Verfasst von: Joachim Sucker | 7. März 2018

Hurra, die cloud ist da – ein Zwischenruf

VHS MOOC

Hurra, die cloud ist da – ein Zwischenruf

Ja, die vhs.cloud ist eröffnet. Sie ist noch reichlich Beta, aber nutzbar für alle, die auch mal Unfertiges fertiger machen wollen. Was Microsoft kann, kann VHS auch.

Die Volkshochschulen haben nun ihre eigene Wolke. Und diese Wolke wird einen Strukturwandel nach sich ziehen. Nicht nur, weil die Kursangebote in dieser Wolke eine Heimat finden können, sondern weil sich Kommunikation grundsätzlich neue Wege suchen wird.

Was in den letzten Jahre als kleine Graswurzelbewegung auf unterschiedlichen Plattformen wie Xing, Google+, Twitter oder Facebook begann, mündet jetzt logischerweise in der vhs.cloud. 2013 hieß es noch: „Wecke den Riesen auf“. Heute ist der Riese erwacht und er beginnt aufzustehen. Diese eierlegende Wollmilchsau mit Namen vhs.cloud stellt eine Zeitenwende dar.

Man könnte ja meinen, es wäre nur eine weitere Plattform. Es ist mehr als das. Es ist schlichtweg die Sprengung bisheriger Kommunikationshierarchien. Informationsaustausch, der bisher im Rahmen strengerer Regularien zwischen dem Deutschen Volkshochschulverband und den 16 Landesverbänden kommuniziert wurde, verflüssigt sich mittelfristig in die Cloud. Querkommunikation wurde in Fachgremien organisiert. Erste Gruppen in der Cloud nehmen diese Aufgaben bereits wahr. Die Landesverbände saßen auf ihren Mitgliedsvolkshochschulen, wie die Glucke auf dem Ei. Mit der vhs.cloud hat sich die neue Kommunikationsstruktur und die Kultur des Teilens, der Transparenz durchgesetzt.

Der Druck war groß, denn Digitalisierung hält sich nicht an Landesgrenzen. Aber es ist auch mutig, eine Wolke des Teilens zu etablieren. Vielleicht ist noch nicht allen Verbänden klar, dass sie mit der zunehmenden Nutzung der Cloud die eigene Rolle überdenken und verändern müssen. Die Kontrolle über Abstimmungsprozesse und Kooperationen geht verloren. Volkshochschulen haben sich bisher weitgehend über die Verbände miteinander verbunden. Das wird jetzt in der Cloud realisiert. Dafür sind Verbände nicht mehr notwendig. Wenn die Verbände diesen Prozess aktiv unterstützen, bleiben sie Ansprechpartner für viele Volkshochschulen. Die Cloud braucht jetzt natürlich Content und der kann erst durch Schulungen eingebracht werden. Service ist somit noch dringender, damit die Cloud nicht zum Rohrkrepierer wird.

Die Cloud hat viele offene Fenster, auch für die Verbände. Die Kommunikation mit ihren Mitgliedseinrichtungen kann grundsätzlich dynamisiert werden. Sprechstunden über Yulinc-Videokonferenzen, kollaboratives Arbeiten mit den Volkshochschulen an Konzepten oder transparente Lobbyarbeit – die Cloud bietet hierzu viele Tools.

Und andererseits wird vielen Volkshochschulen etwas fehlen: das bequeme Einfordern von Netzwerkarbeit durch die Verbände. Die Cloud zwingt durch Ihre Möglichkeiten jeden selbst aktiv zu werden.

Mutig ist auch der Zeitpunkt der Öffnung. Die NutzerInnen werden so noch an der Fertigstellung beteiligt. Kritik sollte jetzt massenhaft und konstruktiv eingebracht werden. So kann die VHS in Sachen digitaler Volksbildung liefern.

Politik sollte diesen Mut mit weiteren Investitionen fördern. Vielleicht legen die Volkshochschulen auch ihre grenzenlose Bescheidenheit ab und starten durch.

 

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Responses

  1. Wow, das gefällt mir richtig gut. Man kann die Entwicklung auch mal positiv sehen und das hat Joachim hier getan.
    Da ist viel passiert in den verstaubten Fluren der Verbände. Hoffentlich entwickeln die Modelle, wie ihr Angebot außerhalb der Cloud in Zukunft aussehen könnte.
    Umgekehrt gilt es genau so: die möglichen Ausreden warum die einzelne VHS nicht selbst aktiv wird, sind deutlich weniger geworden. Jetzt sind viele neue Räume für Angebote, Ausprobieren, Vernetzen geschaffen. Also los!

    • Wichtig erscheint mir jetzt, die Cloud nicht nur durch Multiplikatoren mit ihren Nutzungsmöglichkeiten technisch er erklären, sondern selber Best-Practise-Modelle zu realisieren. Die Menschen brauchen Orientierung und Inspiration.
      Meine Erwartungshaltung geht da eher in die Richtung der aktiven Kollegen aus dem Barcamp-Umfeld. Verbände können das nicht leisten, sie machen ja keine VHS-Arbeit.

  2. Ich stimme zu, dass das ein wichtiges Signal ist, das mit Sicherheit große Auswirkungen haben wird. Aber es scheint mir nötig, zwei Ebenen klar auseinanderzuhalten:

    Auf der Organsisationsstruktur und der Kooperation sehe ich auch eine neue Ebene. VHS-Arbeit wird allein durch die Existenz der Cloud dazu genötigt, sich neu „von unten“ zu organsieren udn auch zu legitimieren. Das bringt dringend nötige Agilität (jedenfalls in Ansätzen) in das System.

    Auf der Content-Ebene bin ich weiterhin vorsichtig. Es ist zweifellos ein guter Schritt, dass sehr viele VHSen künftig out of the box eine einheitliche LMS-Plattform haben. Das entlastet und ermöglicht es, sich auf das wirklich Wichtige zu konzentrieren: Wie sollen „digitalisierte“ VHS-Produkte, d.h. eigentlich: Bildungsdienstleistungen für die Nutzer/innen und Wissenwoller/innen da draußen, eigentlich aussehen?

    Gefährlich finde ich, die Erwartung zu schüren, im Cloud-LMS werde jetzt ein eigenständiges digitales Angebot der VHSen entstehen. Das wird so nicht passieren. Der Stand des E-Learning, der sich in der Cloud realisieren lässt, ist der von 2008, und das hat sich damals schon nicht gut bewährt. Vieles am digitalen Lernen/Lehren muss _außerhalb_ des LMS stattfinden. Dort liegt dann v.a. die Kurs-Homepage. das „Schwarze Brett“ sozusagen. Das Wichtigste und Lebendigste passiert im #Web, oder gar nicht.

    • Martin, Danke für diese Differenzierung.
      Die Cloud als Kommunikationsplattform steht in der ersten Phase wahrscheinlich im Mittelpunkt. Ich komme ja nun viel rum und spreche mit VHS-Mitarbeiter*innen, die eine Menge Ideen haben, aber doch recht isoliert im Team sind und die brauchen dringend Vernetzung und Kooperation. Da werden viele Themengruppen entstehen, die einen Content aufbereiten können. Die Cloud funktioniert hier wie ein Radar, unabhängig vom Content. Ich erkenne Gleichgesinnte unabhängig von Sitzungen, Barcamps und Fachveranstaltungen. Daraus könnten sich Angebote entwickeln. Könnten! Das wird auch in einer eher geringen Anzahl gelingen.

      Ein eigenständiges digitales VHS-Angebot? Ich weiß nicht. Hoffnung habe ich schon, aber da spielen so viele Vor-Ort-Parameter eine Rolle. Öffnung scheint mir hier ein Schlüsselbegriff. Und zwar Öffnung in die stoffliche Community, in der ich als VHS arbeite. Sich in die Community zu begeben passiert nicht in der vhs.cloud. Und hier liegt auch eine Gefahr: Die Cloud ist geschlossen. Damit kann auch die Perspektive geschlossen sein. Also, wenn sich viele Einäugige zusammentun, können sie trotzdem nicht räumlich sehen. Und da bin ich bei Deinem letzten Satz, den ich sehr unterstütze. Die Vielfalt der VHS-Familie ist wirklich groß, aber nicht groß genug, um sich damit zu begnügen.

  3. Ich würde an dieser Stelle nochmal aus dem Kompetenzprofil für Lehren in der VHS zitieren, das auf der Website des DVV zu finden ist:
    „Die Lehrenden eignen sich die für eine Tätigkeit in der Volkshochschule erforderliche erwachsenenpädagogische Kompetenz an und entwickeln diese in Verbindung mit ihren fachlichen Qualifikationen weiter. Sie erwarten von den Volkshochschulen, die dafür erforderlichen Fortbildungsmöglichkeiten anzubieten (S.3).

    Darin steckt aus meiner Sicht ein Kern, der uns in Zukunft – auch und vielleicht besonders mit der Cloud – beschäftigen wird. Die Lehrenden eignen sich die erforderliche (!) erwachsenenpädagogische kompetenz an und entwickeln diese weiter. Dazu gehört, sich dem Bereich Digitalisierung und ELW nicht zu verschließen, sondern ich sehe es als Aufgabe der Lehrenden an, sich auf das Thema einzulassen und sich dadurch die erforderlichen Kompetenzen aneignen.
    Der zweite Punkt spricht die Fortbildungsangebote von den „Home-VHS“ an, die ihren Dozent*innen Angebote machen müssen, um diese mitzunehmen. Bevor die Gesellschaft als solches geschult werden kann, braucht es engagierte und medienkompetente Lehrende. Diese können von Außen kommen und das Know How mitbringen. Sie können aber auch aus den eigenen Reihen kommen und sich mit eigenem Antrieb und Support der HPM weiterentwickeln und selbst Medienkompetenzen entwickeln, die sie anschließend auf basis der eigenen Lernerfahrung weitergeben.


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