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Der beeMOOC – Viel mehr als ein MOOC

Für wb-web habe ich folgenden Artikel im Dossier Nachhaltigkeit in der Bildung geschrieben. Es ist für mich ein kleines Zwischenfazit. Im März 2019 entstand die Idee zum beeMOOC mit Beatrice Winkler von der VHS Karlsruhe.

Zum Jahresende werde ich sicher auch die Ergebnisse der Schlussbefragung kommunizieren können.

Wie Bildung aktiv in gesellschaftliche Debatten eingreifen kann, wollen wir mit dem beeMOOC erfahren. Ein Onlinekurs zur naturnahen Bienenhaltung.

Bienen sind hipp. Alle wollen Bienen haben. Bienen sind scheinbar ein Beitrag zum Naturschutz und damit ein Beitrag gegen den Klimawandel. Was bisher eher ein Arbeitsfeld für ältere Imker/innen war, wird nun zu einem Betätigungsfeld jüngerer Menschen, die die bisherige Imkerei in Frage stellen.  Aber was tun, wenn die Imkervereine lediglich die konventionellen Konzepte vermitteln?

Unsere Antwort:

Natürlich ein MOOC, einen Massiv Open Online Course für neue Konzepte in der naturnahen Bienenhaltung. Durch dieses orientierende Bildungsangebot ermöglichen wir neue Entscheidungswege in der Bienenhaltung.

 Die Aufgabe:

Konzepte der naturnahen Bienenhaltung zeitgemäß darstellen und in einen aktiven Diskurs einbringen. Menschen erreichen, die sich für Bienen interessieren. Oder Menschen, die sich Bienen anschaffen wollen. Oder auch Menschen, die schon Bienen haben und mehr über naturnahe Konzepte erfahren möchten.

 Das Konzept

Zusammenstellung von Inhalten zur naturnahen Bienenhaltung. Darstellung konkurrierender Konzepte der wesensgemäßen- und artgerechten Bienenhaltung. Experten und Kooperationspartner finden und integrieren. Einrichtungen der Erwachsenenbildung für Begleitkurse (MOOCbars) interessieren.

Kursinhalte in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Fachcommunties über Facebook entwickeln. Das Wissen zum Thema  öffentlich aufbauen und damit eine Community für das Thema aufbauen.

Den beeMOOC  als zukünftiges Referenzprojekt in der Orientierung neuer Bienenhalter/innen zu naturnaher Bienenhaltung in der Öffentlichkeit  platzieren.

Was ist anders?

Als Bildungsakteure fühlen wir uns der Neutralität verpflichtet. Wir stellen Konzepte und Meinungen vor, halten uns aber bei der Bewertung, außerhalb von Faktenwissen, heraus. Das gilt auch für den beeMOOC . 
Unsere Haltung zur naturnahen Bienenhaltung haben wir indes nicht ausgeklammert. Im Gegenteil. Durch unsere ehrenamtliche Arbeit wird anderen Akteuren deutlich, dass wir mit dem Herzen bei der Sache  sind. Diese Empathie  kann auch Vorbild für  Angebote der politischen Bildung sein und hängt natürlich nicht an der Ehrenamtlichkeit, sondern an Überzeugungen. Die Auswertung zum ichMOOC ergab, Motivation entsteht durch Empathie der Anbieter einer Bildungsmaßnahme. Das sind in erster Linie die Kolleg/innen, die ein Angebot vor Ort oder im Netz durchführen. Engagierte Bildung wird überzeugen.

Unsere Empathie haben wir durch folgende Aktivitäten gezeigt: Bereits 6 Monate vor dem Start haben wir in verschiedenen Facebook-Gruppe unser Anliegen vorgestellt. Wir haben informiert. Wir haben gefragt und uns in Diskussionen eingebracht, die nicht immer unkritisch waren. SocialMedia-Kommunikation ist mehr als Werbung. Es bedarf einer Einstellung, die besonders auf gegenseitige Unterstützung achtet. Und nicht in jedem Post kommt das Wort beeMOOC vor. 
Wir identifizierten die Meinungsführer zum Thema und haben Kontakt aufgenommen. Wir konnten durch unser Wissen Vertrauen schaffen. Wir sind zu den Experten gefahren und haben viele Gespräche geführt, aus denen die Videolektionen entstanden sind. Diesen Input der Experten geben wir durch unsere Öffentlichkeitsarbeit zu Ihren Projekten zurück. Wir werben mit Ihnen, Ihrer Idee und Ihrer Einrichtung.

 Nicht für, sondern mit …

Der Kurs ist mit Ihnen gemeinsam entstanden. Ein Ansatz, der auch in der kommunalen Bildung zukunftsweisend ist. Wenn Bildung Menschen abholen soll, dann braucht es neue Entwicklungskonzepte. Wir machen keine Bildung für, sondern   mit    Menschen. Bedingung ist allerdings, dass wir als Bildungsarbeiter unser geschütztes Umfeld, unser Büro verlassen. Wir sind Teil der Community mit einen hohem Anteil an Dienstleistung. Damit ist Bildung nicht immer planbar, sondern hängt von Faktoren ab, die sich erst in der Entwicklung ergeben.  Neudeutsch: agile Projektentwicklung. Im beeMOOC zeigen wir, dass Bienen halten, Honig erzeugen oder Platinen löten ein gemeinsames Thema ist. Viele Themen lassen sich so ausdifferenzieren, dass die Themenlandkarte von der Autobahn bis zum Feldweg reicht. Als Bildungsanbieter können wir Menschen zusammenbringen und Bildung initiieren. Wenn die Community Teil der Entwicklung ist, können wir uns auch wieder zurückziehen und eher begleiten. Dann ist die Zeit für neue Themen gekommen.

 Die Finanzen

Zum Start des Projektes im März 2019 null.

Wir sind ins Risiko gegangen und haben auf Beiträge der Bildungseinrichtungen, Spenden und Sponsoring gesetzt. Diese Mittel sollten in erster Linie in externe Honorare (Videoproduktion, Schulung Software etc.) eingesetzt werden. Honorare im Team erst nach Fertigstellung und Übernahme der angefallenen  Kosten.

 Die Umsetzung

Durch Erfahrungen aus vorhergehenden MOOCproduktionen wussten wir, dass der Umsetzungsprozess flexibel sein sollte und einem Fahrplan folgen muss.

Als Basis für die Arbeit im Web haben wir die Seite www.beemooc.de aufgesetzt. Hier finden sich  alle Informationen zu den  Expert/innen, den Begleitkurse, den Inhalten uvm.

Der Onlinekurs findet auf Oncampus statt, der Plattform der FH Lübeck. Oncampus stellt jedem Interessierten die Plattform grundsätzlich kostenfrei zur Verfügung. Einführung über den MOOCmaker Kurs.

Der MOOC-Content wurde  aufwendig durch Expertenbesuche in ganz Deutschland per Video entwickelt. Es handelt sich dabei meist um Interviews in lockerer Gesprächsatmosphäre. Das Curriculum hat sich den Beiträgen der Community angepasst. Diese agile Entwicklung braucht viel Flexibilität, Zeit und Selbstvertrauen 😉

Der gesamte Entwicklungsprozess wurde parallel in den Sozialen Netzwerken (FacebookTwitter) begleitet. Nachfragen, Anmerkungen, Vorschläge wurden zeitnah beantwortet.

Das Bild zeigt eine Comiczeichnung eines Imkers, neben der steht: "Wir leben im 21. Jahrhundert, wir nutzen Bienen seit tausenden Jahren und haben keine Ahnung, wie sie unter natürlichen Bedingungen leben."

Besonderheiten

Die Imkerei lebt seit sehr vielen Jahren vom Expertenwissen unterschiedlicher Interessensgruppen. Dabei agieren viele Imker/innen als eigene Experten mit einem recht großen Beharrungsvermögen. Deren Skepsis schlug uns von Beginn an in den Netzwerken entgegen. Als Newbies, als Bildungsakteure ohne eigenes Expertenwissen und dann noch ein Online-Format,  haben  den skeptischen Blick auf uns verschärft. Hinzugekommen ist die Themenerweiterung. Zwei, in großen Teilen gegensätzliche, Konzepte in einen MOOC zu integrieren braucht Vertrauen aus der Community. Das zu erarbeiten, hat Monate gebraucht. Das stetige  Monitoring  von Foren und Gruppen und sich dabei immer wieder der Kritik stellen, kostet  Energie, ist aber auch ein ständiger Ansporn.


Das Zwischenergebnis zum Kursstart 19.3.2020

Hier sagen Zahlen mehr als Projektpoesie:

–  Kooperierende Bildungseinrichtungen = 95
–  Besucher der Infowebsite = > 26.000
 – Seitenaufrufe der Infowebsite = > 70.000
–  Kursanmeldungen = > 1.800  (alle Altersgruppen)

Das Bild zeigt ein buntes Tortendiagramm zur Altersstruktur der Mooc-Nutzer.
Anfangsbefragung
Teilnehmer*innen
Anfangsbefragung

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