Verfasst von: Joachim Sucker | Oktober 15, 2013

MOOCs als Chance für Volkshochschulen

Viele denken, dass MOOCs nur etwas für Hochschulen sind. Ich möchte mal einen Ausblick wagen.
Volkshochschulen werden, zumindest im beruflichen Kontext, stark in Lebensumbrüchen genutzt. Sei es als Vorbereitung auf eine Prüfung oder in der beruflichen Neuorientierung.
Im Bereich der Grundbildung wollen und müssen wir Angebote vorhalten, denn das ist unser gesellschaftlicher Auftrag. Oft ist die Schwierigkeit dabei, ausreichend Teilnehmer/innen zu gewinnen. Auch möchten sich Menschen nicht immer unbedingt sofort als Lernschwächere outen und erst einmal im geschützten, d.h. eher anonymen Umfeld lernen.
Als Ergänzung zu unseren Präsenzkursen kann ich mir durchaus auch niedrigschwellige MOOCs vorstellen. Heute beginnt über die Plattform Iversity der erste deutsche Mathe-MOOC. Er hat ca. 2.000 TN und läuft über 15 Wochen. Zielgruppe sind hier eher Studenten, doch es zeigt sich, dass diese Zielgruppe nicht immer gefunden wird.
In der deutschen Ausgabe des Wall Street Journal ist unter dem Titel “Der Bildungstsunami erreicht Europa” ein interesanter Beitrag hierzu zu lesen. Er inspirierte mich zu diesem Post. Darin heißt es:
Demografische Daten des HPIs zeigen: MOOCs sind weder ein Jugendphänomen, noch ersetzen sie das klassische Studium. Es gehe vielmehr um das Thema „lebenslanges Lernen”, sagt Institutsdirektor Christoph Meinel. Das zeigt sich auch in der Nutzungszeit: Zwischen 20 und 22 Uhr ist die Aktivität besonders hoch – MOOCs werden überwiegend von Berufstätigen genutzt. Das HPI (Hasso Plattner Institut) bietet dabei ausschließlich IT-Kurse – entsprechend sind auch die Nutzer: überwiegend männlich, meist im Alter zwischen 30 und 40 und in einem technischen Beruf, meist mit hohem IT-Anteil.
Das kurbelt meine Phantasie natürlich an. Gibt es nicht ausreichend Themen, die mit einem MOOC anzubieten wären. Nicht in dem Setting unseres vhsMOOCs, das wäre zu aufwendig, aber als sog. xMOOC mit klaren Lerneinheiten und einem Zertifikat. Vielleicht auch als Vorlauf für regionale Präsenzangebote? Eine Mathe-Mooc auf Hauptschulniveau? Ein Deutschkurs für Deutsche oder Migranten. Ein Ernährungskurs für junge Mütter? …. Wer setzt diese Reihe fort?

Und noch ein weiterer Aspekt bewegt mich. Durch unsere breite Infrastruktur an ca. 3.000 Standorten in Deutschland, sind wir ein idealer Partner für große MOOCs, die eine Präsenzprüfung am Ende benötigen. Das wird in der Regel der Fall sein, wenn die Credits dafür anerkannt werden sollen. Auch hierzu liefert der Artikel einen Absatz:
Ein Problem ist der Nachweis, dass es sich beim Absolventen eines Tests auch wirklich um die Person handelt, die diese vorgibt zu sein. Teilweise setzen daher vor allem US-Anbieter auf Kooperationen mit Assessment-Centern, die die Prüfungen abnehmen. Noch sind die Abschlüsse bei Arbeitgebern außerdem weitgehend unbekannt. Meiners vergleicht sie mit Zertifikaten, die beispielsweise auch Firmen wie Microsoft ausstellen. Sie zeigten dem Gesprächspartner, dass ein Bewerber ein gewisses Interesse und eine Konsequenz bei einem Thema unter Beweis gestellt hat. „Was das genau wert ist, wissen Sie auch bei den vielen Microsoft-Zertifikaten nicht, ohne sich genauer damit zu befassen.
Volkshochschulen als Prüfungspartner für Hochschul-MOOCs? Das wäre nicht nur als PR geeignet, damit würden wir auch neue Zielgruppen ansprechen können.

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Responses

  1. Warum niemand die letzte der genannten Ideen realisiert, frage ich mich bereits seit die Lisabon-Konvention verabschiedet wurde,


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