist schwierig herauszufinden, dafür werden jetzt BigData-Modelle erprobt. Diese sollen erfolgreiche Studierende herausfiltern und für den Arbeitsmarkt anbieten. Massiv ist aber auch ein Treiber für eine neue Öffentlichkeitsarbeit. Wer eine hinreichende Menge von Lernenden erreichen will, muss über die eigenen Gartenzäune hinweg werben. Jeder MOOC, der diesen Anspruch hat, braucht ein Marketing. Das ist nicht immer bequem, denn Marketing braucht entsprechende Botschaften. Versprechungen werden gemacht – und diese müssen kürzer als 1.000 Zeichen sein. Hier trifft Bildung auf Wirklichkeit. Die Volkshochschulen haben in diesem Fall einen kleinen Vorteil, denn sie müssen schon seit langem ihre Bildung »verkaufen«. Sie sprechen schon länger vom Kunden/von der Kundin und handeln aus seiner/ihrer Perspektive. Auch dieser Marketinggedanke treibt den nächsten Begriff.

Open – bedeutet schon länger nicht mehr nur den offenen Zugang für Lernende. Open ist der Schlüssel für die Weiterentwicklung von MOOCs. Open für neue Partnerschaften, für ein gemeinsames Entwickeln von Lerninhalten und einen gemeinsamen Vertrieb auf dem Bildungsmarkt. Marketing macht es möglich. Open für ungewöhnliche Partnerschaften. Die Hamburger Volkshochschule und die Bremer Volkshochschule konnten die FH Lübeck für einen gemeinsamen ichMOOC (Mein digitales ich) begeistern.
Eine Corporate Learning Allianz begeistert acht große Unternehmen, einen »Corporate Learning MOOC« zu realisieren. Überall finden Gespräche für neue Partnerschaften statt. Bald werden auch städtische Einrichtungen MOOCs als Beteiligungsmodell für große Projektvorhaben (z.B. Stadtentwicklung) entdecken. Unternehmen werden eigene MOOCs veranstalten, denn der Kampf um die Talente geht in eine neue Phase. Allein an einer Hochschule für sich zu werben, wird da zu wenig sein. Für internationale Partnerschaften braucht es keine zwei Jahre in der Antragsvorbereitung. Kurze Verständigungen über Facebook oder andere Kanäle sind ausreichend.

Open sind auch die Themen. Die VHSen haben einen Strick-MOOC veranstaltet. 500 Menschen haben sich zu diesem ungewöhnlichen Thema getroffen. Und das waren keine Kaffeekränzchen-Clubs. Hier werden MOOCs in die Wohnzimmer geholt. Der vhsMOOC war ein FortbildungsMOOC für alle Kolleg/ innen und Kursleitungen. Der ichMOOC eröffnet eine Reihe, die als digitale Grundbildung bezeichnet werden kann. Das Hasso-Plattner Institut bietet einen ProgrammierMOOC für Schüler/innen an. Dazu braucht es kein Einverständnis von Schulen – wer sich nicht bewegt, wird bewegt. Wir agieren mit MOOCs auf einem offenen Bildungsmarkt. Nicht umsonst investiert der Bertelsmann-Konzern über eine halbe Milliarde Euro in den Bildungssektor. Amerikanische Gesundheitsbildner/innen oder die MOOC-Plattform Udacity sind auf der Einkaufstour. In Deutschland werden größere Bildungsdienstleistungen- und plattformen initiiert. Der Konzern nennt es seine dritte Säule. Die Stadt Hamburg entwickelt eine Hamburger Open Online University (HOOU), um Bildung nicht über private Plattformen an den Markt bringen zu müssen. »Von Google lernen«, heißt das Motto des Bürgermeisters Olaf Scholz.

Online Alleine ist auch nicht mehr zwingend. Der ichMOOC hat Online mit Präsenzphasen verbunden. Dieses Blended-Format ist für Volkshochschulen ideal, denn sie kommen aus der Präsenzlehre und sind über ganz Deutschland verteilt. Flipped-Classroom Konzepte sind ebenso denkbar. Dabei ist der MOOC das Content- und Kommunikationsangebot, welches vor Ort individuell angepasst wird. Auch wenn noch nicht überall Lehrvideos ruckelfrei zu sehen sind, Online-Präsenz wird ein Teil der Grundversorgung sein, wie Wasser oder Strom.

Course muss als Online-Course übersetzt werden. Online ist hierbei auch der Treiber, um Lehrmaterialien entsprechend den Usergewohnheiten im Web anzupassen. Neue Videoformen, neue Dokumentenablagen, neue Kursdidaktiken, die nur online funktionieren, werden entwickelt. Auch hier hilft das Motto »vom teaching zum learning«. Webgewohnheiten (»kurz und knackig«) zu berücksichtigen, war bisher nicht die Stärke traditioneller Bildung. Darunter muss übrigens der Inhalt nicht leiden.

Courses waren bisher auch an Räume geknüpft. Hier dienen die MOOC-Plattformen als Kursraum. Aber es gibt mit den cMOOCs auch andere Settings. Das gesamte Web kann hierbei als Kursraum angesehen werden. Neben den Foren der Plattformbetreiber werden kollaborative Tools wie Slack und Periscope ausprobiert oder SocialMedia-Gruppen als Räume genutzt. Wieder ein vernünftiger Perspektivwechsel, die Nutzer/innen in den Fokus zu nehmen. Usability ist das Schlagwort.
Jeden Monat etwas Neues. Die richtige Mischung zu finden, braucht Medienkompetenz der Anbieter, aber auch der Lernenden. Hier liegt, neben den fehlenden Strategien der Bildungsanbieter/innen, die hauptsächliche Bremse in der Verbreitung der Online-Lehre.

MOOCs benötigen generell die Fähigkeit selbstorganisiert zu lernen. Auch hier befinden sich Anbieter/innen und Nutzer/innen in der Erprobungsphase. MOOCs sind eigentlich tot. Sie dienen lediglich als Schlagwort, um innovative Bildung zu beschreiben. Zu sehr sind sie bereits ausdifferenziert. Was bleibt sind die Begriffe Massiv, Open, Online, Course. Mehr nicht.

Offene Bildungsmaterialien – OER
MOOCs sind aber zunehmend auch als OER-Schleuder zu sehen. Jene MOOCs, die gleich als OER gedacht werden, so wie in Lübeck oder später einmal in Hamburg, werden ihren OER-Content zahlreichen Menschen zur Verfügung stellen. Diese MOOC-Contentschleudern können der Humus künftiger Bildungskonzepte sein. Die Metapher des großen Baumes (A. Wittke), der im Stamm den gesamten Content nach oben befördert, wo die einzelnen Verästelungen durch andere Nutzer entwickelt werden, ist hier vielleicht richtig gewählt. So werden z.B. aktuell aus dem ichMOOC andere Kurskonzepte für Volkshochschulen (Hamburg und Bremen) entwickelt. Andere könnten das auch, denn der Content ist frei.

Aber OER ist als Gedanke noch neu. Viele machen sich erst jetzt mit den offenen Bildungsmaterialien vertraut. Aufgabe wird es sein, den Urwald so transparent zu machen, dass der wichtige und gute Content gefunden wird. Hierzu gibt es bereits einige Aktivitäten: Die OER-Transferstelle baut hierzu ein Portal auf, ebenso Wikimedia mit dem Portal »Mapping OER«. Wichtig wären hier Ansätze, die die Endnutzer/innen als Adressat/innen erkennen und keine Labelvermarktung der eigenen Organisation in den Mittelpunkt stellen.“

Verfasst von: Joachim Sucker | März 3, 2016

ichMOOC bekommt OER-Award

Ein Passagier hat es in der Evaluation so ausgedrückt: „Obwohl es mir selbst kindisch erschien, habe ich mich über die „Belohnung“ für meine Aktivitäten durch die Badges jedesmal gefreut :-)“

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So erging es mir auch am 1. März 16 in Berlin. Stellvertretend für die Passagiere der MS-ichMOOC und des moin- teams dürften  Nina Oberländer und ich den OER Award in der Kategorie Weiterbildung/Erwachsenenbildung in Empfang nehmen. Der OER-Award ist der erste große Wettbewerb zu Open Educational Resources im deutschsprachigen Raum. Im Vordergrund steht das Ziel, die Sichtbarkeit und Anerkennung für Akteure und Angebote zu stärken„, sagen die Veranstalter auf Ihrer Website.
In der Laudatio von Doris Hirschmann und Hedwig Seipel heißt es u.a.“ In dem heute ausgezeichneten ichMOOC –„Mein digitales Ich“ haben sich die Teilnehmenden auf digitalem Wege mit digitalen Lernmitteln und in Diskussionen in Foren und Social Media Plattformen gemeinsam Wege erschlossen, um ihre Identität im Netz zu gestalten und für eigene Ziele einzusetzen.

Wer wissen will, was OER bedeutet, kann dies besonders gut im Wissensbaustein auf wb-web.de nachlesen.

Wir haben uns mächtig gefreut und bedanken uns bei der Jury. Und eigentlich gilt der Preis natürlich auch den Mitnominierten preiswürdigen Projekten Cogneon-Wiki und die Webinarreihe von werde digital, die es ebenso verdient hätten.

 

 

Verfasst von: Joachim Sucker | Oktober 26, 2015

Wann ist ein MOOC ein erfolgreicher MOOC?

Darauf gibt es natürlich viele Antworten. Ich versuche es mal sehr persönlich in Bezug auf den ichMOOC zu erläutern.

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1. MOOCs  ermöglichen neue Kooperation
Die Kooperation von VHS und Hochschule war für mich ein Durchbruch. Zu erklären ist das in dieser Phase durch 2 Faktoren. Erstens wollen Hochschulen auf dem allg. Weiterbildungsmarkt Fuß fassen. Die Lübecker Kollegen haben die Scheu mit einer Volkshochschule zu kooperieren abgelegt, das wünsche ich mir von anderen Hochschulen auch. Zumindest die staatlichen Bildungseinrichtungen sollten im Interesse der Lernwilligen selbstverständlich kooperieren. Zweitens leben MOOCs zurzeit besonders von massiven Anmeldezahlen. Volkshochschulen können hier in Zukunft ein wichtiger Multiplikator. Insofern war der ichMOOC natürlich schon erfolgreich, weil er mit 1.633 zurecht als Massive Open Online Course bezeichnet wird und, ganz nebenbei, war es der größte Volkshochschulkurs aller Zeiten.

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2. Neben den Anmeldezahlen sind MOOCs auch marketinggetrieben. Die Einrichtungen wollen zeigen, dass sie fähig sind webbasierte Lernformen zu entwickeln und ihr Angebotsspektrum dadurch, nach aussen sichtbar, zu erweitern. Die Evaluation hat gezeigt, dass eine relevante Anzahl von Teilnehmer/innen bisher nichts oder nur sehr sporadisch mit der VHS zu tun hatten. Hier hat sich die Sicht auf die traditionelle Einrichtung VHS im Sinne einer modernen Bildungseinrichtung geändert. Und seinen wir mal ehrlich: Kaum einer hätte der VHS diesen ichMOOC zu getraut.

Auch hat sich gezeigt, dass die Werbung über die sozialen Netzwerke wichtig war. Überraschend kamen mehr Anmeldungen über Twitter, als über Facebook herein. Der Großteil wurde allerdings von den beteiligten Volkshochschulen und deren Verbände geworben. Das freut mich besonders, denn hier sind auch viele VHS-Mitarbeiter/innen, die sicherlich auch das Format MOOC lernen wollten.

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3. Hat sich unser Konzept 4.0, wie ich es beschreibe, umsetzen lassen?
Grundsätzlich würde ich dies bejahten, allerdings mit Einschränkungen.
1.0 Die Videos. Sie wurden sehr gut angenommen und bekamen in der Abschlussbefragung sehr gute Noten (an dieser Stelle mein besonderer Dank an Gregor von mooin).
2.0 Die Foren auf mooin wurden mit über 6.500 posts gut bestückt, auch ein Grund, warum einige Teilnehmer/innen dies als unübersichtlich und wenig hilfreich bezeichneten. Hier muss sich grundsätzlich etwas ändern. Lineare Forumsstrukturen bilden nicht die Lernzugänge ab.
3.0 Der MOOCsalon auf Facebook war eine wichtige Kommunikationssäule. Hier wurde reichlich kommuniziert, sogar neue Aufgaben von TeilnehmerInnen gestellt. Mit über 600 Mitgliedern wurde dieses zusätzliche Angebot, außerhalb der Plattform gut angenommen.
4.0 Die 35 MOOCbars vor Ort taten sich dagegen etwas schwerer. Zum einen lag dies sicherlich an technischen Problemen mit Adobe Connect, aber dann andererseits auch an der autonomen Bewerbung. Nicht alle Besucher waren zum ichMOOC angemeldet und so fehlte die Anbindung. Die VHS KollegInnen vor Ort haben das Experiment großartig unterstützt und wichtige Impulse für Verbesserungen beigesteuert. Das dahinterliegende Blended-MOOC-Konzept begeistert mich nach wie vor. Eine gute Erweiterung, die sich sicherlich auch mit anderen Kooperationen denken lässt.

4. Und damit sind wir bei einem ganz wichtigen Punkt. Wir lernen. Über verschiedene Formen des Weblernens kann ich viel lesen. Selber machen ist der eigentliche Schritt des Lernens. Über den ichMOOC habe ich extrem viel gelernt. Das alles hier aufzuzählen führt zu weit. Deshalb nur zwei Punkte stellvertretend.
mooin, unsere MOOCplattform der FHLübeck, produziert möglichst betreuungsarme MOOCs, die einfach zu wiederholen sind. Das ist nicht mein Ansatz und deshalb haben meine Kollegin Nina Oberländer von der Bremer VHS und ich viel ausprobiert. Wir haben sehr viele Teilnehmer/innen im Forum persönlich begrüßt. In unserer Kreuzfahrtmethaper, die wir für den MOOC gewählt haben, standen wir sozusagen an der Gangway. Wir haben mit Unterstützung der Lübecker Kollegen im Forum sehr schnell und persönlich auf Fragen reagiert. Wir haben bewusst in den Einführungsvideos pro Kapitel recht persönlich die weiteren Arbeitsaufgaben erklärt. Somit hatte der ichMOOC auch Gesichter, die sicherlich ein Stück Lernmotivation sind.
Die Kreuzfahrtmethaper wurde gut angenommen. Anonymes Lernen funktioniert zwar, aber ich glaube, durch die Einbindung in einen gemeinsamen emotionalen Kontext wird Lernen erleichtert, es wird eine Bindung geschaffen. Ich lerne selbst so am liebsten.

Noch einige persönliche Worte. Bedanken möchte ich mich besonders bei:

Meiner Geschäftsführung Marlene Schnoor in der Hamburger Volkshochschule, die mich für diese Arbeit freigestellt hat und damit besonderen Mut gezeigt hat. Experimente brauchen diesen Freiraum.
Bei Nina Oberländer von der Bremer Volkshochschule, die neben den didaktischen Fragen eine besondere Empathie für unsere TeilnehmerInnen hat und den ichMOOC-Salon mit Alexandra Hessler sehr symphatisch moderiert hat. Nina hat den ganzen Laden zusammengehalten.
Bei Jöran Muuß-Merholz, der das didaktische Gerüst erarbeitet hat und als Video-Regiseur Nina und mir alles abgerungen hat.
Bei dem Lübecker mooin-Team , die Nina, Jöran und ich sicherlich mit den vielen Extrawürsten herausgefordert haben. Ihr ward geduldig und wusstet wo Schluss mit Lustig war.
Und natürlich bei Johanna Köster-Lange, die unsere Bord-Bibliothek spontan aufgebaut hat und unseren schriftlichen Formulierungen einen verständlichen Sinn gab.
Und natürlich bei unseren Experten und vielen engagierten Bordgästen.

Über diesen ichMOOC könnte ich ein Buch schreiben, aber ich lasse es bleiben, wer will das schon lesen. Einfach anmelden und selber die Erfahrung machen. Die Foren sind zwar nicht mehr betreut, die Videos und der Salon sind noch im Betrieb.
Ich habe Lust auf weitere Kreuzfahrten in den digitalen Gewässern!

(Die nachfolgenden Kennzahlen beziehen sich auf Rückmeldungen von 150 TeilnehmerInnen. Die Datei kann hier als Evaluation_ichMOOC aufgerufen werden)

Verfasst von: Joachim Sucker | September 10, 2015

Freiheit für MOOCs – Plattformen für alle!

Ja, ich fordere die Freiheit für MOOCs.

Angeregt durch meine Teilnahme am Educamp und der Tagung „MOOCs an beyond“ in Berlin, augerichtet durch Oncampus und dem Stifterverband, hier einige Gedanken zur Freiheit.

Prof. Dr. Joachim Metzner, Vorstand HRK (Hochschul-Rektoren-Konferenz), hat es auf der Tagung „MOOCs and beyond“ (#dgiturn) am 8.9.15 zugegeben: Die HRK hat spät das Potential von MOOCs erkannt und nun prognostiziert sie den MOOCs eine enorme Ausdifferenzierung in unzähligen Variationsformen. (Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal ein Fan der HRK werde.) MOOCs sind damit diplomatisch anerkannt.

MOOCs sind in der Tat ein Phänomen der letzten Jahre. Während sich 2012 noch keine deutschen Google-Abfragen zu MOOCs finden ließen, so Dr. Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband auf der gleichen Tagung, sind es heute ca. 210.000 Treffer. Die Innovationskurven sind bekannt, wir befinden uns in der mühsamen Verstetigungsphase nach dem Hype und der Desillusionierung.

MOOCs finden scheinbar nicht Teilnehmer, sondern umgekehrt finden Teilnehmer die MOOCs. Der Stein wird in den Teich geworfen und man beobachtet wohin die Wellen sich bewegen. Man könnte meinen, die hochschulMOOCs sind als Teil ihrer Lehre konzipiert und sprechen überwiegend eigene Studenten an. Wie die Evaluationen ( Anja Lorenz, oncampus) zeigen, ist dem nicht so. Die Studierenden sind in der Minderheit. Es kommen je nach Thema, eine hohe Anzahl von Erwachsenen in die MOOCs. Wenige Hochschulen spitzen das Angebot konsequent auf die eigenen Studenten zu (Beispiel: ChangeMakerMOOC aus Kiel).
Solange die hochschulMOOCs nicht in der Vergabe von ects-Punkten in der Fläche vernetzt sind, wird das auch schwierig zu ändern sein. Erste Hochschulen erkennen dieses, wie z.B. die TU9 Initiative.

So werden die Hochschulen quasi über Nacht zu Orten des Long Life Learnings, auch von Erwachsenenbildung abseits der Hochschullehre. Die FH Lübeck hat sich bewußt für zahlreiche MOOCexperimente entschieden, die nicht Hochschulabsolventen als Zielgruppe ansprechen sollen.
Der Bildungsmarkt wird sich rasant verändern. Eine Aufteilung zwischen Bildungsanbietern ist so in einigen Jahren nur noch schwer herzustellen.

Weiterbildung, speziell Erwachsenenbildung, wurde bisher von den Volkshochschulen für sich reklamiert. Das gehört der Vergangenheit an. Die Volkshochschulen haben dies teilweise erkannt und ein Konzept „Erweiterte Lernwelten“ auf den Weg gebracht. Erste Umsetzungen sind bereits erfolgt. So konnten einige Volkshochschulen schon 3 cMOOCs anbieten. 2013 den vhsMOOC auf WordPress und 2015 den strickMOOC auf WordPress und den ichMOOC auf mooin).

Noch fehlt eine Strategie, wie übrigens fast allen Anbietern aus Lehre und Bildung. Die Fachhochschule Lübeck scheint hier mit oncampus und mooin die Nase vorn zu haben. 2 Jahre MOOCs haben da schon einiges durchgerüttelt. Und das ist erst der Anfang. TTIP wird den Rest unserer gewohnten Bildungslandschaft umpflügen. Mal sehen, was dann nachwächst.

Wenn wir die MOOCs einmal aus den Räumen der Bildung befreien, dann ergibt sich auch schnell eine andere Begriffszuordnung. Massiv Open Online Communikation könnte sie lauten, wobei Communikation natürlich auch Course beinhalten kann. Mit dieser Definition ergibt sich eine neue Perspektive auf das MOOCpotential.
Es wird nicht nur mit unterschiedlichen Formaten (xMOOC, cMOOC, bMOOC, SOOCs, ….) weitergehen, ich erwarte besonders ungewöhnliche Kooperationen. Außer Iversity gibt es im deutschsprachigen Raum nur Hochschulplattformen für MOOCs. Der Wettbewerb ist eröffnet. Mooin aus Lübeck, HPI (Hasso Plattner Institut), Leuphana (Lüneburg), iMOOX (Graz), Universität zu Kiel, … (wahrscheinlich vergesse ich einige).

In Hamburg haben sich auf Wunsch des Bürgermeisters Olaf Scholz die 8 staatl. Hochschulen zur Entwicklung einer hoou (Hamburg Open Online Universität) zusammengeschlossen. Besonders interessant dabei ist die Begründung.  Bürgermeister Scholz möchte vermeiden, dass Hochschullehre nur über kommerzielle Plattformen (Google lässt grüßen) MOOCs anbieten können. Die öffentliche Hand gründet also selber MOOCplattformen. Scheinbar eine vorausschauende Strategie. Weitere Hochschulen werden sicher folgen. So entsteht ein Netz aus Hochschulplattformen. So weit so gut?

Aber was ist, wenn sich die MOOCs tatsächlich weiterentwickeln? Wenn neue Kooperationen MOOCs entstehen lassen?

  • Wenn z.B. Sanierungsträger Projekte der Stadtentwicklung mit Hilfe eines MOOCs entwickeln. Wenn Sie darüber eine Community aufbauen, in die sie auch wichtigen Content zur Erläuterung eigener Planung einstellen und die Betroffenen zur gemeinsamen Gestaltung und Lernen einladen?
  • Wenn Unternehmen ihre Personalentwicklung durch MOOCs befördern, indem sie talentMOOCs für Schulen anbieten. Wenn Airbus einen schülerMOOC zum Flugzeugbau anbietet und die besten Schüler mit Stipendien ausstattet.
  • Wenn der programmierMOOC für Schüler des HPI´s nur eine von hundert schülerMOOCs sein wird, ohne Beteiligung der Schulen?
  • Wenn Parteien MOOCs als Wahlkampfinstrument erkennen?
  • Wenn Risikokapitalgeber startupsMOOCs anbieten?
  • Wenn addidas einen MOOC zur Sportmedizin anbietet?
  • Wenn ….

Müssen sich all diese MOOCanbieter bei Hochschulplattformen bewerben? Werden die Hochschulen die neuen Monopolisten für MOOCs? Vorstellbar wäre es.

Unternehmen nehmen MOOCs auch in den Fokus, bedienen sich dabei bisher überwiegend vorhandenen MOOC-Plattformen, da sie das Rad nicht neu erfinden wollen und sich mit einer Plattform bisher kein Geld verdienen lässt. Werden auch deutsche Unternehmen an kommerzielle MOOCplattformen im Ausland herantreten, um eigenen Personalnachwuchs auszubilden? Wenn Unternehmen eigene Zertifizierungen anbieten? Dann bleibt den Hochschulen in diesem Bereich noch nicht einmal das Monopol der Prüfung und Zertifizierung. Siehe auch Udacity mit den Nanodegrees. Aber das ist ein eigenes Thema.

Doch die technische Entwicklung wird wahrscheinlich bald einfache smarte MOOCplattformen anbieten. Dann können sich Unternehmen vielleicht als Mandant in ein MOOC-Tool einkaufen. Das führt dann wieder zur Zementierung bestehender Verhältnisse – Zugang durch Hochschulen oder Geld. Freiheit ist anders.
Die Macht der MOOC-Plattform wird sich nur relativieren, wenn es sehr viele, günstige und smarte Tools für alle gibt. Wie will die Politik die Öffnung steuerfinanzierter (Hochschul)Plattformen definieren? Als Closed-Shop? Da ist bisher nichts zu hören.

Nicht nur der Content, auch die Plattformen sollten als Open Educational Resources gedacht werden. Zwar wollen einige MOOCplattformen (mooin und hoou (in Planung)) sich für Kooperationen öffnen, aber einem Anspruch auf freien Zugang entspricht das nicht.

Offene Plattformen für alle, die sie nutzen wollen. MOOCplattformen sind eine Basis demokratischer Bildung und Kommunikation. Frei dem VHS-Motto „Bildung für alle“.

Die connectivistisch angelegten cMOOCs können hier als Vorbild dienen. Sie stellen einen Lerncontent bereit und animieren zum Austausch der Beteiligten. Das Ziel ist hierbei die Mutation der Teilnehmenden zu Teilgebenden, also der Aufbau einer thematisch und zeitlich begrenzten Community. Das Curriculum schafft Orientierung und soll das selbstgesteuerte Lernen vereinfachen. Die so entstandenen Communities können über den eigentlichen Kurszeitraum fortbestehen, wie z.B. im VHS  ichMOOC im Facebook-MOOC-Salon mit fast 700 Mitgliedern. Sie besitzen ein hohes Innovationspotential und tragen zur Vernetzung gesellschaftlicher Gruppen bei. Auch und besonders derer, die bereits aus der formalen Lehre herausgewachsen sind. MOOCs sind somit Anlass zum gesellschaftlichen Wandel. Hier wurde auch schon eine neue Partnerschaft zwischen der Bremer VHS, Hamburger VHS und mooin/oncampus eingegangen.

Freiheit für MOOCs, heißt Freiheit für die Plattformen – offener Zugang für alle. Sie sollten dem deutschen Recht unterliegen und dementsprechend auf deutschen Servern gehostet werden. Oder wollen wir wieder auf Google, Airbnb und Uber warten?

Verfasst von: Joachim Sucker | Mai 27, 2015

Alte Tante VHS und Webschickeria

In den letzten Wochen durfte ich zwei Interviews zum Thema ichMOOC und digitale VHS geben.

Mit Nina Oberländer von der (Bremer Volkshochschule) bin ich  für die Hamburger Volkshochschule Gastgeber im aktuellen VHS-MOOC „Mein digitales ich“, auch unter #ichMOOC bekannt. Eine Woche vor dem Start am 28. Mai 2015 auf der MOOC-Plattform mooin  (FH Lübeck) können wir fast 900 Anmeldungen verbuchen. Der Großteil aus Deutschland aber auch der Rest der Welt ist vereinzelt dabei. Österreich, Italien, Schweiz, Dänemark, Niederlande, Schweden, Ungarn, Großbritanien, Griechenland, Algerien, Westsahara, Brasilien, Südafrika und Japan. Für Volkshochschulen als kommunale Bildungsanbieter eine neue Perspektive, die wir erst einmal verdauen müssen.

Über die Hintergründe konnten wir mit den Netzpiloten sprechen. Der #ichMOOC – Nichts für die Web-Schckeria

 

Und die Pink University hat mich zu dem Thema VHS und digitale Bildung angesprochen. Dabei bin ich auf unser besonderes MOOC-Format mit Begleitkursen, den MOOCbars eingegangen. An 48 Orten werden Bildungsanbieter, überwiegend Volkshochschulen unseren ichMOOC begleiten. Was sich im Interview so locker anhört, ist eine aufregende Innovation für mich, ich denke aber auch für die Volkshochschulen.

„Neue Lernwelten – wir stehen vor einer Revolution“ – 7 Fragen an Joachim Sucker, Hamburger Volkshochschule

Wir werden das mittlerweile dritte MOOC-Projekt evaluieren und unsere Möglichkeiten im Bereich digitaler Lernsetting sicher im Konzept „erweiterte Lernwelten“ in der VHS einbringen. Die Politik ist sich einig, Lernen bedeutet in der digitalen Gesellschaft „lebenslanges Lernen“ und Weiterbildung ist dafür der Schlüssel. Und der Schlüssel zur Weiterbildung sind die über 900 Volkshochschulen in Deutschland.

Verfasst von: Joachim Sucker | Mai 11, 2015

Was ich an Barcamps so liebe

Was ich an Barcamps liebe ist die Unvorhersehbarkeit. Nicht nur thematisch, sondern auch die aus dem Format entstehenden menschlichen Begegnungen. So war es beim vhsBarCamp in Leipzig auch wieder.

Mit diesem Tweet von Lavinia fing alles an:

Lavinia_Ionica_(@lionica)_Twitter_-_2015-05-11_09.29.01

Eine kurze Antwort von mir, und schon haben wir uns in der Pause getroffen und eine gemeinsame Session zum Thema „Online Fortbildung“ ausgetüftelt. Dabei habe ich einiges über Ihre Arbeit an der Hochschule in Halle erfahren, wo sie für den Bereich eLearning arbeitet. Sie beschrieb recht anschaulich, dass ihr Institut den Großteil der Lehrenden durch Fortbildungen versucht zu erreichen, was aber nicht so einfach ist. Wir wollten die Session etwas konkreter aufziehen und fragten, was die Anwesenden für Ihre Fortbildung an Kursen benötigen. Ich dachte dabei zuerst an AdobeConnect-Räume, in denen wir verschiedene Settings ausprobieren können.

Die Session verlief dann ganz anders. Es war nicht einfach den Fokus auf die Anwesenden zu lenken, denn natürlich saßen dort die professionellen Weiterbildner/innen, die sich kaum davon trennen können, Fortbildungen/Kurse für andere zu konzipieren. Wir sind Volkshochschüler und denken in Kursen, ich auch.

Fopbi

Durch einen Beitrag von Karlheinz Pape, der in seinem Blog berichtete, wie große Unternehmen (Adidas, Deutsche Bahn und Bosch) ihre Fortbildungsabteilungen teilweise auflösen und neue Ansätze ausprobieren. Dabei ist u.a. der Slogan „Lernen ist Arbeiten und Arbeiten ist Lernen“, der in eine andere Denkrichtung führt. Schon oft haben wir in unseren Online-Gruppen oder auf Seminaren vom formalen oder informellen Lernen gesprochen, aber was das konkret für den Bereich der Fortbildung bedeutet, noch nicht so recht konkretisiert. Bosch geht z.B. den Weg Fortbildung in Communities zu verlagern. Mitarbeiter qualifizieren sich gegenseitig im Job. Also weniger Verluste, wie wir sie in formellen Lernsituationen kennen.

Wenn ich von mir ausgehe, so habe ich in den letzten Jahren zum Thema Online-Marketing oder Weblernen keine Fortbildung gemacht. Andere berichten mir ähnliches. Wir lernen im Netzwerk, durch Barcamps, Twitter, Facebook oder Google+. Dies ließe sich an vielen Beispielen erklären.

Fortbildung, besonders vielleicht zur Themenwelt der Digitalisierung, brauchen Netzwerke. Wenn wir die Netzwerksdichte erhöhen, so haben wir es in der Session formuliert, wird dies automatisch zu erhöhtem nonformalen Wissenserwerb führen.

Eigentlich eine simple Erkenntnis, aber als VHS-Kursmacher nicht so sehr naheliegend. Es braucht mal wieder einen Perspektivwechsel, um das Naheliegende zu sehen.

Gruendung

Und das Schöne an vhsBarcamps ist die konsequente Umsetzung der Kollegen, denn wir sind ein Praxisnetzwerk. Marie Batzel von der vhsMönchengladbach hat sogleich, noch während der Session, eine vhsKultur-Community auf G+ eingerichtet. Nach 2 Minuten waren es 3 Mitglieder, nach einem Tag 12, nach 2 Tagen sind es 22 Mitglieder. Das klingt simpel, doch wird es aus meiner Sicht sehr viel in unserer Bildungsarbeit verändern.

Dazu müssen wir uns kurz einmal die Struktur unserer VHS-Organisation vergegenwärtigen. Jede VHS hat pädagogische Mitarbeiter, die für einen oder mehrere Fachbereiche zuständig sind. Kultur, Sprachen, Gesundheit etc. Bundesweit gibt es diese Struktur auch bei den Landesverbänden. Die jeweiligen programmatisch Verantwortlichen der Landesverbände treffen sich in den Bundesarbeitskreisen (BAKs). Diese tagen regelmäßig und stimmen sich über die inhaltlichen Linien ab. Vertreter der über 900 Volkshochschulen sind nicht offiziell im BAK vertreten. Die BAKs bereiten Fachbereichstage vor, zu denen dann die Mitarbeiter der Volkshochschulen eingeladen werden. Also, Alles in Allem eine ganz normale Struktur, wie wir sie von überall her kennen.

Wenn sich jetzt zum Beispiel im Bereich Kultur eine große Gruppe vernetzt, unabhängig von Hierarchien und Zuständigkeiten, wenn sich diese Kolleg/innen nur über das eigene Interesse  vernetzen, dann wird dies Auswirkungen auf die Struktur nehmen. Der BAK Kultur wird nicht mehr allein das Sprachrohr der kulturellen Weiterbildung sein. Geradezu zwangsläufig wird das Netzwerk, wenn es eine hinreichende Dynamik entfaltet, selber Einfluss nehmen und im besten Fall wird der BAK Kultur selber im Netzwerk aktiv werden und so seine Arbeitsgrundlage erheblich erweitern können. Auch hier greift das Stichwort der „erweiterten Lernwelten“.

Vielleicht war die Gründung der KulturCommunity der in der Chaostheorie vielzitierte Flügelschlag des Schmetterlings, der eine bahnbrechende Wende einleitete. Und vielleicht durfte ich in diesem Moment ein Teil des Flügelschlages sein. Ich glaube schon, denn ich habe das Leuchten in den Augen anderer Kollegen aus anderen Fachbereichen gesehen, auch dass der Landesverbandsvertreter.

Und deswegen liebe ich Barcamps!

Und schon heute freue ich mich auf die Fortsetzung 2016 in meiner Hamburger Volkshochschule

Tschuess

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