Verfasst von: Joachim Sucker | Mai 8, 2017

onlineVHS – darf das sein?

onlineVHS – darf das sein?

 

 

Alle reden von Blended-Learning-Angeboten. Kein Wunder, das Konzept der „Erweiterten Lernwelten“ hat Blended-Konzepte als DAS digitale Setting für Volkshochschulen empfohlen und den DigiCircles ins Stammbuch geschrieben..

Aber seien wir ehrlich – ist das nicht eine Mogelpackung? Ja –  fast alle VHS-Kolleg*innen stimmen im Mantra „Die VHS ist eine Einrichtung für Präsenzkurse“ mit ein. Ja klar, und das wird auch so bleiben. Und auch klar , das will keiner ändern!!!

Aber dürfen wir deshalb nicht über die Wirklichkeit sprechen? Die Wirklichkeit am Weiterbildungsmarkt. Und diese Wirklichkeit wird selbstverständlich auch zunehmend von reinen Online-Angeboten geprägt. Udemy, Pink University, video2brain, edudip oder zahllose andere Webinaranbieter, die mit eigenen Geschäftsmodellen arbeiten. In der beruflichen Bildung wird es Standard werden, LinkedIn, das internationale Business-Netzwerk wird es mit Lernvideos vormachen. Wie soll es auch anders gehen, wenn immer mehr Menschen just in time und an jedem Ort Weiterbildung wollen. Wie soll die Zukunft einer digitalisierten Gesellschaft denn ohne diese on-demand-Bildung auskommen?

Ja – wir brauchen diese Formate und zwar in Massen, ohne dass andere Formate wie Präsenz oder Blended dabei überflüssig werden. Im Gegenteil: es entstehen an vielen Orte neue Lernorte, z.B. die Betahaus-Academy, und diese funktionieren in erster Linie als Präsenzorte. Keiner stellt die Präsenzangebote in Frage.

 – Denkpause –

Also, wenn unbestritten ist, dass Online-Weiterbildung eine Selbstverständlichkeit wird, darf die Volkshochschule reine Online-Formate auch anbieten?

Was für eine blöde Frage. Bei 900 eigenständigen Volkshochschulen werden immer einige dabei sein, die neugierig sind und neue Möglichkeiten der Weiterbildung ausprobieren wollen. Die in der öffentlichen Finanzierung eine Verpflichtung sehen, alle Instrumente des Weiterbildungsorchesters einzusetzen, werden die obige Frage mit JA beantworten. Präsenz und Blendedformate sind gesetzt, doch ohne MOOCs, Live-Online-Kurse, Webinare als Konserve, wird das Orchester nicht zum Ohrenschmaus.

Und es gibt sie ja, die ersten VHS-Angebote und das seit 2013. Der vhsMOOC „Wecke den Riesen auf“ mit über 700 Anmeldungen. Der StrickMOOC mit ca. 500 Anmeldungen. Der ichMOOC „Mein digitales ich“ mit mittlerweile über 2.000 Anmeldungen. Aber, und das ist mir noch wichtiger, kaum merklich werden auch kleinere Online-Angebote ins Programm einzelner Volkshochschulen genommen. Die vhsKaiserslautern streamt Veranstaltungen, die vhsHolzkirchen-Otterfingen veranstaltet Live-Webinare. Die vhsMünchen hat Deutschkurse im Angebot. Das Xpert-Lernnetzwerk ist wohl die größte Initiative (siehe Deutschlandkarte) mit Sicherheit gibt es noch weitere Angebote, die ich aber nicht gefunden habe.

Bisher scheinen diese Online-Angebote nur lokal vermarktet zu werden. Und ich frage mich, ob diese Reichweiten-Amputation für das Gesamtangebot der VHS von Vorteil ist.

Es braucht nicht viel Phantasie, um für die Zukunft viele Einzelangebote in regionaler Verantwortung zu sehen, die sich nur mit Mühe realisieren lassen, da das Einzugsgebiet zu begrenzt ist. Zwar ist die VHS-Arbeit kommunal verantwortet und kein Landrat gibt Geld für weltweite Bildung gerne aus, aber auch das wird sich ändern. Vielleicht braucht es externe Anbieter, die Angebote konzipieren. Die Politik wird auch bald verstehen, dass deutschsprachige Lernangebote im Web immer einen deutschsprachigen Markt bedienen.

Dabei kann es doch mehr geben: Angebote, die für sehr viele Volkshochschulen interessant sind. Z.B. der Photoshop-Spezialkurs. Viele bieten Photoshop an, nach spätestens 2 Kursen (Anfänger/Fortgeschrittene) ist Ende mit der regionalen Nachfrage. Weitere Kurse ließen sich nur überregional realisieren. Da ist Online doch geeignet, ja geradezu zwingend. Wer diese Kurse dabei macht, ist egal. Hauptsache die Qualität stimmt. Es kommt auf den Vertrieb und die Werbung an.

Im Moment fehlt für Online eine gemeinsame VHS-Strategie. Das ist heute noch nicht tragisch, aber in 2-3 Jahren wird dieses Vakuum gefüllt. Durch die Volkshochschulen oder durch andere. Eine erste Digitale VHS (siehe Bild) gibt es schon.

Im #vhscamp17 in Kaiserslautern haben wir dazu viel gesprochen.. Die Frage war u.a.: Sind unsere Strukturen dazu geeignet eine Strategie und eine konkrete Umsetzung in den nächsten 2 Jahren zu entwickeln? Die Zweifel waren groß. Braucht es dazu eine Parallelinitiative, die mit den Volkshochschulen zusammenarbeitet?

Was meinst Du? Können wir hier die Diskussion fortführen? Schreibe Deinen Kommentar!

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Verfasst von: Joachim Sucker | März 17, 2017

OER-Kooperation macht Spaß!

OER ist eigentlich nicht mein Lieblingsthema. Zu kompliziert, zu komplex und zu schwierig. Und trotzdem bekamen wir 2016 den OER-Award in der Kategorie Erwachsenenbildung für den ichMOOC.

Neulich telefonierten Stefan Will vom Deutschen Volkshochschulverband und ich. Irgendwann im Gespräch erwähnte ich, dass ich ein Tutorial zum Thema Videoproduktion mit dem Smartphone machen wollte. Wir waren ziemlich überrascht, denn bei ihm stand das Thema auch auf der Agenda und er war in der Konzeption schon klar. Sein erstes Tutorial dazu stand kurz vor dem Abschluss.
Wir haben dann kurzerhand entschieden, dass wir dazu im Sinne von Offenen Bildungsmaterialien (OER) gut kooperieren könnten. Da war das Thema OER wieder da.

So hat Stefan das erste Tutorial zum Thema „Videoeinstellungen im Smartphone“ produziert. Nach der Fertigstellung habe ich draufgeschaut und zusammen mit Alexander Eberhard Gedanken für die Fortsetzung gemacht.

 

Das Ergebnis ist die Vorstellung von kleinem und günstigem Equipment, um die Videoqualität etwas zu heben. An dieser Stelle herzlichen Dank an Alex. Professioneller geht´s nicht!!!

 

 

Stefan hat dann nachgelegt und noch ein Tutorial zur Datenkomprimierung von Videos gedreht.  Das ist ja wichtig, damit der Datentransfer gut über die Bühne geht.

 

 

Warum ich das aufschreibenswert finde?
Verbände oder große Institutionen tun sich oft schwer, mit anderen gemeinsam offene Bildungsmaterialen zu erzeugen. Das gilt natürlich auch für Unternehmen mit ihrem marketinggetriebenen sog. Alleinstellungsmerkmal. Überall muss der eigene Stempel drauf.

Die Perspektive dabei ist die der Produzenten und nicht der Nutzer. Bei einem Perspektivwechsel könnten OER-Materialien ihr volles Potential erzeugen. Wenn erst einmal das Basismaterial vorhanden ist, können eigene Schwerpunkte hinzugefügt werden. Das kann entweder eine direkte Bearbeitung des Basismaterials sein, so es die cc-Lizenz erlaubt, oder eine Fortsetzung. Hierbei ließen sich die unterschiedlichen Netzwerke (DVV und allesauszucker) auch noch in der Veröffentlichung nutzen.

Und noch etwas: Die Fähigkeit der Kooperation ist in der digitalisierten Gesellschaft eine kaum zu überschätzende Fähigkeit. OER bietet dafür einen geeigneten Rahmen.

Stefan und ich werden auf dem vhsBarcamp am 5./6. Mai in Kaiserslautern gemeinsam eine Session anbieten, die dann natürlich auch noch den Content zu Drehbuch und Sehgewohnheiten im Web ergänzen soll. Vielleicht machen wir daraus eine nächste Folge oder jemand anderes aus dem Workshop hat dazu eine gute Idee.

So macht OER auch für mich als Freiberufler viel mehr Spaß.

 

Wer noch mehr über OER erfahren möchte, sucht im Web oder geht auf eines der OER-Camps.

Und noch ein Tipp: Wer sich zum OER-Fachexperten ausbilden lassen will, kann über den Berufsverband für Trainer, Berater und Coaches eine kostenfreie Fortbildung besuchen.

 

 

 

Verfasst von: Joachim Sucker | März 1, 2017

Warum ich das Basislager vorbereite

leuchtfeuer

 

Nein, alle zwei Jahre einen MOOC zu veranstalten, das ist nicht meine Motivation für den neuen Leuchtfeuer 4.datei_0010 MOOCEs ist eher eine stetig wachsende Erkenntnis, dass Lernen im digitalen Zeitalter nicht das Händeln irgendwelcher Webtools ist, sondern eine Haltung braucht.

2013 im vhsMOOC haben wir uns sehr intensiv mit damaligen Webtools beschäftigt. 4 Jahre später hat sich nicht sehr viel geändert. YouTube ist immer noch DER Veröffentlichungskanal, WordPress immer noch eine wichtige Blogsoftware, Xing gibt es immer noch und Hangouts auch. All das wird jetzt im neuen EB-MOOC auf iMOOX aktualisiert. Soweit, so gut.
Oder nehmen wir die Debatte der Lernmanagement-Plattformen: Elias, Moodle, Blackboard, usw.. Ohne eine Plattform scheint nichts zu gehen. Wir denken noch als erstes über unser eigenes Haus im Web nach. Es ist, als ob wir in einem gigantischen Strom ein Haus mit Fundament bauen wollten, wo doch ein Boot viel sinnvoller wäre. Wir agieren als Institution, als Bildungshaus und das wollen wir auch bleiben. Wir bauen weiter an unserer Bühne und wollen diese nicht verlassen. Das ist verständlich, aber ist es der geeignete Weg?

Wir sprechen von agilen Einrichtungen, von lernenden Organisationen, getrimmt auf neuen Output in Form von Angeboten, die unterschiedliche, erweiterte Tools benutzen. Das Arbeiten in dieser lernenden Organisation verändert sich aber wenig – 5 Tage, 8 Stunden, meistens am eigenen Schreibtisch in der gemeinsamen Abteilung. Es werden Menschen eingestellt, die in dieses Raster passen. Risikominimierung ist das Leitmotiv.

Darüber verlieren wir aus den Augen, dass neue Lernvoraussetzungen gefragt sind. Selbstorganisiertes Lernen und  Wissen um die Ressourcen im Web sind Merkmale, die wir vermitteln sollten. Dazu braucht es Menschen, die diese neuen Formen bereits anwenden. Wohin das die Bildungsinstitutionen treibt – ich weiss es nicht.

Nicht falsch verstehen, es ist kein Vorwurf. Es ist eher eine subjektive Beschreibung von Entwicklungsprozessen, die sich von wichtigen Teilen gesellschaftlicher Entwicklung abkoppeln. Arbeit 4.0 führt automatisch zu Lernen 4.0. Flexibel zu jeder Zeit und an jedem Ort verfügbar. Das können Bildungseinrichtungen schwer leisten. Das ist die Domain des informellen Lernens, des Lernens am Arbeitsplatz just in time. Wer in ein Co-Working-Space geht und fragt, wie das Lernen dort organisiert wird, trifft auf suchende Augen. Wieso lernen? Wir arbeiten hier zusammen und wenn eine Frage offen ist, dann sucht man mit anderen die Antwort. Aber Lernen im klassischem Sinn ist das eher nicht.

Je mehr ich mich mit diesen Formen, die ja nicht wirklich neu sind, beschäftige, desto klarer sehe ich den Holzweg, auf den vor allem die Medienkompetenz gepriesen wird. Ich stelle mir eine Einrichtung vor, die mit allen Webtools virtuos spielt und trotzdem das Jahres- oder Halbjahresprogramm herausbringt, wo die Bildungsmenschbildschirmfoto-2017-03-01-um-10-57-11en weiter in ihren Büros sitzen und sich Gedanken machen, was andere Menschen lernen sollten. Um unsere Bildungstempel herum passiert so viel: MakerSpace, FabLabs, offene Werkstätten, Co-Working-Space in unterschiedlichsten Ausprägungen. Die Szene explodiert geradezu. Selbst die Hochschule der Bundeswehr gründet einen Maker-Space in Hamburg und versucht damit an neue Zielgruppen in Schulen zu kommen. Das Paradies der Digitalen, das Silicon Valley hält auch einige “Wunder” bereit. Jede Woche sind deutsche Delegationen zu Gast. Und?

Ich möchte mehr entdecken. Mit anderen auf den Weg machen, die digitale DNA zu entschlüsseln. Selbstverständlich können wir weiter so arbeiten wie bisher, doch es braucht Ergänzungen, es braucht Experimentierräume. Diese Räume zu erkundschaften, dazu wird das Leuchtfeuer 4.0 beitragen. Ich freue mich sehr, mit Nina Oberländer und Anja Wagner zwei Scouts gefunden zu haben, die freudig und mutig bildschirmfoto-2017-03-01-um-10-46-05das Basislager vorbereiten. Und wie es die digitale DNA vorschreibt, ohne das Ergebnis und die Mitwirkenden jetzt schon zu kennen. Seit Monaten treffen wir Drei uns per Videokonferenz und ich staune, wie sich das Puzzle ganz langsam zu einem Bild entwickelt. Ein Zelt ist erkennbar, aber wo es steht – keine Ahnung. “Always beta” beschreibt zukünftige Entwicklungen treffend.
Ich freue mich, wenn die Richtigen das Basislager für unsere Expedition mit aufbauen. Da verliert der erste Buchstabe von MOOC, der für Massiv steht, an Bedeutung. Wer also mit auf Expedition will, dem empfehle ich erst einmal die Geschichte, die Nina für uns alle aufgeschrieben hat.

Alles weitere folgt dann – irgendwie. Sicher always beta. Bis dann – ich freu mich auf jeden von Euch!

 

Nachtag:
Inzwischen ist die Küche im Basislager auf Facebook eingerichtet.

 


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Verfasst von: Joachim Sucker | Januar 17, 2017

Keiner will digitale VHS-Kurse

So kann ich die Klagen von VHS-LeiterInnen auf den Punkt bringen.

Da legt die VHS sich eine Lernplattform wie Moodle an, will dort Materialien zu den Kursen hinterlegen und keiner interessiert sich dafür. Das sorgt für Unmut und führt zu einem Rückzug aus dem digitalen Geschäft.

Aber die Gründe sind hausgemacht.

  1. aepfel-und-birnenWenn die VHS über Jahrzehnte keine digital unterstützten Kurse anbietet, sucht auch keiner in der VHS nach solchen Angeboten. Wer immer nur Äpfel verkauft, hat genau die richtige Kundschaft dafür und kann nicht erwarten, dass sich Birnen sofort gut verkaufen lassen.
  2. Der Mehrwert für Kunden durch die Hinterlegung von Unterrichtsmaterial auf Moodle ist gering. Moodle wird schon oft als PDF-Schleuder bezeichnet. Für die Kunden ein erhöhter Aufwand, denn das Einarbeiten auf Moodle ist für nicht webaffine Kunden ein zusätzlicher Aufwand. Da nehme ich doch lieber die Kopie von der Kursleitung.
  3. Überzeugende Kurskonzepte z.B. als Flipped-Classroom sind noch die Ausnahme. Die Produktionen laufen schwer an. Es gibt zu wenig Pädagogen oder Kursleitungen, die sich dafür begeistern. Naja und dann kommt wieder keiner ;-(
  4. Die Kurse bekommen auch wenig Marketingunterstützung. Sie gehen im Kurskatalog unter. Sie müssen sich neben den klassischen Präsenzkursen durchsetzen. Katalog und Flyer bekommen die Stammkunden, die ÄpfelkäuferInnen. Die Gruppe, die sich für solche Kurse interessiert, muss natürlich auch online angesprochen werden.

Dabei gibt es durchaus alternative Zugänge zu den neuen Kundenkreisen.

Grundlage für neue Wege ist die Erkenntnis, dass nicht jede VHS das Rad neu erfinden muss. Es gibt bereits sehr viel Material im Web. Und einiges davon ist sogar als offenes Bildungsmaterial ( OER ) zugänglich, kostenfrei und ohne, oder mit sehr geringen Einschränkungen in der Nutzung.

Ein Beispiel:

bildschirmfoto-2017-01-17-um-16-30-19Moin/Oncampus, die Plattform der Fachhochschule Lübeck für offene online Kurse sog. MOOCs (Massiv Open Online Course),  hat zur Jahreswende einen Foto-MOOC produziert. Inhalt und Leistungesniveau entspricht genau einem VHS-Einsteigerkurs in die digitale Fotografie (470 Treffer in der Kursdatenbank der Volkshochschulen).

 

bildschirmfoto-2017-01-17-um-16-34-59Der Kurs hat bisher über 750 Einschreibungen – ich bin einer davon. Alle Lernvideos stehen als OER zur freien Nutzung im Web. Selbst wenn der Kurs abgelaufen ist, was lediglich bedeutet, er wird nicht weiter unmittelbar betreut, stehen die Videos auf der mooin-Plattform oder bei YouTube weiter zur Nutzung. Hier liegt also ein fertiges Kurskonzept zur Nutzung bereit, ohne dass eine VHS dafür zahlen müßte oder nenneswert Arbeit investieren müßte.

Wenn eine VHS diesen Kurs aktiv bewirbt hat sie folgende Effekte:
Sie integriert einen fertigen Onlinekurs in ihr Portfolio. D.h. sie reserviert eine Meldung auf der Internetseite oder eine Anzeige im Programmheft. Die Kunden erfahren, dass über die VHS doch schon Online-Angebote erfasst werden. Die Kunden fühlen sich gut beraten.

Bei VHS-KollegInnen löst ein solches Vorgehen reflexartig Ängste aus. „Wir bringen die Menschen doch aktiv zu anderen Anbietern.“ Auf den ersten Blick stimmt das, aber ich habe es 2015 in der Hamburger VHS ausprobiert. Wir haben dort einen StrickMOOC anderer Volkshochschulen aktiv beworben. Wie ich von den StrickMOOC-Verantwortlichen hörte, durchaus erfolgreich. Der Effekt in Hamburg war aber auch, dass sich die Textil-Anmeldezahlen in dem Zeitraum erhöht haben. Ich habe dafür eine einfache Erklärung: Online-Kurse benötigen eine hohe Selbstdisziplin, um den gesamten Kurs zu absolvieren. Mit zunehmender Kursdauer schwindet die Motivation. Das Neue ist nicht mehr neu. Der Wunsch zum Stricken bleibt aber. Das führt zu Anmeldungen in den Präsenzkursen. Die TeilnehmerInnen wissen sehr wohl, dass eine Präsenzgruppe die Motivation hochhalten kann. Diese These ist nicht belegt, aber weitere Versuche würden sich sicher lohnen.

bildschirmfoto-2017-01-17-um-16-31-22 Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten für den Fotokurs. Die VHS kann zu diesem Online-Kurs einen Begleitkurs anbieten. Die Fakten werden über die MOOC-Videos gelernt und die Handhabung kann in Präsenz mit der Gruppe geübt werden. Im MOOC „Gratis Online Lernen“ der Uni Graz haben das einige Volkshochschulen genauso erfolgreich ausprobiert, wie in den 35 MOOC-Bars im Rahmen des ichMOOCs der Bremer- und Hamburger VHS.

Und es geht weiter: Aus den Videos können sich KursleiterInnen einzelne Videos für ihre Kurse heraussuchen und eigene Kurskonzepte darauf aufbauen. Das sind wir schon sehr an einem Flipped-Classroom-Konzept.

Mit etwas Geduld kann so der Übergang zu den „Erweiterten Lernwelten“ auch in den Volkshochschulen geschafft werden. Es bleibt spannend!

Verfasst von: Joachim Sucker | November 20, 2016

Evaluation von Onlinekursen

Am 3. November 2016 war ich auf der  Fachtagung „Digitalisierung in der Weiterbildung – Alles neu durch 4.0?“ eingeladen. Veranstaltet durch die k.o.s GmbH. Mein Thema war die Evaluation von Online-Kursen am Beispiel des ichMOOCs.

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Die Veranstalter haben auf ihrer Website die Tagung wie folgt angekündigt: „Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft. Auch im Feld der Bildung werden die Innovationspotenziale der Digitalisierung breit diskutiert. In vielen Lehrerzimmern und Vorlesungssälen sind Flipped Classrooms und Open Educational Ressources bereits angekommen. Aber was ist mit dem Feld der Erwachsenen- und Weiterbildung? Wo liegen hier die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung? Und was bedeutet Bildung 4.0 für Weiterbildungsanbieter in Berlin?Die Fachtagung hat das Ziel, Erfahrungen zum digitalen Lernen in der Berliner Weiterbildungslandschaft zu sammeln, zu reflektieren und zu gestalten. Weitere Infomationen finden Sie im ausführlichen Programm hier.“


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Als Experiment hatte ich meine Präsentation bereits einige Tage vorher offen ins Web gestellt und über Twitter und Facebook verbreitet. Im Workshop hatte sich niemand vorab darüber informiert.

Zwar konnte ich das Thema Evaluation in der Kürze nicht umfassend darstellen, aber mir war wichtig, den Zusammenhang zwischen digitalen Angeboten und der Digitalisierung der Bildungseinrichtung aufzuzeigen. Vorne digitale Angebote und im backoffice traditionell mit Hierarchie und Anwesenheitspflicht zu arbeiten, das wird auf Dauer nicht funktionen. Ich hatte dazu bereits im Blog des Deutschen Volkshochschulverbandes unter der Überschrift „Ist Digitalisierung Chefsache“ geschrieben.

Dieses Thema wird mich noch lange begleiten 😉

Verfasst von: Joachim Sucker | November 1, 2016

Alle mal bloggen bitte!

bildschirmfoto-2016-11-01-um-14-08-35Nun ist der VHS-Blog zum Volkshochschultag schon wieder Geschichte. Er ist es wert, noch einmal betrachtet zu werden, denn ich bin von dieser Form des Corporate-Blog sehr überzeugt.

Der Blog war als Vorbereitung zum Deutschen Volkshochschultag 2016 in Berlin ausgelegt. Das Thema lautete: „digitale Teilhabe“. Im Blog haben Nina Oberländer und ich die unterschiedlichen Töne im digitalem Orchester anklingen lassen.

Für Nachahmer liste ich hier meine (unvollständigen) Erfolgsfaktoren auf:
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Es braucht einen roten Faden
Digitalisierung und deren Folge für die Erwachsenenbildung ist zweifelsohne ein wichtiges Thema und regt zu Kontroversen an. Wir haben den Begriff Digitalisierung heruntergebrachten, greifbar gemacht. Ihn in Alltagsbezug gebracht und Bodennähe hergestellt. Wichtig ist, hier einen authentischen Zugang zum Thema zu finden und genügend Raum für Kommentare zu lassen. Keine Besserwisserei, sondern Denkräume öffnen. Dabei hilft es natürlich, wenn die Blogger*innen eine Vorstellung von ihren Leser*Innen haben.
Eine Vision schadet nicht. Im Gegenteil. Menschen an der Entwicklung der eigenen Vision teilhaben zu lassen, es gibt kaum etwas aufregenderes. Und trotzdem braucht es einen Abstand zur eigenen Begeisterung. Dazu war dieses Thema zu vielschichtig.

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Ein Anlass ist immer gut
Der VHS-Tag war ein guter Ankerpunkt. Nicht nur, weil es zufällig passte, sondern weil Konferenzen vor ab einen verwertbaren Content brauchen. Dieser Content führt ins Thema ein, kann es qualitativ aufbauen und den Beteiligten schon im Vorfeld  Teilhabe ermöglichen. Der Weg zur Flipped-Konferenz (unser eigentliches Ziel) wird damit kürzer.
Wichtig wäre, das Thema so aufzustellen, dass nach dem Event eine Weiterführung möglich ist. Content ist wichtig und warum den Content abschalten. Der Blog ist noch sichtbar, allerdings ist die Kommentarfunktion abgeschaltet. Dieser passive Zustand ermöglicht aber zumindest den Content als Archiv zu vernetzen.

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Ohne Freiheit wird es nichts
Der Deutsche Volkshochschulverband hat Nina und mir die nötige Freiheit zugestanden. Es hat nicht allen in der VHS-Familie gefallen, dass Gastbeiträge die Existenz der VHS in Frage stellen. Der Verband hat sich nicht beirren lassen und hier Stärke gezeigt. Er hat uns machen lassen. Verbandsuntypisch wurde die Kontrolle mal hinten angestellt. Blogs sollen authentisch sein – so kann es gelingen. Die 161 Kommentare sind ein Indiz für einen offenen Zugang. Wenn der Content vorher abgestimmt werden muss, verliert er oft an Vitalität. Ohne diese Freiheit kann ein Blog auch nicht „Externe“ interessieren. Und da ein Blog ein Schritt in die aktive Vernetzung ist, sollten die Akteure glaubhaft sein.

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Blogs werden von Menschen geschrieben
Auch Corporate Blogs werden immer von Menschen geschrieben, die nach Möglichkeit ehrliche Beiträge schreiben sollen. Nicht der kleinste gemeinsame Nenner im Unternehmen oder Verband ist für die Leser/innen interessant. Zuspitzungen werden eher gelesen und kommentiert. Die Redaktion soll identifizierbar sein. Bei Nina und mir war klar: Wir sind Protagonisten des Konzeptes „Erweiterte Lernwelten“ und schreiben aus dieser, eher optimistischen Sicht über den digitalen Klimawandel. Wir haben durch über 161 Kommentare (in 4 Monaten) unsere Relevanz in der Erwachsenbildung gezeigt bekommen.
Eine Portion Mut braucht es auch. Gerade im pädagogischen Umfeld wird häufig das Haar in der Suppe gesucht und gefunden. Nichts ist perfekt. Wer Kritik schlecht aushält, sollte die Finger vom öffentlichen Schreiben lassen.

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Die Mischung macht´s
Gastbeiträge und Medienwechsel lockern den Blog auf. Auf Dauer ist das ewig Gleiche im Blog ermüdend. (Da werde ich hier noch einiges ändern ;-))
Text, Video-Interviews und Gastbeiträge können einen guten Mix schaffen. Die Blogbeiträge wurden von einzelnen Projektvorstellungen getrennt. Auch haben wir unsere Medienwerkzeuge vorgestellt. Das sollte den Zugang erleichtern und zur Nachahmung anregen. Videointerviews mit dem Smartphone, Konferenzen mit Google-Hangout, Adobe Connect

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Ein Blog ist Arbeit – kostet also Geld
Und das schreibe ich hier nicht, weil wir bezahlt wurden. In einem Blog zeigen die Absender ihre Haltung zum Geschäft und der Gesellschaft. Sie können sich unterschiedlich positionieren. Dazu braucht es einen Plan und eine Redaktion und keinen Praktikanten.
Gastbeiträge, Videointerviews vor Ort oder Videokonferenzen zu organisieren ist nicht mal so eben getan. Die richtigen Gastschreiber suchen, die ihrerseits zum Content etwas zu sagen haben und in der Zielgruppe auch einen „Namen“ haben, zu finden – das braucht einen Plan und Zeit.
Der vhsBlog hat sicherlich durch gut gewählte Gastschreiber/Innen dazu beigetragen, dass sich Volkshochschule im Orchester der Erwachsenenbildung einen guten Platz verschafft hat.

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Im Alltagsgeschäft gehen Strategie, Zukunft und Visionen meist unter. Viele Einrichtungen nutzen dafür das Instrument der Leitbildentwicklung. Aber seien wir ehrlich, dass sind oft nichtssagende Wortketten. Im Blog kann das Unternehmen über einen längeren Zeitraum glaubhaft Themen transportieren und eine eigene Haltung dazu stellen.

Nach einer Pause wird sich der Deutsche Volkshochschulverband wieder einem neuen Blog zuwenden. Ich bin gespannt und wünsche viel Erfolg damit.

Abschließend möchte ich die Frage aufwerfen, wie ein Blog in der Weiterbildung aussehen könnte.
Für welche Zielgruppe ist ein Blog geeignet? Sind es die Kollegen oder die Kunden der Weiterbildungseinrichtung?


 

Der Blog in Zahlen:
Beiträge: 35
Kommentare: 161
Nutzer: 3.574
Sitzungen: 6.721
Seitenaufrufe: 13.134

Die Resonanz in den Social Networks haben wir nicht getrackt. Die Sichtbarkeit des Blogs dürfte bei mehreren 100.000 liegen.

Verfasst von: Joachim Sucker | Mai 4, 2016

Neue Wege

Nach 25 Jahren Hamburger Volkshochschule widme ich mich nun den Themen Digitalisierung und Marketing. Das Neue daran ist: ich arbeite freiberuflich. Zu Hause an der Ostsee richte ich mich ein, spare lange Wege nach Hamburg in die VHS und kann doch der Volkshochschule ganz Nahe sein.

Mein erster Job ist der Aufbau und die Redaktion den neuen Blogs des Deutschen Volkshochschule Verbandes (DVV) zum Thema „digitale Teilhabe“.  Nina Oberländer und ich sind wir für den Blog verantwortlich. Wir können uns richtig austoben, denn der DVV vertraut auf unser Urteil und unser Netzwerk. Die Stichworte sind: digitale Bildungsrevolution, New Work, Arbeit 4.0, das digitale ich, Smart City oder Selbstverständnis von Volkshochschulen. Nach kurzer Zeit (2.5.16) hatten wir über 3.500 Besucher und fast 100 Kommentare. Natürlich ist noch genug Platz für Dein Kommentar. Ursprünglich als Vorbereitung für den VHS-Tag in Berlin konzipiert, wird der Blog sicherlich danach weitergeführt.

Es geht also gut los und ich halte Euch künftig hier auf dem Laufenden.

Verfasst von: Joachim Sucker | März 5, 2016

MOOCs und OER sind zwei Seiten einer Medaille

Für die Epale-Publikation „Blick über den Tellerrand“ durfte ich nach einem Webinar (National Agentur für lebenslanges Lernen) einen zusätzlichen Beitrag schreiben. Einige konnten den Beitrag aus technischen Gründen nicht aufrufen, deshalb auf diesem eine Veröffentlichung. Ich empfehle die Gesamte Broschüre zu lesen.

„Zwar sind MOOCs schon oft für tot erklärt worden, aber das lag wohl daran, dass sie mit den uralten Maßstäben der Lehre gemessen wurden. Ein/e Sender/in, viele Empfänger/innen. Heute heißt es bei neuen Lernkonzepten »vom teaching zum learning« – ein deutlicher Paradigmenwechsel. Und dafür eignen sich MOOCs hervorragend. Sie schaffen neue Strukturen und Erfolgsdruck.

Aber schauen wir uns das mal im Detail an: Massiv – ja, es braucht für die Hochschul-xMOOCs eine Masse an »Hörer/innen«. Das ist der Sinn der ausgelagerten Onlinevorlesungen. Wer, was und wie viel davon dabei lernt ist schwierig herauszufinden, dafür werden jetzt BigData-Modelle erprobt. Diese sollen erfolgreiche Studierende herausfiltern und für den Arbeitsmarkt anbieten. Massiv ist aber auch ein Treiber für eine neue Öffentlichkeitsarbeit. Wer eine hinreichende Menge von Lernenden erreichen will, muss über die eigenen Gartenzäune hinweg werben. Jeder MOOC, der diesen Anspruch hat, braucht ein Marketing. Das ist nicht immer bequem, denn Marketing braucht entsprechende Botschaften. Versprechungen werden gemacht – und diese müssen kürzer als 1.000 Zeichen sein. Hier trifft Bildung auf Wirklichkeit. Die Volkshochschulen haben in diesem Fall einen kleinen Vorteil, denn sie müssen schon seit langem ihre Bildung »verkaufen«. Sie sprechen schon länger vom Kunden/von der Kundin und handeln aus seiner/ihrer Perspektive. Auch dieser Marketinggedanke treibt den nächsten Begriff.

Open – bedeutet schon länger nicht mehr nur den offenen Zugang für Lernende. Open ist der Schlüssel für die Weiterentwicklung von MOOCs. Open für neue Partnerschaften, für ein gemeinsames Entwickeln von Lerninhalten und einen gemeinsamen Vertrieb auf dem Bildungsmarkt. Marketing macht es möglich. Open für ungewöhnliche Partnerschaften. Die Hamburger Volkshochschule und die Bremer Volkshochschule konnten die FH Lübeck für einen gemeinsamen ichMOOC (Mein digitales ich) begeistern.
Eine Corporate Learning Allianz begeistert acht große Unternehmen, einen »Corporate Learning MOOC« zu realisieren. Überall finden Gespräche für neue Partnerschaften statt. Bald werden auch städtische Einrichtungen MOOCs als Beteiligungsmodell für große Projektvorhaben (z.B. Stadtentwicklung) entdecken. Unternehmen werden eigene MOOCs veranstalten, denn der Kampf um die Talente geht in eine neue Phase. Allein an einer Hochschule für sich zu werben, wird da zu wenig sein. Für internationale Partnerschaften braucht es keine zwei Jahre in der Antragsvorbereitung. Kurze Verständigungen über Facebook oder andere Kanäle sind ausreichend.

Open sind auch die Themen. Die VHSen haben einen Strick-MOOC veranstaltet. 500 Menschen haben sich zu diesem ungewöhnlichen Thema getroffen. Und das waren keine Kaffeekränzchen-Clubs. Hier werden MOOCs in die Wohnzimmer geholt. Der vhsMOOC war ein FortbildungsMOOC für alle Kolleg/ innen und Kursleitungen. Der ichMOOC eröffnet eine Reihe, die als digitale Grundbildung bezeichnet werden kann. Das Hasso-Plattner Institut bietet einen ProgrammierMOOC für Schüler/innen an. Dazu braucht es kein Einverständnis von Schulen – wer sich nicht bewegt, wird bewegt. Wir agieren mit MOOCs auf einem offenen Bildungsmarkt. Nicht umsonst investiert der Bertelsmann-Konzern über eine halbe Milliarde Euro in den Bildungssektor. Amerikanische Gesundheitsbildner/innen oder die MOOC-Plattform Udacity sind auf der Einkaufstour. In Deutschland werden größere Bildungsdienstleistungen- und plattformen initiiert. Der Konzern nennt es seine dritte Säule. Die Stadt Hamburg entwickelt eine Hamburger Open Online University (HOOU), um Bildung nicht über private Plattformen an den Markt bringen zu müssen. »Von Google lernen«, heißt das Motto des Bürgermeisters Olaf Scholz.

Online Alleine ist auch nicht mehr zwingend. Der ichMOOC hat Online mit Präsenzphasen verbunden. Dieses Blended-Format ist für Volkshochschulen ideal, denn sie kommen aus der Präsenzlehre und sind über ganz Deutschland verteilt. Flipped-Classroom Konzepte sind ebenso denkbar. Dabei ist der MOOC das Content- und Kommunikationsangebot, welches vor Ort individuell angepasst wird. Auch wenn noch nicht überall Lehrvideos ruckelfrei zu sehen sind, Online-Präsenz wird ein Teil der Grundversorgung sein, wie Wasser oder Strom.

Course muss als Online-Course übersetzt werden. Online ist hierbei auch der Treiber, um Lehrmaterialien entsprechend den Usergewohnheiten im Web anzupassen. Neue Videoformen, neue Dokumentenablagen, neue Kursdidaktiken, die nur online funktionieren, werden entwickelt. Auch hier hilft das Motto »vom teaching zum learning«. Webgewohnheiten (»kurz und knackig«) zu berücksichtigen, war bisher nicht die Stärke traditioneller Bildung. Darunter muss übrigens der Inhalt nicht leiden.

Courses waren bisher auch an Räume geknüpft. Hier dienen die MOOC-Plattformen als Kursraum. Aber es gibt mit den cMOOCs auch andere Settings. Das gesamte Web kann hierbei als Kursraum angesehen werden. Neben den Foren der Plattformbetreiber werden kollaborative Tools wie Slack und Periscope ausprobiert oder SocialMedia-Gruppen als Räume genutzt. Wieder ein vernünftiger Perspektivwechsel, die Nutzer/innen in den Fokus zu nehmen. Usability ist das Schlagwort.
Jeden Monat etwas Neues. Die richtige Mischung zu finden, braucht Medienkompetenz der Anbieter, aber auch der Lernenden. Hier liegt, neben den fehlenden Strategien der Bildungsanbieter/innen, die hauptsächliche Bremse in der Verbreitung der Online-Lehre.

MOOCs benötigen generell die Fähigkeit selbstorganisiert zu lernen. Auch hier befinden sich Anbieter/innen und Nutzer/innen in der Erprobungsphase. MOOCs sind eigentlich tot. Sie dienen lediglich als Schlagwort, um innovative Bildung zu beschreiben. Zu sehr sind sie bereits ausdifferenziert. Was bleibt sind die Begriffe Massiv, Open, Online, Course. Mehr nicht.

Offene Bildungsmaterialien – OER
MOOCs sind aber zunehmend auch als OER-Schleuder zu sehen. Jene MOOCs, die gleich als OER gedacht werden, so wie in Lübeck oder später einmal in Hamburg, werden ihren OER-Content zahlreichen Menschen zur Verfügung stellen. Diese MOOC-Contentschleudern können der Humus künftiger Bildungskonzepte sein. Die Metapher des großen Baumes (A. Wittke), der im Stamm den gesamten Content nach oben befördert, wo die einzelnen Verästelungen durch andere Nutzer entwickelt werden, ist hier vielleicht richtig gewählt. So werden z.B. aktuell aus dem ichMOOC andere Kurskonzepte für Volkshochschulen (Hamburg und Bremen) entwickelt. Andere könnten das auch, denn der Content ist frei.

Aber OER ist als Gedanke noch neu. Viele machen sich erst jetzt mit den offenen Bildungsmaterialien vertraut. Aufgabe wird es sein, den Urwald so transparent zu machen, dass der wichtige und gute Content gefunden wird. Hierzu gibt es bereits einige Aktivitäten: Die OER-Transferstelle baut hierzu ein Portal auf, ebenso Wikimedia mit dem Portal »Mapping OER«. Wichtig wären hier Ansätze, die die Endnutzer/innen als Adressat/innen erkennen und keine Labelvermarktung der eigenen Organisation in den Mittelpunkt stellen.“

Verfasst von: Joachim Sucker | März 3, 2016

ichMOOC bekommt OER-Award

Ein Passagier hat es in der Evaluation so ausgedrückt: „Obwohl es mir selbst kindisch erschien, habe ich mich über die „Belohnung“ für meine Aktivitäten durch die Badges jedesmal gefreut :-)“

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So erging es mir auch am 1. März 16 in Berlin. Stellvertretend für die Passagiere der MS-ichMOOC und des moin- teams dürften  Nina Oberländer und ich den OER Award in der Kategorie Weiterbildung/Erwachsenenbildung in Empfang nehmen. Der OER-Award ist der erste große Wettbewerb zu Open Educational Resources im deutschsprachigen Raum. Im Vordergrund steht das Ziel, die Sichtbarkeit und Anerkennung für Akteure und Angebote zu stärken„, sagen die Veranstalter auf Ihrer Website.
In der Laudatio von Doris Hirschmann und Hedwig Seipel heißt es u.a.“ In dem heute ausgezeichneten ichMOOC –„Mein digitales Ich“ haben sich die Teilnehmenden auf digitalem Wege mit digitalen Lernmitteln und in Diskussionen in Foren und Social Media Plattformen gemeinsam Wege erschlossen, um ihre Identität im Netz zu gestalten und für eigene Ziele einzusetzen.

Wer wissen will, was OER bedeutet, kann dies besonders gut im Wissensbaustein auf wb-web.de nachlesen.

Wir haben uns mächtig gefreut und bedanken uns bei der Jury. Und eigentlich gilt der Preis natürlich auch den Mitnominierten preiswürdigen Projekten Cogneon-Wiki und die Webinarreihe von werde digital, die es ebenso verdient hätten.

 

 

Verfasst von: Joachim Sucker | Oktober 26, 2015

Wann ist ein MOOC ein erfolgreicher MOOC?

Darauf gibt es natürlich viele Antworten. Ich versuche es mal sehr persönlich in Bezug auf den ichMOOC zu erläutern.

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1. MOOCs  ermöglichen neue Kooperation
Die Kooperation von VHS und Hochschule war für mich ein Durchbruch. Zu erklären ist das in dieser Phase durch 2 Faktoren. Erstens wollen Hochschulen auf dem allg. Weiterbildungsmarkt Fuß fassen. Die Lübecker Kollegen haben die Scheu mit einer Volkshochschule zu kooperieren abgelegt, das wünsche ich mir von anderen Hochschulen auch. Zumindest die staatlichen Bildungseinrichtungen sollten im Interesse der Lernwilligen selbstverständlich kooperieren. Zweitens leben MOOCs zurzeit besonders von massiven Anmeldezahlen. Volkshochschulen können hier in Zukunft ein wichtiger Multiplikator. Insofern war der ichMOOC natürlich schon erfolgreich, weil er mit 1.633 zurecht als Massive Open Online Course bezeichnet wird und, ganz nebenbei, war es der größte Volkshochschulkurs aller Zeiten.

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2. Neben den Anmeldezahlen sind MOOCs auch marketinggetrieben. Die Einrichtungen wollen zeigen, dass sie fähig sind webbasierte Lernformen zu entwickeln und ihr Angebotsspektrum dadurch, nach aussen sichtbar, zu erweitern. Die Evaluation hat gezeigt, dass eine relevante Anzahl von Teilnehmer/innen bisher nichts oder nur sehr sporadisch mit der VHS zu tun hatten. Hier hat sich die Sicht auf die traditionelle Einrichtung VHS im Sinne einer modernen Bildungseinrichtung geändert. Und seinen wir mal ehrlich: Kaum einer hätte der VHS diesen ichMOOC zu getraut.

Auch hat sich gezeigt, dass die Werbung über die sozialen Netzwerke wichtig war. Überraschend kamen mehr Anmeldungen über Twitter, als über Facebook herein. Der Großteil wurde allerdings von den beteiligten Volkshochschulen und deren Verbände geworben. Das freut mich besonders, denn hier sind auch viele VHS-Mitarbeiter/innen, die sicherlich auch das Format MOOC lernen wollten.

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3. Hat sich unser Konzept 4.0, wie ich es beschreibe, umsetzen lassen?
Grundsätzlich würde ich dies bejahten, allerdings mit Einschränkungen.
1.0 Die Videos. Sie wurden sehr gut angenommen und bekamen in der Abschlussbefragung sehr gute Noten (an dieser Stelle mein besonderer Dank an Gregor von mooin).
2.0 Die Foren auf mooin wurden mit über 6.500 posts gut bestückt, auch ein Grund, warum einige Teilnehmer/innen dies als unübersichtlich und wenig hilfreich bezeichneten. Hier muss sich grundsätzlich etwas ändern. Lineare Forumsstrukturen bilden nicht die Lernzugänge ab.
3.0 Der MOOCsalon auf Facebook war eine wichtige Kommunikationssäule. Hier wurde reichlich kommuniziert, sogar neue Aufgaben von TeilnehmerInnen gestellt. Mit über 600 Mitgliedern wurde dieses zusätzliche Angebot, außerhalb der Plattform gut angenommen.
4.0 Die 35 MOOCbars vor Ort taten sich dagegen etwas schwerer. Zum einen lag dies sicherlich an technischen Problemen mit Adobe Connect, aber dann andererseits auch an der autonomen Bewerbung. Nicht alle Besucher waren zum ichMOOC angemeldet und so fehlte die Anbindung. Die VHS KollegInnen vor Ort haben das Experiment großartig unterstützt und wichtige Impulse für Verbesserungen beigesteuert. Das dahinterliegende Blended-MOOC-Konzept begeistert mich nach wie vor. Eine gute Erweiterung, die sich sicherlich auch mit anderen Kooperationen denken lässt.

4. Und damit sind wir bei einem ganz wichtigen Punkt. Wir lernen. Über verschiedene Formen des Weblernens kann ich viel lesen. Selber machen ist der eigentliche Schritt des Lernens. Über den ichMOOC habe ich extrem viel gelernt. Das alles hier aufzuzählen führt zu weit. Deshalb nur zwei Punkte stellvertretend.
mooin, unsere MOOCplattform der FHLübeck, produziert möglichst betreuungsarme MOOCs, die einfach zu wiederholen sind. Das ist nicht mein Ansatz und deshalb haben meine Kollegin Nina Oberländer von der Bremer VHS und ich viel ausprobiert. Wir haben sehr viele Teilnehmer/innen im Forum persönlich begrüßt. In unserer Kreuzfahrtmethaper, die wir für den MOOC gewählt haben, standen wir sozusagen an der Gangway. Wir haben mit Unterstützung der Lübecker Kollegen im Forum sehr schnell und persönlich auf Fragen reagiert. Wir haben bewusst in den Einführungsvideos pro Kapitel recht persönlich die weiteren Arbeitsaufgaben erklärt. Somit hatte der ichMOOC auch Gesichter, die sicherlich ein Stück Lernmotivation sind.
Die Kreuzfahrtmethaper wurde gut angenommen. Anonymes Lernen funktioniert zwar, aber ich glaube, durch die Einbindung in einen gemeinsamen emotionalen Kontext wird Lernen erleichtert, es wird eine Bindung geschaffen. Ich lerne selbst so am liebsten.

Noch einige persönliche Worte. Bedanken möchte ich mich besonders bei:

Meiner Geschäftsführung Marlene Schnoor in der Hamburger Volkshochschule, die mich für diese Arbeit freigestellt hat und damit besonderen Mut gezeigt hat. Experimente brauchen diesen Freiraum.
Bei Nina Oberländer von der Bremer Volkshochschule, die neben den didaktischen Fragen eine besondere Empathie für unsere TeilnehmerInnen hat und den ichMOOC-Salon mit Alexandra Hessler sehr symphatisch moderiert hat. Nina hat den ganzen Laden zusammengehalten.
Bei Jöran Muuß-Merholz, der das didaktische Gerüst erarbeitet hat und als Video-Regiseur Nina und mir alles abgerungen hat.
Bei dem Lübecker mooin-Team , die Nina, Jöran und ich sicherlich mit den vielen Extrawürsten herausgefordert haben. Ihr ward geduldig und wusstet wo Schluss mit Lustig war.
Und natürlich bei Johanna Köster-Lange, die unsere Bord-Bibliothek spontan aufgebaut hat und unseren schriftlichen Formulierungen einen verständlichen Sinn gab.
Und natürlich bei unseren Experten und vielen engagierten Bordgästen.

Über diesen ichMOOC könnte ich ein Buch schreiben, aber ich lasse es bleiben, wer will das schon lesen. Einfach anmelden und selber die Erfahrung machen. Die Foren sind zwar nicht mehr betreut, die Videos und der Salon sind noch im Betrieb.
Ich habe Lust auf weitere Kreuzfahrten in den digitalen Gewässern!

(Die nachfolgenden Kennzahlen beziehen sich auf Rückmeldungen von 150 TeilnehmerInnen. Die Datei kann hier als Evaluation_ichMOOC aufgerufen werden)

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