Verfasst von: Joachim Sucker | 2. November 2017

Was macht ein Digitalisierungsbeauftragter in der VHS?

Digitalisierung braucht Organisationsentwicklung

Die k.o.s. GmbH in Berlin hat mich eingeladen. Am 22.11.17 werde ich auf der Veranstaltung: Digitalisierung in der Weiterbildung zum Thema Brauchen Bildungseinrichtungen eine/n Digitalverantwortliche/n? sprechen.

Die Fahrt nach Berlin soll sich ja lohnen, deshalb an dieser Stelle keine Präsentation, die ich sowieso noch nicht fertig habe. Ich taste mich an das Thema heran. Als Inspirationsquelle dient mir hierbei Martin Lindner. Einige kennen ihn noch vom vhsMOOC im Jahr 2013, andere freuen sich auf sein Buch „Die Bildung und das Netz“ (ISBN: 978-3-9819280-3-7). Seit einigen Monaten ist er der Digitalisierungsbeauftrage der VHS Lingen. Das machte mich neugierig und ich habe mit Ihm darüber gesprochen.

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Verfasst von: Joachim Sucker | 11. Oktober 2017

Marschallplan und digitalVHS

Sascha Lobo hat die Debatte über eine digitale VHS aus ihrer engen “internen” Diskussion der VHS-Familie befreit. Er fordert einen digitalen Marshallplan, auch in der Erwachsenenbildung. Carsten Schneider tweetet einen Ausschnitt von Renè Obermann aus der Zeit. Martin Lindner stellt die Frage nach dem weiteren Weg dahin. Beatrice Winkler aus der VHS-Karlsruhe will, dass jede VHS diese Frage mit ihren Kunden klärt. Die Debatte scheint eröffnet.

An dieser Stelle würde ich vorab den Begriff der Volkshochschule mit Volksbildung etwas breiter
übersetzen. Lobo wird nicht denken, dass es eine Einrichtung ist, die die Aufgabe der digitalen Alphabetisierung stemmen kann. Zwar haben die Volkshochschulen in den letzten Jahren das Konzept der „Erweiterten Lernwelten“ auf den Weg gebracht. Aber allein die Beschäftigung mit dem Thema der Digitalisierung auf der Angebotsebene hat Jahre gedauert und wird sicher auch noch Jahre benötigen. Das ist normal, sind ein Großteil der Entscheider doch Angehörige dieser unvernetzten Generation (Anja Wagner), die über Digitalisierung sprechen, sie aber weitestgehend aus dem eigenen Alltag verdrängen. Außer dem Smartphone natürlich. Sicher ist, dass die Volkshochschulen ein Klientel erreichen, welches im Sinne der digitalen Integration unbedingt erreicht werden muss. Allein deshalb geht ohne die VHS nichts, wenn es einen Breitenwirkung haben soll.

Warum jetzt dieser Ruf nach einer digitalen Volksbildung?

Klimawandel, Globalisierung und Digitalisierung verzahnen sich immer stärker. Die Welt verändert sich auf allen Ebenen. Auch bei denen, die in dörflichen Strukturen kaum davon betroffen sind. Der Blick ins TV weckt Ängste. Überall Flüchtlinge! Auch wenn im eigenen Dorf keine zu sehen sind. Unsere politische Führung hat keine Antworten. Die Politiker sind gnadenlos überfordert, wollen dies aber nicht eingestehen. Die einzig verständliche Antwort scheint der Ruf nach der Vergangenheit, nach Abschottung, nach einfachen Antworten. Wir kennen diese Debatten.

Das Interesse, besser die Neugierde auf das Thema Digitalisierung scheint spärlich. VHS-Kunden haben auch früher die Kurse zum Klimawandel oder Globalisierung nur in Ausnahmen besucht. Politische Bildung erlebte einen starken Niedergang.

Wer sich allerdings mit dem Thema beschäftigt, weiß auch, dass die Einschläge näher kommen. Wer erzählt Frau Meyer, dass der Job an der Supermarktkasse keine Zukunft hat? Wer sagt Herrn Müller, dass er als Versicherungsvertreter bald durch einen Algorithmus ersetzt wird? … Bankangestellte mit einem Bein in der Arbeitslosigkeit stecken? … Algorithmen besser, schneller, präziser und billiger sind als Rechtsanwälte ? Oder Mediziner oder KFZ-Mechatroniker … Wenn all diese Menschen nicht auf fluide Arbeitsmärkte vorbereitet werden, wird die gesellschaftliche Spaltung hässliche Züge bekommen. Daran wird auch das bedingungslose Grundeinkommen wenig ändern. Welcher Rechtsanwalt möchte schon Aquaponiker werden oder wie die ganzen neuen Berufe heißen werden.

Was machen wir, wenn wir zur Erhaltung unseres Lebensstandards jährlich ca. 500.000 Einwanderer benötigen, wie die Bertelsmann-Stiftung vorrechnet, die Politik aber nur 200.000 hereinlassen will? Fachkräfte sind keine Katalogware, sie müssen integriert und ausgebildet werden. Das dauert.

Wer erklärt den Älteren, dass die Sparkasse nicht ins Dorf zurückkehren wird. Onlinebanking zur Voraussetzung für ein eigenes Konto wird?

Andererseits ergeben sich durch die Digitalisierung täglich neue ungenutzte Chancen, neue Szenarien, die den Planeten und unser Leben verbessern können. Wo entstehen die neuen Berufe und wer kann daran teilhaben?

Wer lange über diese Untätigkeiten nachdenkt, weiß nicht wohin mit der Wut über diese Generation der Wegdücker.

Es geht also schlicht um die Zukunftsfähigkeit,
um den sozialen Frieden und Wohlstand.

Soweit  also nicht Neues. Wie bekommen wir aber Schwung in den Laden?
Es ist kaum vorstellbar, dass die notwendige digitale Alpabetisierung in tradierten Bildungssettings gelingen kann. Die unvernetzte Generation hat eine unflexible Bildungslandschaft hergestellt. Innovative Fördertöpfe werden in einer ehrenwerten Gesellschaft aufgeteilt. Man kennt sich, man schätzt sich, man weiß schon vorher, was herauskommt. Die Förderbedingen schaffen Sicherheit für die Vergabestellen und minimieren Kreativität und Risiko. Ob Europa, Bund, Länder, Kommunen – die Mechanismen greifen.

In den Volkshochschulen ist der Prozess gut zu beobachten. Es brauchte einen Anstubser durch eine Graswurzelbewegung ausserhalb der Strukturen, aber innerhalb der VHS-Familie. Online-Gruppen, Barcamps, große Onlinekurse, die Neugierigen sammelten sich online und mobil. Hierarchiefrei und spontan wurden Kooperationen verabredet, gegenseitige Fortbildung vollzog sich in Minutentakt, statt langer Planungszyklen. Diese hinreichende Energie führte dann zum erfolgreichen Marsch durch die Institution. Digitalisierung wurde ganz oben auf die Agenda geschrieben.

Warum soll dies nicht in einem noch größerem Maßstab gelingen? Über die VHS hinaus.

Digitale Volksbildung braucht eine dynamische und mehrdimensionale Netzwerkstruktur. Es gibt nicht den einen Bildungsanbieter, der alle Themen, alle Zielgruppen, alle Bildungsformate und alle Orte erreicht. Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, dass es nur geschlossene Lerngruppen gibt. Wir brauchen eine Lernkultur, die einen ständigen Rollenwechsel zwischen Teilnehmer und Teilgeber vorsieht, die mit Humor und Leichtigkeit Neugierde schafft. Das Ungewisse zuzulassen. Dabei das Ziel: Die Menschen zu befähigen sich selbst zu orientieren und im Web die Antworten auf die eigenen Fragen zu finden nicht aus den Augen zu v verlieren  Wir brauchen einen Kulturwechsel in der Bildung.

Wir brauchen ein Projekt – eine Bewegung!

Menschen zusammenbringen braucht meist eine gemeinsame Adresse. Die digitale Volksbildung braucht eine Markenbildung. Menschen müssen sich mit dieser Aufgabe identifizieren und verbinden. Damit meine ich keine klassische Markenbildung, die sich in erster Linie gegen andere Marken durchsetzen will. Es ist eher eine Einladung für eine Graswurzelbewegung ein Label zu schaffen. Ein Label, welches die beteiligten Akteure durch die immanente Freiheit begeistert. So begeistert, dass Menschen mit eigenen Ideen diese Bewegung mitformen möchten.

Ziel ist es, Menschen auf die Zukunft neugierig zu machen. Daraus ergeben sich alle anderen Themen, denn die Neugierde ist der Beginn einer freiwilligen, lebensbegleitenden Erwachsenenbildung. Die Themen orientieren sich an den Interessen aller Beteiligten. Ob Menschen in Jugendinitiativen, Seniorenverbänden, Stadtverwaltungen, Politik, Berufsverbänden, Sportvereinen, Kulturinitiativen, Selbsthilfegruppen, Altenheimen und und und.  Digitalisierung betrifft alle.

Es braucht sicher auch Strukturen. Eine Agentur, die nicht an Institutionen gebunden ist, sondern sich frei orientieren kann. Sie dient als Netzwerkknoten zwischen sehr unterschiedlichen externen Strukturen. Neue und ungewöhnliche Kooperationen zu ermöglichen ist ein wichtiges Ziel. Wir brauchen einen Anlaufpunkt für Ideen, für Unterstützung regionaler Akteure. Wir brauchen eine Agentur, die auch selbst Impulse setzen kann und soll und damit auch ungewöhnliche Szenarien in Gang setzt. Eine Agentur, die dezentral arbeitet und trotzdem zentrale Aufgaben der Steuerung übernimmt.

Neugierde und Begeisterung entsteht meist im gemeinsamen Tun, nicht im Klassenzimmer. Deshalb ist die Schaffung neuer Lernorte wichtig. Es gibt sie bereits:
Offene Werkstätten überziehen das gesamte Land. Makerspace, FabLabs, Repaircafés sind einige Formate. Schon jetzt arbeiten sie interkulturell und generationsübergreifend. Codingwochen an Schulen und Hochschulen nehmen auch einen wichtigen Platz ein. Barcamps ermöglichen die Schaffung von Netzwerken. Ob nun thematisch oder regional orientiert, hier wird der Wechsel zwischen Teilnehmer und Teilgeber bereits gelebt. Die über 900 Volkshochschulen mit über 3.000 Lernorten sind wichtige Netzwerkknoten und Multiplikatoren mit neuer Aufgeschlossenheit für das Thema. Nicht zu vergessen die vielen Bibliotheken, die sich neu erfinden. Erste gemeinsame Überlegungen zur Schaffung neuer Räume gibt es bereits. Meetup-Gruppen können den gesamten ländlichen Raum überziehen. Hier können Einzelakteure in der Umgebung nach Partnern suchen. Oder die überall entstehenden Co-Working-Spaces: sie sind ein guter Partner, wenn es um Bildung oder Projektideen gibt. Dort ist Wissen vorhanden. Gaming-Projekte können auf Stadteilfesten oder Schützenfesten auftreten. Einfach mal das Ungewöhnliche ermöglichen.

Akteure der ersten Stunde müssen neue Expertise mitbringen. Neu, zumindest für Bildungsprozesse im Eventformat. Wir brauchen die Influencer, die ihre Netzwerke animieren. Wir brauchen YouTuber und Prominente, wir brauchen Eventorganisatoren, wir brauchen Musiker, Maker und Kommunalpolitiker der vernetzten Generation. Wir brauchen Menschen, die Spaß an Begegnungen haben. Wir brauchen Pädagogen mit Biß und Institutionen und Unternehmen, die sich öffnen, ohne immer nur auf den eigenen Vorteil zu schielen. Das sind Menschen, die nicht erst Monate für Anträge aufwenden wollen. Sie wollen loslegen. Selbstverständlich auch mit dem Risiko des Scheiterns. All diese Akteure zu einer Bewegung zu bündeln macht den Erfolg aus. Zu finden sind sie an ungewöhnlichen nicht bekannten Orten, aber auch auf der Makerfair, der re:publica, vielen anderen Versammlungen und sogar in einigen Parlamenten. Sie warten auf eine solche Initiative. Sie sind die Botschafter und Scouts der Graswurzelbewegung.

Überall im Land werden lokale Pitches für neue Projektideen durchgeführt. Im TV gibt es eine eigene Serie, in der einer Expertenjury Projektideen vorgestellt werden. (Höhle der Löwen) Der Zuschlag orientiert sich eher an der Sozialrendite, eine neue Sichtweise auf den Break Even. Projekte werden in einer Form dokumentiert, die eine Skalierung ermöglicht.

Das Geld dafür wird zu gleichen Teilen aus öffentlichen Mitteln und Unternehmenssponsorin speisen. Nach einer Anschubfinanzierung wird die Agentur dazu einen Plan vorlegen. Was sollte uns als Gesellschaft diese Zukunftsaufgabe wert sein? Wir fangen klein an und legen die Marke 0,1 % des Bundeshaltes 2017 an. Das wären dann in der ersten Projektphase ca. 300 Mio.€. Dieser Etat wird erneuert, sobald der Topf leer ist. Es muss immer ein Budget vorhanden sein, die Zukunft schläft nicht.

Und eines muss uns klar sein: Wir haben es hier mit einer Start-Up-Initiative zu tun. Das Risiko sollten wir eingehen. Erfolg wird sich einstellen, wenn die Initiativen möglichst frei agieren können und die Begeisterung auch bei den Geldgebern ist. Dieses dynamische, mehrdimensionales Netzwerk ist es wert ausprobiert zu werden. Anders wird es nicht funktionieren. Oder gibt es bessere Ideen für den geforderten Marshallplan für eine digitale VHS? Dann her damit, es ist dringend!

 

Danke Jochen und Bildungsserver für diese Übersicht.

Verfasst von: Joachim Sucker | 8. Oktober 2017

Blogwerkstatt startet endlich

Darauf habe ich mich ehrlich schon seit Anfang des Jahres gefreut. Die Blogwerkstatt kann starten!

Es war nicht so sehr einfach, alle Regularien einer öffentlichen Förderung im Dickicht der EU-Förderrichtlinien zu meistern. Aber  unsere Förderer von Epale haben Verständnis und Geduld bewiesen. Das Schwierige zu ermöglichen scheint dort eine Einstellungsvoraussetzung zu sein.

Über das Bloggen zu berichten, Blogger*innen zu Wort kommen lassen, neue- und bestehende Blogs in der Entwicklung zu begleiten und schließlich Anleitungen zur Blogerstellung zu liefern – das hört sich erst einmal einfach an. Wenn dann auch noch eine Facebook-Gruppe dazu kommt, wird es mit den Richtlinien komplizierter.

Dabei fing alles so locker an: Christian Bernhardt und ich trafen uns in Berlin auf der k.o.s.-Tagung, Digitalisierung in der Weiterbildung. In einer Session von Sybille Würz, die über open Badges berichtete. Im Workshop sollten wir ein kleines Projekt formulieren. Nach 15 Minuten stand unsere Idee für eine Blogwerkstatt in der Erwachsenenbildung. Naja, zumindest die Grundidee.

Es folgt der ganz normale Wahnsinn. Ausschreibung, Bewerbung, Zuschlag. Alles braucht seine Zeit und es müssen Konkretisierungen her, die sich eigentlich erst in der Projektarbeit finden sollten. Also kreativ nach vorne denken.

Alleine arbeiten ist nicht meine Sache. Also beginnt die Suche nach Mitdenker*innen. Zufall und Netzwerk gehen dabei Hand in Hand. Mit Nina Oberländer oder besser gesagt Miss.No verbindet mich eine langjährige Zusammenarbeit in MOOCs und VHS-Arbeit. Ähnlich vertraut ist Alexandra Hessler vom Content Kaufhaus, die lange schon Fortbildungskonzepte realisiert. Und mit Susanne Gödecke habe ich durch Zufall eine Frau kennengelernt, die als WordPress-Expertin alles mitbringt, was uns noch fehlte.

Und plötzlich neue fundamentale Fragen: dürfen wir mit der Förderung durch Epale einen eigenen Blog betreiben? Für eine Blogwerkstatt eine Selbstverständlichkeit. Für unsere Europäer eine Herausforderung. Noch mal in die Warteschleife, kreative Ideen und dann geht es irgendwie doch. Mehr verrate ich hier nicht.

 

Im Vorfeld habe ich Christian hierzu per Skype einige Fragen gestellt:

Nun sind wir gestartet. Und wenn Du nun doch etwas neugierig geworden bist, kannst Du mehr erfahren unter

www.blogwerkstatt.info

Facebook-Gruppe

 

Wir freuen uns über eine kleine schlagkräftige Community. Vielleicht hast Du ja Lust dabei zu sein.

Verfasst von: Joachim Sucker | 8. Mai 2017

onlineVHS – darf das sein?

onlineVHS – darf das sein?

 

 

Alle reden von Blended-Learning-Angeboten. Kein Wunder, das Konzept der „Erweiterten Lernwelten“ hat Blended-Konzepte als DAS digitale Setting für Volkshochschulen empfohlen und den DigiCircles ins Stammbuch geschrieben..

Aber seien wir ehrlich – ist das nicht eine Mogelpackung? Ja –  fast alle VHS-Kolleg*innen stimmen im Mantra „Die VHS ist eine Einrichtung für Präsenzkurse“ mit ein. Ja klar, und das wird auch so bleiben. Und auch klar , das will keiner ändern!!!

Aber dürfen wir deshalb nicht über die Wirklichkeit sprechen? Die Wirklichkeit am Weiterbildungsmarkt. Und diese Wirklichkeit wird selbstverständlich auch zunehmend von reinen Online-Angeboten geprägt. Udemy, Pink University, video2brain, edudip oder zahllose andere Webinaranbieter, die mit eigenen Geschäftsmodellen arbeiten. In der beruflichen Bildung wird es Standard werden, LinkedIn, das internationale Business-Netzwerk wird es mit Lernvideos vormachen. Wie soll es auch anders gehen, wenn immer mehr Menschen just in time und an jedem Ort Weiterbildung wollen. Wie soll die Zukunft einer digitalisierten Gesellschaft denn ohne diese on-demand-Bildung auskommen?

Ja – wir brauchen diese Formate und zwar in Massen, ohne dass andere Formate wie Präsenz oder Blended dabei überflüssig werden. Im Gegenteil: es entstehen an vielen Orte neue Lernorte, z.B. die Betahaus-Academy, und diese funktionieren in erster Linie als Präsenzorte. Keiner stellt die Präsenzangebote in Frage.

 – Denkpause –

Also, wenn unbestritten ist, dass Online-Weiterbildung eine Selbstverständlichkeit wird, darf die Volkshochschule reine Online-Formate auch anbieten?

Was für eine blöde Frage. Bei 900 eigenständigen Volkshochschulen werden immer einige dabei sein, die neugierig sind und neue Möglichkeiten der Weiterbildung ausprobieren wollen. Die in der öffentlichen Finanzierung eine Verpflichtung sehen, alle Instrumente des Weiterbildungsorchesters einzusetzen, werden die obige Frage mit JA beantworten. Präsenz und Blendedformate sind gesetzt, doch ohne MOOCs, Live-Online-Kurse, Webinare als Konserve, wird das Orchester nicht zum Ohrenschmaus.

Und es gibt sie ja, die ersten VHS-Angebote und das seit 2013. Der vhsMOOC „Wecke den Riesen auf“ mit über 700 Anmeldungen. Der StrickMOOC mit ca. 500 Anmeldungen. Der ichMOOC „Mein digitales ich“ mit mittlerweile über 2.000 Anmeldungen. Aber, und das ist mir noch wichtiger, kaum merklich werden auch kleinere Online-Angebote ins Programm einzelner Volkshochschulen genommen. Die vhsKaiserslautern streamt Veranstaltungen, die vhsHolzkirchen-Otterfingen veranstaltet Live-Webinare. Die vhsMünchen hat Deutschkurse im Angebot. Das Xpert-Lernnetzwerk ist wohl die größte Initiative (siehe Deutschlandkarte) mit Sicherheit gibt es noch weitere Angebote, die ich aber nicht gefunden habe.

Bisher scheinen diese Online-Angebote nur lokal vermarktet zu werden. Und ich frage mich, ob diese Reichweiten-Amputation für das Gesamtangebot der VHS von Vorteil ist.

Es braucht nicht viel Phantasie, um für die Zukunft viele Einzelangebote in regionaler Verantwortung zu sehen, die sich nur mit Mühe realisieren lassen, da das Einzugsgebiet zu begrenzt ist. Zwar ist die VHS-Arbeit kommunal verantwortet und kein Landrat gibt Geld für weltweite Bildung gerne aus, aber auch das wird sich ändern. Vielleicht braucht es externe Anbieter, die Angebote konzipieren. Die Politik wird auch bald verstehen, dass deutschsprachige Lernangebote im Web immer einen deutschsprachigen Markt bedienen.

Dabei kann es doch mehr geben: Angebote, die für sehr viele Volkshochschulen interessant sind. Z.B. der Photoshop-Spezialkurs. Viele bieten Photoshop an, nach spätestens 2 Kursen (Anfänger/Fortgeschrittene) ist Ende mit der regionalen Nachfrage. Weitere Kurse ließen sich nur überregional realisieren. Da ist Online doch geeignet, ja geradezu zwingend. Wer diese Kurse dabei macht, ist egal. Hauptsache die Qualität stimmt. Es kommt auf den Vertrieb und die Werbung an.

Im Moment fehlt für Online eine gemeinsame VHS-Strategie. Das ist heute noch nicht tragisch, aber in 2-3 Jahren wird dieses Vakuum gefüllt. Durch die Volkshochschulen oder durch andere. Eine erste Digitale VHS (siehe Bild) gibt es schon.

Im #vhscamp17 in Kaiserslautern haben wir dazu viel gesprochen.. Die Frage war u.a.: Sind unsere Strukturen dazu geeignet eine Strategie und eine konkrete Umsetzung in den nächsten 2 Jahren zu entwickeln? Die Zweifel waren groß. Braucht es dazu eine Parallelinitiative, die mit den Volkshochschulen zusammenarbeitet?

Was meinst Du? Können wir hier die Diskussion fortführen? Schreibe Deinen Kommentar!

Verfasst von: Joachim Sucker | 17. März 2017

OER-Kooperation macht Spaß!

OER ist eigentlich nicht mein Lieblingsthema. Zu kompliziert, zu komplex und zu schwierig. Und trotzdem bekamen wir 2016 den OER-Award in der Kategorie Erwachsenenbildung für den ichMOOC.

Neulich telefonierten Stefan Will vom Deutschen Volkshochschulverband und ich. Irgendwann im Gespräch erwähnte ich, dass ich ein Tutorial zum Thema Videoproduktion mit dem Smartphone machen wollte. Wir waren ziemlich überrascht, denn bei ihm stand das Thema auch auf der Agenda und er war in der Konzeption schon klar. Sein erstes Tutorial dazu stand kurz vor dem Abschluss.
Wir haben dann kurzerhand entschieden, dass wir dazu im Sinne von Offenen Bildungsmaterialien (OER) gut kooperieren könnten. Da war das Thema OER wieder da.

So hat Stefan das erste Tutorial zum Thema „Videoeinstellungen im Smartphone“ produziert. Nach der Fertigstellung habe ich draufgeschaut und zusammen mit Alexander Eberhard Gedanken für die Fortsetzung gemacht.

 

Das Ergebnis ist die Vorstellung von kleinem und günstigem Equipment, um die Videoqualität etwas zu heben. An dieser Stelle herzlichen Dank an Alex. Professioneller geht´s nicht!!!

 

 

Stefan hat dann nachgelegt und noch ein Tutorial zur Datenkomprimierung von Videos gedreht.  Das ist ja wichtig, damit der Datentransfer gut über die Bühne geht.

 

 

Warum ich das aufschreibenswert finde?
Verbände oder große Institutionen tun sich oft schwer, mit anderen gemeinsam offene Bildungsmaterialen zu erzeugen. Das gilt natürlich auch für Unternehmen mit ihrem marketinggetriebenen sog. Alleinstellungsmerkmal. Überall muss der eigene Stempel drauf.

Die Perspektive dabei ist die der Produzenten und nicht der Nutzer. Bei einem Perspektivwechsel könnten OER-Materialien ihr volles Potential erzeugen. Wenn erst einmal das Basismaterial vorhanden ist, können eigene Schwerpunkte hinzugefügt werden. Das kann entweder eine direkte Bearbeitung des Basismaterials sein, so es die cc-Lizenz erlaubt, oder eine Fortsetzung. Hierbei ließen sich die unterschiedlichen Netzwerke (DVV und allesauszucker) auch noch in der Veröffentlichung nutzen.

Und noch etwas: Die Fähigkeit der Kooperation ist in der digitalisierten Gesellschaft eine kaum zu überschätzende Fähigkeit. OER bietet dafür einen geeigneten Rahmen.

Stefan und ich werden auf dem vhsBarcamp am 5./6. Mai in Kaiserslautern gemeinsam eine Session anbieten, die dann natürlich auch noch den Content zu Drehbuch und Sehgewohnheiten im Web ergänzen soll. Vielleicht machen wir daraus eine nächste Folge oder jemand anderes aus dem Workshop hat dazu eine gute Idee.

So macht OER auch für mich als Freiberufler viel mehr Spaß.

 

Wer noch mehr über OER erfahren möchte, sucht im Web oder geht auf eines der OER-Camps.

Und noch ein Tipp: Wer sich zum OER-Fachexperten ausbilden lassen will, kann über den Berufsverband für Trainer, Berater und Coaches eine kostenfreie Fortbildung besuchen.

 

 

 

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