Verfasst von: Joachim Sucker | 9. Mai 2018

Gibt es eine VHS-Digitalisierungsstrategie?

Gibt es eine Digitalisierungstrategie?

Im November hatte ich dazu Martin Lindner von der VHS Lingen befragt. Nun konnte ich auf dem #vhscamp18 Cornelia Steinigen von der VHS Berlin-Mitte und Caroline Baetge/Christian Soyk von der VHS Leipzig befragen.

Ich bitte den mäßigen Ton im obigen Video zu entschuldigen.

Am Vortag des #vhscamps auf dem #barcampepale wurde die Frage nach der Digitalstrategie auch von Tobias Wilder vom Bildungszentrum Nürnberg gestellt. Das Sessionprotokoll habe ich verlinkt.

Mein Eindruck:

Solange es keine Gesamtstrategie gibt, bleibt die Digitalisierung des Programms und der Einrichtung sehr an Einzelpersonen hängen. Medienkompetenz steht im Vordergrund. Sehr viele setzen auf die Freiwilligkeit der Mitarbeiter. Erste Stimmen zu Pflichtfortbildungen werden laut. Vom freundlichen Zwang ist die Rede. Konkrete Ziele sind schwer auszumachen.

Advertisements
Verfasst von: Joachim Sucker | 3. April 2018

Was ist digitale Volksbildung

Was ist digitale Volksbildung?

Da hab ich doch einen kleinen Schreck bekommen, als ich Anjas Beitrag über digitale Volksbildung las. Anja, Du suchst immer die Wege aus den Kuschelecken der einfachen Antworten. Dafür schätze ich Dich.  Aber 😉 – so pauschal digitale Volksbildung als “pillepalle” darzustellen, ist für mich ein willkommener Anlass, den Begriff  “digitale Volksbildung” anfassbarer zu machen. Zumindest in der Variante, die ich früh in die Diskussion einbrachte. Schließlich bin ich in Deinem Beitrag auch gemeint: “Derzeit erheben sich einige Personengruppen, wieder neu zu definieren, was man heute wissen muss oder wie man sich zu verhalten habe …

Unbestritten stellen sich bei einigen unter uns die Nackenhaare auf, wenn sie “digitale Volksbildung” hören. Nach 25 Jahren VHS-Arbeit bleibe ich beim Begriff “Volksbildung” gelassen. Wer dabei düstere Visionen aufziehen sieht, kann sich bitte einen besseren Begriff ausdenken. Aber bitte nicht digital Literacy.

Unbestritten befinden wir uns auch in einem gesellschaftlichen Umbruch. Klimawandel, Globalisierung, Digitalisierung versetzen sehr viele in Angst und Ratlosigkeit. Wir haben alle viel zu lernen, wenn wir diesen Wandel auch nur in Ansätzen verstehen wollen. Künstliche Intelligenz – smarte Konzepte zur Weltverbesserung an jeder StartUp-Ecke. Kapitalisten, die außer unseren Daten nichts haben, erleben Höhenflüge an den Börsen. Der Plattformkapitalismus greift um sich. Datenschutz und der Wunsch nach Privatsphäre scheinen angesichts der vorherrschenden Geschäftsmodelle aussichtslos. Wir werden nicht gefragt, ob das in unserer Demokratie so sein soll. Die, die uns fragen sollten, unsere Politiker, haben keine Ahnung und wir, die etwas dazu sagen sollten, auch sehr wenig. Es reicht eben nicht, nur kluge Fragen zu stellen. Wir brauchen langsam mal Antworten, solange die Realität dafür noch den Raum bietet. Da könnte Bildung einen Beitrag leisten.

Anja, es reicht aus meiner Sicht nicht, wenn Du schreibst: “Dass diese ganzen “Schwachen” schon lange auf ihre Art digital kompetent unterwegs sind, sie selbstverständlich WhatsApp, Facebook und YouTube für ihre Zwecke nutzen, das wird dabei völlig ignoriert.“ Ich möchte Menschen dabei unterstützen, mehr über die digitalisierte Gesellschaft und unsere Zukunft zu erfahren. Ich möchte Gelegenheiten schaffen, Neugierde entstehen zu lassen. Das wäre die Aufgabe von digitaler Volksbildung. Es reicht mir nicht, wenn die “Schwachen” nur Konsumenten sind. Und mit “Schwachen” meine ich uns alle, die ratlosen 95%.

In Deinem Beitrag schimmert immer die Perspektive von Schule und Hochschule durch. Du schreibst von den Wissenden oder den Schwachen. So mag es in der Schule und Hochschule immer noch sein. Ich rede hier aber von Erwachsenenbildung. Und diese Form der Bildung ist zuallererst lebensgeleitend und freiwillig. Und – die Menschen bezahlen meist auch noch Geld dafür. Diese anderen Marktbedingungen regulieren das Angebot. Niemand muss seine Freizeit damit verbringen. Ohne eigenen Nutzwert wird das Angebot nicht angenommen. Keiner bezahlt für Angebote, die nicht gebraucht werden. Und die über 6 Millionen Anmeldungen in den 900 Volkshochschulen werden ihre Berechtigung haben, die ich nicht in Frage stelle. Sich darüber zu erheben, steht mir und uns nicht zu.

Bildung auf Augenhöhe

In meiner digitalen Volksbildung gibt es auch nicht DIE Wissenden. Anders als früher sehen wir, dass gerade Erwachsenenbildung lernend ist. Ich sehe keine VHS, die anderen sagt, wie die Welt funktioniert. Sie wissen es selber nicht. Das ist doch schon mal eine gute Ausgangslage um auf Augenhöhe gemeinsam zu lernen.

Ich sehe in meiner Bildungsvision auch nicht nur Kurse. In unserem gemeinsamen MOOC Leuchtfeuer 4.0 haben wir digitale Volksbildung realisiert. Wir schauten neue Lernräume an oder die Verbindung zwischen Arbeit und Lernen und einiges mehr. Als Mitveranstalter habe ich nicht anders oder weniger gelernt, als alle anderen der über 600 Angemeldeten. Wir haben Impulse hineingegeben, ohne zu sagen, wie damit umzugehen ist. Die dadurch initiierten Gespräche haben mir viel gegeben.

Digitale Volksbildung braucht einen Kanon von Lernsettings. Stichworte hierzu sind: neue Räume wie Makerspaces, Repaircafe`s, FabLabs oder die bekannten Co-Working-Spaces als Orte des Austausches und nicht als Kursräume. Ich sehe Räume, in denen die Menschen peer2peer aufeinander zugehen, so wie es erste Bibliotheken vormachen. Ich sehe offene Orte, den sog. „Dritten Ort„, wo Menschen eigene Formate erfinden, seien es Vorträge, Spiele, Erzählrunden, digitale Bürgersprechstunden, …  – selbstorganisiert wäre natürlich gut. Diese Räume können von kommunalen Einrichtungen geschaffen werden, ohne Kontrolle über die Aktivitäten zu beanspruchen. In Norderstedt wird VHS und Bibliothek einen solchen Raum herstellen. Aber natürlich sehe ich auch klassische Kurssettings, wenn sie gewünscht sind. Das entscheiden die Menschen ganz eigenständig.

Digitale Volksbildung ist auch kein Projekt für eine Organisation. Sie ist die Aufgabe aller, die dafür einen Beitrag leisten wollen. Dazu wird es Anreize zur kommunalen Vernetzung brauchen. Von wem die Initiative ausgeht ist je nach Kommune verschieden. Vielleicht nennen sich diese Orte digitale Bürgerbüros, wie in Wolfsburg oder die Kirchengemeinde macht Platz für einen Ort der Begegnung. Oder es ist der Versammlungsraum in der Dorfkneipe, wo Menschen über digitale Anwendung im Dorf sprechen. Oder Seniorenrunden beim ASB, die ihre Wohnungen mit Sensoren ausstatten, oder …. Und ja, Medien und EDV gehört ebenso dazu. Aber, und das ist entscheidend, keine strikte Agenda, sondern Platz für das Unvorhergesehene.

Digitale Volksbildungist kein 5 Milliarden-Programm für Schulen: wir brauchen keinen Masterplan, wir brauchen Kreativität und Neugierde, andere Wege zu gehen. Nicht für Menschen, sondern mit Menschen. Nicht für Institutionen, die ihre Existenz begründen wollen, sondern für die Familie und die gesamte Kommune, das Volk.

Wir brauchen aber Stakeholder, die in der Lage sind, solche Initiativen bundesweit in die Kommunen zu bringen. Und da gibt es nicht viele, die dazu in der Lage sind. Wenn die Volkshochschulen diesen Weg gehen wollen, wäre das ein Fortschritt, denn sie sind kommunal ein Anker soziokultureller Aktivitäten. Vielleicht nicht in Berlin, Hamburg und Köln, aber in der Fläche schon. VHS als Initiator kommunaler Bündnisse. Nicht auf dem eigenen Ticket.

Was mich froh dabei macht, ist das Wissen, dass viele Mitarbeiter*innen und Kursleitungen genau darüber sprechen. Sie sehen sich selbst als Suchende, als Lernende. Wenn die Bildungs- und Kultureinrichtungen jetzt noch ihren Egoismus überwinden und die Community in den Mittelpunkt des Handelns rücken, dann kann das Pflänzchen der digitalen Volksbildung langsam wachsen.

Und damit unterschreibe ich auch Deinen Schlusssatz:  “Erhebt euch nicht, sondern schwimmt dort in den Gewässern mit, in denen Menschen bereits aktiv sind! Das wäre meine Empfehlung.”

Verfasst von: Joachim Sucker | 7. März 2018

Hurra, die cloud ist da – ein Zwischenruf

VHS MOOC

Hurra, die cloud ist da – ein Zwischenruf

Ja, die vhs.cloud ist eröffnet. Sie ist noch reichlich Beta, aber nutzbar für alle, die auch mal Unfertiges fertiger machen wollen. Was Microsoft kann, kann VHS auch.

Die Volkshochschulen haben nun ihre eigene Wolke. Und diese Wolke wird einen Strukturwandel nach sich ziehen. Nicht nur, weil die Kursangebote in dieser Wolke eine Heimat finden können, sondern weil sich Kommunikation grundsätzlich neue Wege suchen wird.

Was in den letzten Jahre als kleine Graswurzelbewegung auf unterschiedlichen Plattformen wie Xing, Google+, Twitter oder Facebook begann, mündet jetzt logischerweise in der vhs.cloud. 2013 hieß es noch: „Wecke den Riesen auf“. Heute ist der Riese erwacht und er beginnt aufzustehen. Diese eierlegende Wollmilchsau mit Namen vhs.cloud stellt eine Zeitenwende dar.

Man könnte ja meinen, es wäre nur eine weitere Plattform. Es ist mehr als das. Es ist schlichtweg die Sprengung bisheriger Kommunikationshierarchien. Informationsaustausch, der bisher im Rahmen strengerer Regularien zwischen dem Deutschen Volkshochschulverband und den 16 Landesverbänden kommuniziert wurde, verflüssigt sich mittelfristig in die Cloud. Querkommunikation wurde in Fachgremien organisiert. Erste Gruppen in der Cloud nehmen diese Aufgaben bereits wahr. Die Landesverbände saßen auf ihren Mitgliedsvolkshochschulen, wie die Glucke auf dem Ei. Mit der vhs.cloud hat sich die neue Kommunikationsstruktur und die Kultur des Teilens, der Transparenz durchgesetzt.

Der Druck war groß, denn Digitalisierung hält sich nicht an Landesgrenzen. Aber es ist auch mutig, eine Wolke des Teilens zu etablieren. Vielleicht ist noch nicht allen Verbänden klar, dass sie mit der zunehmenden Nutzung der Cloud die eigene Rolle überdenken und verändern müssen. Die Kontrolle über Abstimmungsprozesse und Kooperationen geht verloren. Volkshochschulen haben sich bisher weitgehend über die Verbände miteinander verbunden. Das wird jetzt in der Cloud realisiert. Dafür sind Verbände nicht mehr notwendig. Wenn die Verbände diesen Prozess aktiv unterstützen, bleiben sie Ansprechpartner für viele Volkshochschulen. Die Cloud braucht jetzt natürlich Content und der kann erst durch Schulungen eingebracht werden. Service ist somit noch dringender, damit die Cloud nicht zum Rohrkrepierer wird.

Die Cloud hat viele offene Fenster, auch für die Verbände. Die Kommunikation mit ihren Mitgliedseinrichtungen kann grundsätzlich dynamisiert werden. Sprechstunden über Yulinc-Videokonferenzen, kollaboratives Arbeiten mit den Volkshochschulen an Konzepten oder transparente Lobbyarbeit – die Cloud bietet hierzu viele Tools.

Und andererseits wird vielen Volkshochschulen etwas fehlen: das bequeme Einfordern von Netzwerkarbeit durch die Verbände. Die Cloud zwingt durch Ihre Möglichkeiten jeden selbst aktiv zu werden.

Mutig ist auch der Zeitpunkt der Öffnung. Die NutzerInnen werden so noch an der Fertigstellung beteiligt. Kritik sollte jetzt massenhaft und konstruktiv eingebracht werden. So kann die VHS in Sachen digitaler Volksbildung liefern.

Politik sollte diesen Mut mit weiteren Investitionen fördern. Vielleicht legen die Volkshochschulen auch ihre grenzenlose Bescheidenheit ab und starten durch.

 

Verfasst von: Joachim Sucker | 12. Februar 2018

Next Level – VHS

Nextlevel

Wer wie ich Volkshochschulen auf dem Weg in die digitalisierte Gesellschaft begleitet, spürt eine große Ratlosigkeit. Wie soll der Schritt gemacht werden? Kaum geeignetes Personal, so gut wie keine begeisterten Kursleitungen und die Kunden scheinen mit den traditionellen Angeboten zufrieden zu sein. Und doch wissen fast alle: an digitalen Konzepten führt kein Weg vorbei. Ein sehr großer Anteil von Volkshochschulen ist dem nicht gewachsen. Da nützen auch keine markigen Papiere. Es braucht massive Unterstützung und zwar jetzt.

Wenn jetzt nicht der nächste Schritt getan wird, wird sich ein digitaler Graben durch die Volkshochschulen ziehen. Das schadet der Marke VHS fundamental.

Chancen einer Umsetzung bietet überraschenderweise die Politik. Der Koalitionsvertrag spricht in Sachen digitale Volksbildung eine deutliche Sprache.

„Menschen müssen in jedem Alter und in jeder Lebenslage die Chance haben, am digitalen Wandel teilzuhaben, digitale Medien für ihr persönliches Lernen und ihre Bildung zu nutzen und Medienkompetenz zu erwerben. Wir wollen die Entwicklung von attraktiven, niedrigschwelligen Lernangeboten fördern, vor allem im Bereich der #Volkshochschulen, und die Qualitätssicherung in der digitalen Weiterbildung durch Bildungsforschung unterstützen.“ (S.31) Weitere spannende Passagen hat Martin Lindner in seinem Digfisch-Blog zitiert. Egal, ob der Vertrag realisiert wird – die Volkshochschulen sollten den Impuls jetzt nutzen. So schnell kommt diese Gelegenheit nicht wieder.

Wie kann das next Level der digitalen Volksbildung erreicht werden?

Wie können Volkshochschulen unterstützt werden? Es braucht ein zukunftsfähiges Konzept und keine individualisierte Projektlösung.

Bildung in der digitalisierten Gesellschaft  ist kein Projekt –
es ist die Zukunft.

Als Motor der Entwicklung haben sich neben einzelnen Volkshochschulen besonders die Verbände gezeigt. Aber: das bisherige Wechselspiel zwischen vereinzelten Initiativen von  innovativen Volkshochschulen und dem Programm des DVV ist eindeutig nicht dynamisch genug. Es klemmt in den selbstauferlegten Strukturen. Alle wollen nur das Beste, welches im Netzwerk der Einzelinteressen untergeht. Zu viele Beschränkungen in der Kommunikation, zu viele isolierte Projekte und zu wenig grösser gedachte Angebotslösungen für alle 900 Volkshochschulen. Erste Pilotprojekte durch Digicircles in die Fläche zu bringen, braucht in diesen Struktur einige Jahre. Hier braucht es Standards, um in die Fläche zu kommen.

Ein Haus, eine vhs.cloud für digitalisierte Lösungen zu bauen, ist sicherlich wichtig und richtig, doch die Vergangenheit lehrt auch, dass es nun darauf ankommt Leben in die Bude zu bringen. Dieses Leben (Kurse, Projekte, Diskussionen) können keine Verbände erzeugen. Das bleibt Aufgabe der Volkshochschulen.

Also: wie erreichen wir das next level?

Die Konzeptgruppe der Erweiterten Lernwelten hat in ihrem ersten Papier bereits den Aufbau einer Agentur vorgeschlagen. Eine Agentur, die Service organisiert und dabei selbst in die Kursentwicklung geht. Es bleibt natürlich bei der Freiheit jeder Volkshochschule, diesen Service zu nutzen, eigene Angebote zu entwickeln.
Bisher hat der Bundesverband DVV diesen Service organisiert. Doch ist wohl allen Beteiligten klar, ein Verband ist ein Verband und keine Serviceagentur. Service braucht Innovation, Dynamik und eine Fokussierung auf marktgängige Produkte. Das läßt sich unter wirtschaftlichen Bedingungen realisieren. Ein Verband hat andere Aufgaben.

Wie kann eine Serviceagentur gedacht werden?

Unternehmensform

Das VHS Lab ist ein Tochterunternehmen des DVVs oder einer anderen Formation aus dem VHS-Netzwerk. Als gGmbH soll sie Einnahmen reinvestieren.

Unternehmensstruktur

Das Unternehmen arbeitet in den Bereichen des technischen Supports, der Adaption neuer Technologien für die Erwachsenenbildung bis hin zur konkreten Produktentwicklung und deren Vertrieb in die Weiterbildungslandschaft.

Parallel dazu braucht es dynamische Fortbildungsformate, um die Beschäftigten, seien es Mitarbeitende oder Kursleitende, als Übersetzer des digitalen Wandels zu ertüchtigen.

Forschung/Entwicklung und Produktentwicklung/Vertrieb

Wir brauchen eine verlässliche Weiterentwicklung bestehender Tools. Sei es die App, die dahinterliegende Datenbank aller VHS-Kurse oder die vhs.cloud. Für die bestehenden Lernportale sehe ich die bisherigen Teams in der Verantwortung, die allerdings nicht in der Agentur integriert sein müssen.
Im Bereich der Forschung werden neue Tools auf die Tauglichkeit für Erwachsenenbildung getestet und wenn möglich/nötig, adaptiert.

Als einen Schwerpunkt sehe ich die Entwicklung einer provisionsorientierten Vertriebslösung. Das Team entwickelt neue Online-Kurse die allen Volkshochschulen angeboten werden. Dabei werden die Produktschritte von der Entwicklung bis zum Vertrieb durch ein Team verantwortet.

Das Modell kann so aussehen:
Volkshochschulen, die sich am Vertrieb dieser Kurse beteiligen wollen, erhalten einen Link-Button, den sie auf die eigene Website stellen, bzw. über einen QR-Link im Programmheft, über den sie aufmerksam machen. Wenn über diese Links (Affiliate) ein TN für einen Onlinekurs gewonnen wird, wird der betreffenden VHS eine Provision überwiesen. Hierzu gibt es bereits fertige Systeme. Über diesen Weg gibt es nur Gewinner. Die VHS kann einerseits das eigene Portfolio nach eigenem Ermessen erweitern, braucht keine Entwicklungskosten oder technische Infrastruktur, hat andererseits mögliche Einnahmen, indem sie lediglich die Werbung unterstützt.

In der ersten Phase können die Onlinekurse eine Weiterentwicklung bestehender VHS-Standards sein. Beispiel: Photoshop 1 und 2 können noch an Volkshochschulen in Präsenz realisiert werden. Bei weiteren Spezialisierungen ( Photoshop 3 + 4) werden sich vor Ort selten ausreichend TN finden. Onlineangebote bieten durch die Markterweiterung auf den gesamten deutschsprachigen Raum, bei flächendeckender Werbung, eine hohe Chance auf hinreichend viele TN. Wenn diese Kurse dann noch als Konserve produziert werden, wie es z. B. Udemy zeigt, können die Kurse laufend in den Vertrieb gehen. Ondemand ist ein Qualitätsmerkmal für diese Form der Onlinekurse.
In der zweiten Phase werden die Kurse nicht nach Spezialisierungen entwickelt, sondern nach Lerngruppen. Also Menschen, die bisher das VHS-Präsenzsystem nicht annehmen konnten oder wollten.

In der Qualitätssicherung sollte ein Aspekt auf der laufenden Aktualisierung entwickelter Formate gelegt werden. Oncampus wäre hier ein Beispiel. Massiv Open Online Course (MOOCs) werden dort so produziert, dass sie nach Möglichkeit über Jahre hinweg im Vertrieb sind. So hätte z.B. der ichMOOC weitere Realisierung erfahren können, wenn die beteiligten Volkshochschulen aus Hamburg und Bremen das gewollt hätten. Einen MOOC nur einzigartig anzubieten ist kein Erfolgsmodell, weder im Sinne der digitalen Volksbildung, noch ökonomisch.

Neben den Onlinekursen werden auch Blended-Kurse im Fokus stehen. Dazu braucht es Lernmaterial, welches bestehende Präsenzkurse anreichert. Das werden in erster Linie Videoeinheiten sein, die über die vhs.cloud bereitgestellt werden. Interessant bleiben auch die Blended-MOOCs: zentral produzierte Online-Kurse in der Cloud, die über regionale Begleitgruppen in Präsenzform angereichert werden und zu einer lokalen Cmmunitybildung beitragen können.

Eine Herausforderung stellt das Thema Offene Bildungsmaterialien (OER) dar. Die Materialien einzig in der vhs.cloud bereitzustellen, kann keine Lösung sein. Hier kann ein Zusammenwachsen mit offenen Plattformen ein Ziel sein..

Die Mischung all dieser Lernsettings kann sehr schnell zu einem der breitesten Angebote im deutschsprachigen Raum werden. Die vhs.cloud bildet hier eine gute Grundlage. Die Buchungsmöglichkeiten der Webinarkonserven, der MOOCs und anderer Kursformate ermöglichen einen jederzeitigen Einstieg der Teilnehmenden. Aktualisierungen garantieren ein zeitgemäßes Weiterbildungsangebot.

Qualifizierung

Entwicklung von onlinebasierten Fortbildungssettings sind zwingend, da nur über diesen Ansatz hinreichend viele Mitarbeiter das notwendige Wissen erlangen können. Sie sind z. B. als Konserve kostengünstiger und können über einen längeren Zeitraum begleitend genutzt werden. Wenn diese Fortbildungen in der Konzeption gleich für alle relevanten Lerngruppen (Mitarbeitende, Kursleitungen und Teilnehmende) angelegt werden, kann digitale Volksbildung in Teilen sofort starten. Wir überspringen die herkömmlichen Fortbildungsketten (erst MA, dann KL, dann TN) und gewinnen so an Dynamik.

Finanzierung

Das Unternehmen kann erfolgreich sein, wenn es mit einer Startup-DNA gegründet wird. Das benötigte Risikokapital wird über eine öffentliche Anschubfinanzierung gewährleistet. Es sollte keine Marktbegrenzung auf Volkshochschulen geben, aber eine deutliche Serviceorientierung für die Volkshochschulen und deren Verbände im Fokus haben. Eine ähnliche Konstruktion gibt es bereits mit der Tochtergesellschaft telc, Die Produkte dieser Agentur werden von Volkshochschulen und Verbänden gekauft. Es ist leicht vorstellbar, dass der Markt von über 900 Volkshochschulen ausreicht, um eine Produktentwicklung zu ermöglichen. Allerdings stehen die Produkte, wie in der Privatwirtschaft unter Erfolgsdruck. Jedes Produkt braucht daher eine Wirtschaftlichkeitsberechnung und entsprechende Erfolgskennzahlen.

Agile Struktur

Die Arbeitsgebiete werden nicht nach Abteilungen getrennt. Es sind eher kleine agile Teams, die die komplette Kette von Entwicklung bis Vertrieb verantworten. Die bisherige Trennung von Kursentwicklung und Marketing, wie in größeren Volkshochschulen installiert, sorgt für Reibungsverluste in der gegenseitigen Zuschreibung von Mißerfolgen. Die Agentur ist auch kein Sammelbecken bisheriger Aktivitäten des Verbandes. Personalanforderungen und Stellenbeschreibungen sollten sich eher an Startups orientieren.

Nach den ersten Jahren der Umsetzung der Erweiterten Lernwelten durch den Dachverband, kommt dieser Lösung noch mehr Bedeutung zu.

Verfasst von: Joachim Sucker | 17. Januar 2018

Digital-VHS im Dschungel der Diskussionen

Das Jahr 2018 ist noch jung und es ist ein guter Moment, eine Übersicht der Aktivitäten zum Konzept der Erweiterten Lernwelten und zum Stand der Diskussion um die Digitalisierung in der VHS zu ziehen. An unterschiedlichen Stellen werden Themen sichtbar, die bisher in den Konzepten eine untergeordnete Rolle spielten. Fangen wir mit dem ganz großen Thema an.

digitalVHS

Sascha Lobo hat in einem Marshallplan die Digital-VHS gefordert. Im Kern geht es bei dieser Forderung um die Sicherstellung der digitalen Teilhabe weiter Bevölkerungskreise, einer Form digitaler Volksbildung. Lobo und andere wünschen sich eine Volkshochschule, die Verantwortung übernimmt und ein breites Programm zur Digitalisierung auflegt. In meinem Blog habe ich hier darauf geantwortet und eine erste Diskussion gestartet. Das Konzept der „Erweiterte Lernwelten“ liefert zu dieser Forderung zwar keine Antwort, aber es zeigt, dass die Graswurzel der VHS-Familie schon inhaltlich breiter diskutieren.

Der Verein „Erweiterte Lernwelten“ hat zu dieser Frage eine erste Interviewreihe gestartet. Im ersten Interview sprechen Marie Batzel (VHS-Neuss) und Amelie Wangrim (VHS Köln) dazu. Weiterhin hat der Verein das Format des Lagerfeuers gestartet. Im Rahmen einer Videokonferenz werden monatlich Themen vorgeschlagen, die mit Kolleg*innen diskutiert werden können. Die Konferenz ist frei und über die Vereinswebsite ist der Link abrufbar. Digital-VHS, Online-Kurse oder Kursstatistik waren u.a. Themen, die auch kollaborativ weiter bearbeitet werden.

 

Lernkompetenzen

An anderer Stelle wird die Frage der Lernkompetenzen für ein Lernen in der digitalisierten Gesellschaft gestellt. Martin Lindner (VHS-Lingen) hat dazu den europäischen Kompetenzrahmen konkretisiert. Erste Überlegungen, VHS-Kurse in diesem Rahmen zu verorten, werden in Lingen realisiert. Wer mal einen Blick in so ein Programm werfen möchte, kann es hier tun. Er selbst sagt dazu: „Der Witz ist, dass „digitale Kompetenz“ hier ganz streng analog zu „Sprache lernen“ verstanden wird. es sind quasi Sprachkurse: „Digitalesisch sprechen und sich in Digitalien bewegen können““.

 

Mitarbeiter-Kompetenzen

Natürlich stellt sich da auch die Frage nach den Kompetenzen der Mitarbeiter*innen in der VHS. Dazu gibt es gleich drei inhaltliche Ansätze. Der Bundesarbeitskreis hat eine Liste erstellt. Martin Lindner hat in seinem Blogpost 9 konkrete Fragen an uns selbst die Anforderungen weiter konkretisiert. Für die k.o.s. in Berlin habe ich auf der Tagung Digitalisierung in der Weiterbildung hierzu auch einen Input gegeben. Etwas unbequem ist allerdings die Beschreibung der Hemmnisse in der Umsetzung, die überwiegend durch mangelnde Kenntnisse oder Interessen der Mitarbeiter*innen gekennzeichnet sind. Wir sind alle nicht so sehr auseinander, was die Beschreibung des Notwendigen betrifft. Die Frage wird sein, wann solche Kompetenzraster in die Mitarbeiter-Fortbildungen einfließen bzw. in den Stellenprofilen auftauchen. VHS-Lingen, VHS-Leipzig und VHS-Berlin- Mitte haben erste Ausschreibungen hierzu realisiert. Dazu werde ich noch Interviews führen. Ein erstes Interview mit Martin Linder ist hier zu sehen.

 

vhs.cloud

Ein Thema der Zukunft ist sicherlich die Nutzung der vhs.cloud. Die VHS.cloud ist fast pünktlich an den Start gegangen. Derzeit werden vielerorts die Zugänge eingerichtet und die Betaphase hat richtig Schwung aufgenommen. Die Anforderungen waren hoch und so ist ein etwas unübersichtlicher Dschungel gewachsen. Das ist eher eine interne Diskussion innerhalb der VHS-Gremien. Es wird sich zeigen, welche Bereiche letztendlich sinnvoll zu nutzen sind.

Neue Lernräume

Noch etwas im Verborgenen wird über den dritten Ort gesprochen. Im Zuge kommunaler Kulturarbeit rückt die Kooperation zwischen Bibliotheken und Volkshochschulen in den Fokus kommunaler Gremien. An unterschiedlichen Orten werden neue Konzepte ausprobiert, wobei die Bibliotheken z.B. in Köln agile Bildungsarbeit integrieren. Aus VHS-Perspektive wird die Latte in Köln recht hoch gelegt. Dazu folgt auch noch ein Blogpost. Andernorts werden neue Bildungshäuser entstehen (Wolfsburg, Norderstedt), die diesen Gedanken aufnehmen. Ein Blick ins nahe Ausland ( Kerkrade, Oslo etc.) kann für Inspiration sorgen und Volkshochschulen wichtige Impulse geben. Aber darüber schreibe ich im nächsten Blogpost.

Meine Sicht ist die eines Begleiters, der viel mit einzelnen Volkshochschulen arbeitet. Sicherlich werden an anderen Stellen weitere Themen diskutiert, die über das operative Geschäft der Bildungseinrichtung hinausgehen. Über eine Vervollständigung der Themen in der Kommentarleiste freue ich mich. Vielleicht können wir so gemeinsam den Stand der Entwicklung darstellen. Und selbstverständlich sind auch weitere Anbieter der Erwachsenenbildung dazu aufgerufen. Wir sind noch zu schwach in der Bildungsdiskussion vertreten.

Older Posts »

Kategorien