Verfasst von: Joachim Sucker | 23. Oktober 2018

Wir suchen dritte Orte!

Wir brauchen neue und unverbrauchte Lernorte, damit wir unsere Themen miteinander bereden und uns von den Programmen der Erwachsenenbildungseinrichtungen nicht weiter dominieren lassen. Das klingt jetzt aufrührerisch, ist es aber nicht. Es beschreibt vielmehr eine Realität jenseits der aufbereiteten Bildungsangebote von Pädagogen der Erwachsenenbildung.

An vielen Orten wird dies bereits gelebt. Im MOOC Leuchtfeuer 4.0 haben wir uns in einer Community mit diesen neuen Orten beschäftigt. CoWorking, Makerspace, FabLabs oder reparier cafe`s sind Ausdruck dieser „Bildungsfreiheit“. Meist sind diese Orte thematisch schon klar definiert. Hier geht es um das gemeinsame Arbeiten oder die Herstellung von Produktion, bzw. dem nachhaltigen Umgang mit Elektroprodukten. Das ist gut, denn dazu braucht es eine Infrastruktur von Arbeitsplätzen und Werkzeugen, die nicht immer einfach zu beschaffen sind. Einige dieser Orte stellen wir im MOOC Leuchtfeuer 4.0 vor. Nicht nur in Deutschland, sondern auch mit Anja Wagner  in den USA.

Gewinnerentwurf (2007) im Architektenwettbewerb 2018 – Richter/Musikowski Berlin, Bildungshaus Norderstedt/Garstedt

Neben diesen Communities wird zunehmend die Notwendigkeit klar, große Bevölkerungsgruppen die digitale Teilhabe zu ermöglichen. Wer will, kann hierzu viele, viele Kurse finden, oder im Web auf YouTube tausende Infos anschauen. Das können die Menschen, welche die noch eher seltene Qualifikation des selbstorganisierten Lernens besitzen. Es bleibt noch eine große Anzahl von Menschen, die weder selbstorganisiert, noch in den Räumen der VHS oder Bibliothek ihren Ort gefunden haben. Menschen, die aktiv werden wollen, ohne in die Rolle des Lehrenden oder Lernenden gedrängt zu werden.

Als Antwort darauf wird der „dritte Ort“ gehandelt. Ein offener Raum, der Menschen einlädt, ihre Themen mit anderen zu bearbeiten, sich selbst schlau zu machen und es anderen auf Augenhöhe zu erzählen, wenn diese anderen denn wollen. Ich glaube, dass diese neuen Orte der Begegnung eine Antwort auf aktuelle Herausforderung von „digitaler Volksbildung“ sein können. Aber nicht nur das: wir brauchen in den Kommunen Orte, die kommerzfrei den Austausch in der Nachbarschaft befeuern – und das bitte selbstbestimmt.

Dabei sind die örtlichen Bedingungen für die Schaffung dieser Räume sehr unterschiedlich. Es gibt nicht DAS Rezept, es gibt hunderte unterschiedlicher Ansätze. Es braucht auch keine Ansage der traditionellen Player, sondern Initiative von unten. Dritte Orte erzeugen teilweise ein Vakuum, in welches die interessierten BürgerInnen hineinströmen. Es ist IHR Raum.

Kreativhaus im Bürgerpark Aachen

Zusammen mit Nele Hirsch @eBildungslabor  und Nina Oberländer @noberlaender begeben wir uns auf die Suche nach solchen Konzepten und bestehenden Orten. Kein großer Onlinekurs, wir sammeln auf der Website Dritte-Orte Informationen dazu, damit interessierte Menschen, Kommunalpolitiker oder kommunale Verwaltungen einige Ideen zur Umsetzung von dritten Orten kennen lernen. Inhaltlich sicher eine Initiative, die als Ergänzung zum Leuchtfeuer 4.0 dienen kann, dessen Videos schon viele Konzeptansätze gut beschreiben.

Auf der Website Dritte Orte haben wir ein erstes Interview zum Neubau eines Bildungshauses in Norderstedt veröffentlicht. Das Besondere daran ist, dass das Konzept des dritten Ortes im Fokus der Planungen steht. Und noch etwas Besonderes daran ist, dass die VHS, die Stadbücherei und das Stadtarchiv diesen „Nutzertempel“ planen. Sie wollen sich dort auch neu erfinden. Ein anderer Beitrag stellt das Kreativhaus in Aachen in den Mittelpunkt – ganz klein, ganz unscheinbar im #Moltkepark der Stadt Aachen. Das ganze Objekt ist als große Eingangstür konzipiert.

Nele hat bereits einige interessante Videos eingestellt, die uns die Ideen der Skandinavier näher bringen. Ich bin immer begeistert, wenn ich diese Kreativität sehe, fernab unserer Funktionsräume, die mit einem Fikus Benjamina garniert, Orte des Grauens darstellen.

So richtig gut wird es sicherlich, wenn sich an der Suche noch viele von Euch beteiligen. Da bin ich ganz optimistisch. Schließlich wird das Konzept bereits in einigen Bibliotheken angedacht und teilweise bereits umgesetzt. Und unsere Facebook Gruppe Dritte Orte ist natürlich für den schnellen Austausch auch am Start.

Ich freue mich auf Euch.

 

 

 

 

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