Verfasst von: Joachim Sucker | April 18, 2014

Wie geht Innovation?

Angeregt zu meinem Beitrag wurde ich durch zwei andere Blogeinträge.

Richard Gutjahr schreibt unter der Überschrift:
Medienwandel: Brauchen wir noch TV-Sender?

Wir sind die Zwischendrin-Generation
Das Fernsehen ist nicht tot. Im Gegenteil. Dank Smartphone, Tablets und die immer schnelleren Übertragungswege stehen Bewegtbilder so hoch im Kurs wie noch nie. Das Problem: Das alte, klassische Medien-System funktioniert nicht mehr. Das neue noch nicht. Dazwischen wir, die Zwischendrin-Generation. Was wir auch machen, wir sitzen zwischen allen Stühlen. Wir sollen voran gehen, dürfen aber niemanden zurücklassen. Wir sollen jünger werden, dürfen aber die Alten nicht verprellen. Sollen digital denken und dabei analoges Geld verdienen. Doch wie wir jetzt auch beim Massenmedium Fernsehen lernen: Wenn wir in der Mitte stehen bleiben, versuchen, es allen recht zu machen, erreichen wir bald gar niemanden mehr.

Von Thomanern, Würmern und Fischen
Der Wurm muss dem Fisch schmecken, hat der einstige RTL-Boss Helmut Thoma mal gesagt. Das Problem: Den einen Fischtank, wie zu Thomas Zeiten, gibt es so nicht mehr. Die Schleusen sind auf, vor allem die jungen Fische haben das Aquarium längst verlassen und schwimmen mit ihren Mobilgeräten kreuz und quer durch alle Weltmeere und Zeitzonen. Oder wie es das ZDF in seinem offiziellen Statement zum Ende von Wetten dass formulierte: Schuld seien die veränderten Sehgewohnheiten. mehr

Die Beschreibung der Zwischendrin-Generation finde ich spannend und auch Volkshochschule anwendbar.

Dann hat Karlheinz Pape im Corporate-Learning-Blog zu Veränderungen in der Volkshochschule Stellung bezogen.

Organisations-Entwicklung von unten – bei Volkshochschulen!

…Können die mehr als 900 VHS zu einem großen Bildungs-Anbieter werden? Dass das jemals politisch entschieden wird, scheint sehr unwahrscheinlich, auch wenn es wirtschaftlich und inhaltlich klug wäre. Wir erleben heute den Trend zu vernetzten Organisationen, in denen Hierarchie eine neue, andere Rolle bekommt. Wenn man sich die vielen regionalen VHS einmal als Netzwerk-Knoten einer aufs gleiche Ziel hinarbeitenden Netzwerk-Organisation vorstellt, dann scheint dieses Ziel gar nicht unerreichbar.

… Besser könnte sich auch eine hierarchisch geführte Organisation so einen Change-Prozess-Start nicht ausdenken. Da scheint die Zersplitterung in 900 unabhängige Einheiten sogar vorteilhaft zu sein. Wäre das eine Groß-Organisation mit Behörden-Struktur, dann gäbe es vermutlich diesen Prozess noch gar nicht. Ein aus meiner Sicht ermutigendes Zeichen für das Möglichmachen einer funktionierenden Netzwerk-Struktur unter den weiter selbständig agierenden VHS. Ein wenig mehr Unterstützung könnten die Macher aber schon gebrauchen. Eigentlich sollten alle Volkshochschul-Landesverbände und der Deutsche Volkshochschul Verband diesen extrem kostengünstigen Change-Prozess unterstützen. Dort scheint die Skepsis zu solch selbstorganisierten Prozessen der Experten vor Ort noch zu überwiegen. Vielleicht hat das ja ganz viel mit einem neuen Verständnis von Lernen zu tun: Lernen ist immer ein selbstorganisierter Prozess. Auch in einer lernenden Organisation. mehr

Stehen wir am Beginn einer umwälzenden Organisationsveränderung?
Wir Deutschen haben immer schon gerne Vereine und Verbände gegründet. Sie dienten als Organisationsform, meist von oben nach unten hierarchisch festgezurrt. Posten und Titel waren zu vergeben. Wir Volkshochschulen sind auch ein Beispiel hierfür. Ein Bundesverband, 17 Landesverbände, über 900 Volkshochschulen, unzählige Arbeitskreise. Direktoren, Fachbereichsleitungen, Sprecherinnen, Leiter und wie die Titel alle heißen. All das steht für ein Arbeiten in hierarchischen Strukturen. Die Leitplanken der Kommunikation, die damit verbunden sind, lassen meist einen Austausch unter gleichgestellten Personen zu. Jeder pflegt seinen Acker. Ganz selten durchbrechen größere Veranstaltungen dieses Muster. Eine andere Organisationsform, die Entscheidungen und Geldströme kanalisiert, ist bisher kaum denkbar.

Ist diese Organisationsform von gestern, wird sie sich überleben?
Auch wenn wir in Bildungskontexten wohl noch einige Zeit in dieser selbst übergestreiften „Zwangsjacke“ stecken werden, scheint ein Umbruch doch unausweichlich. Die Herausforderungen durch die enorme Transparenz und die offenen Grenzen des Web lassen „geschlossene“ Zirkel an ihre Grenzen stoßen. Nicht öffentliche Entscheidungsgremien werden zunehmend als „Seilschaften“ empfunden. Sie erscheinen heute verdächtig geheim. Die Bestimmer sind sich keiner Schuld bewusst, warum auch, es ist ja schon immer so gelaufen und eine böse Absicht ist nicht erkennbar. Noch gibt es hierzu keine Alternativen, denn Strukturen müssen Entscheidungsprozesse hervorbringen. Der Einsatz von Ressourcen muss legitimiert sein.

Graswurzeln und Gremien in der vhs-Struktur. Mit- oder gegeneinander?
Ermöglicht wird eine Graswurzelbewegung durch die sozialen Netzwerke. Es gibt, einschließlich der Kursleitungen, über 200.000 Akteure, die die Arbeit der Volkshochschulen gestalten. War es früher nicht möglich, seine Stimme, seine Meinung vielen zu Gehör zu bringen, geht das heute über Xing, Facebook, Twitter, Google+ und andere Netze oder Blogs einfach und schnell.

Eine Marketinggruppe auf Xing hat über 300 Mitglieder. Der vhsMOOC hat ein Netzwerk von annähernd 700 Personen initiiert. Die Die Gruppe vhs2020 hat in wenigen Wochen über 200 Mitglieder gewonnen. Im Verhältnis immer noch wenige Kollegen, doch der Austausch ist schnell und flexibel. Entscheidungen über Projekte können kurzfristig über Feedback-Schleifen kommuniziert und auf den Weg gebracht werden. Die Geschwindigkeit des Austausches und deren Transparenz sind die größten Vorteile dieser Online-Gruppierungen. Ein Nachteil bleibt: Es werden auch nur die Onliner erreicht. Die Diskussion schmort im eigenen Saft der Online-Suppe.

Doch wie kann ein konstruktiver Dialog über die Nutzung des Webs für neue Lernformen mit “Nicht-Vernetzen” geführt werden?
Das sind wir wieder in der „Zwischendrin-Situation“. Online-Netzwerke müssen genauso „bedient“ werden, wie traditionelle Organisationsstrukturen. Da prallen Welten aufeinander und es braucht auf beiden Seiten ein Höchstmaß an Geduld. Wichtig erscheint mir, dass in dieser Phase keine unnötigen Fronten aufgebaut werden. Es ist in der Natur der Sache, dass die einen ungeduldig sind, weil die Strukturen für ihrem Abstimmungsprozess lange Fristen in Anspruch nehmen und die Gremien „mißtrauisch“ das scheinbar ungesteuerte Treiben der „Basis“ beäugen, was zu Unsicherheiten führt.

Wir sind in einer „Zwischendrin-Phase der Bildung“. Verschiedene Konzepte ringen um Einfluss. Erweiterte Lernwelten: das Miteinander von Präsenzlehre und Lernen im Web.
Der Begriff „erweiterte Lernwelten“ versucht ganz bewußt Polarität abzubauen. Es geht nicht darum die Präsenzlehre durch das Web abzulösen. Es geht vielmehr um ein sinnvolles Miteinander verschiedenster Lernsettings, ausgerichtet an den Bedürfnissen der Lernenden. „Erweiterte Lernwelten“ als Begriff beschreibt diesen Veränderungsprozess der Lehre an Volkshochschulen. Nicht als Auswahl unterschiedlicher Orte und Technikeinsätzen, sondern auch inhaltlich, wenn es um Kriterien im Wandel geht.

1. Schaffung von individuelle Lernzugänge und Lernbegleitungen
2. Ausprägung der Lernrollen vom „Teil-Nehmer“ zum „Teil-Geber“
3. Aufbau von regionalen und überregionalen Netzwerken.

Das Gelingen in diesem Veränderungsprozess braucht Zeit, damit der Wandel keine Verlierer hinterlässt. Wir Volkshochschulen sind auf einem guten Weg. Die Betitelung nötiger Innovationsprozesse als „erweiterte Lernwelten“ lässt allen Beteiligten den nötigen Spielraum sich einzubringen.

Digitale Lernsetting als Thema sind heute aus keiner größeren Konferenz wegzudenken. Der Begriff „erweiterte Lernwelten“ versteht sich als Einladung für alle Beteiligten. Als Ort für eine KOnkretisierung eignet sich die Google+ Community “vhs2020”, oder das vhsbarcamp am 16./17. Mai in Köln.

Insofern geht Volkshochschule hier einen eigenen innovativen Weg. Und ich gebe Karlheinz Pape Recht, es ist ein ungewöhnlicher Prozess, der zwar erst am Anfang steht, doch schon jetzt ungeahnte Gemeinsamkeiten hervorbringt. Das Bewusstsein im Zeitalter zunehmender Digitalisierung als gemeinsame Marke auf dem Weiterbildungsmarkt zu agieren wächst. Mit 924 eigenständigen Volkshochschulen wird es bunt zughen.

Es bleibt spannend!

 

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