Verfasst von: Joachim Sucker | 7. März 2018

Hurra, die cloud ist da – ein Zwischenruf

VHS MOOC

Hurra, die cloud ist da – ein Zwischenruf

Ja, die vhs.cloud ist eröffnet. Sie ist noch reichlich Beta, aber nutzbar für alle, die auch mal Unfertiges fertiger machen wollen. Was Microsoft kann, kann VHS auch.

Die Volkshochschulen haben nun ihre eigene Wolke. Und diese Wolke wird einen Strukturwandel nach sich ziehen. Nicht nur, weil die Kursangebote in dieser Wolke eine Heimat finden können, sondern weil sich Kommunikation grundsätzlich neue Wege suchen wird.

Was in den letzten Jahre als kleine Graswurzelbewegung auf unterschiedlichen Plattformen wie Xing, Google+, Twitter oder Facebook begann, mündet jetzt logischerweise in der vhs.cloud. 2013 hieß es noch: „Wecke den Riesen auf“. Heute ist der Riese erwacht und er beginnt aufzustehen. Diese eierlegende Wollmilchsau mit Namen vhs.cloud stellt eine Zeitenwende dar.

Man könnte ja meinen, es wäre nur eine weitere Plattform. Es ist mehr als das. Es ist schlichtweg die Sprengung bisheriger Kommunikationshierarchien. Informationsaustausch, der bisher im Rahmen strengerer Regularien zwischen dem Deutschen Volkshochschulverband und den 16 Landesverbänden kommuniziert wurde, verflüssigt sich mittelfristig in die Cloud. Querkommunikation wurde in Fachgremien organisiert. Erste Gruppen in der Cloud nehmen diese Aufgaben bereits wahr. Die Landesverbände saßen auf ihren Mitgliedsvolkshochschulen, wie die Glucke auf dem Ei. Mit der vhs.cloud hat sich die neue Kommunikationsstruktur und die Kultur des Teilens, der Transparenz durchgesetzt.

Der Druck war groß, denn Digitalisierung hält sich nicht an Landesgrenzen. Aber es ist auch mutig, eine Wolke des Teilens zu etablieren. Vielleicht ist noch nicht allen Verbänden klar, dass sie mit der zunehmenden Nutzung der Cloud die eigene Rolle überdenken und verändern müssen. Die Kontrolle über Abstimmungsprozesse und Kooperationen geht verloren. Volkshochschulen haben sich bisher weitgehend über die Verbände miteinander verbunden. Das wird jetzt in der Cloud realisiert. Dafür sind Verbände nicht mehr notwendig. Wenn die Verbände diesen Prozess aktiv unterstützen, bleiben sie Ansprechpartner für viele Volkshochschulen. Die Cloud braucht jetzt natürlich Content und der kann erst durch Schulungen eingebracht werden. Service ist somit noch dringender, damit die Cloud nicht zum Rohrkrepierer wird.

Die Cloud hat viele offene Fenster, auch für die Verbände. Die Kommunikation mit ihren Mitgliedseinrichtungen kann grundsätzlich dynamisiert werden. Sprechstunden über Yulinc-Videokonferenzen, kollaboratives Arbeiten mit den Volkshochschulen an Konzepten oder transparente Lobbyarbeit – die Cloud bietet hierzu viele Tools.

Und andererseits wird vielen Volkshochschulen etwas fehlen: das bequeme Einfordern von Netzwerkarbeit durch die Verbände. Die Cloud zwingt durch Ihre Möglichkeiten jeden selbst aktiv zu werden.

Mutig ist auch der Zeitpunkt der Öffnung. Die NutzerInnen werden so noch an der Fertigstellung beteiligt. Kritik sollte jetzt massenhaft und konstruktiv eingebracht werden. So kann die VHS in Sachen digitaler Volksbildung liefern.

Politik sollte diesen Mut mit weiteren Investitionen fördern. Vielleicht legen die Volkshochschulen auch ihre grenzenlose Bescheidenheit ab und starten durch.

 

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Verfasst von: Joachim Sucker | 12. Februar 2018

Next Level – VHS

Nextlevel

Wer wie ich Volkshochschulen auf dem Weg in die digitalisierte Gesellschaft begleitet, spürt eine große Ratlosigkeit. Wie soll der Schritt gemacht werden? Kaum geeignetes Personal, so gut wie keine begeisterten Kursleitungen und die Kunden scheinen mit den traditionellen Angeboten zufrieden zu sein. Und doch wissen fast alle: an digitalen Konzepten führt kein Weg vorbei. Ein sehr großer Anteil von Volkshochschulen ist dem nicht gewachsen. Da nützen auch keine markigen Papiere. Es braucht massive Unterstützung und zwar jetzt.

Wenn jetzt nicht der nächste Schritt getan wird, wird sich ein digitaler Graben durch die Volkshochschulen ziehen. Das schadet der Marke VHS fundamental.

Chancen einer Umsetzung bietet überraschenderweise die Politik. Der Koalitionsvertrag spricht in Sachen digitale Volksbildung eine deutliche Sprache.

„Menschen müssen in jedem Alter und in jeder Lebenslage die Chance haben, am digitalen Wandel teilzuhaben, digitale Medien für ihr persönliches Lernen und ihre Bildung zu nutzen und Medienkompetenz zu erwerben. Wir wollen die Entwicklung von attraktiven, niedrigschwelligen Lernangeboten fördern, vor allem im Bereich der #Volkshochschulen, und die Qualitätssicherung in der digitalen Weiterbildung durch Bildungsforschung unterstützen.“ (S.31) Weitere spannende Passagen hat Martin Lindner in seinem Digfisch-Blog zitiert. Egal, ob der Vertrag realisiert wird – die Volkshochschulen sollten den Impuls jetzt nutzen. So schnell kommt diese Gelegenheit nicht wieder.

Wie kann das next Level der digitalen Volksbildung erreicht werden?

Wie können Volkshochschulen unterstützt werden? Es braucht ein zukunftsfähiges Konzept und keine individualisierte Projektlösung.

Bildung in der digitalisierten Gesellschaft  ist kein Projekt –
es ist die Zukunft.

Als Motor der Entwicklung haben sich neben einzelnen Volkshochschulen besonders die Verbände gezeigt. Aber: das bisherige Wechselspiel zwischen vereinzelten Initiativen von  innovativen Volkshochschulen und dem Programm des DVV ist eindeutig nicht dynamisch genug. Es klemmt in den selbstauferlegten Strukturen. Alle wollen nur das Beste, welches im Netzwerk der Einzelinteressen untergeht. Zu viele Beschränkungen in der Kommunikation, zu viele isolierte Projekte und zu wenig grösser gedachte Angebotslösungen für alle 900 Volkshochschulen. Erste Pilotprojekte durch Digicircles in die Fläche zu bringen, braucht in diesen Struktur einige Jahre. Hier braucht es Standards, um in die Fläche zu kommen.

Ein Haus, eine vhs.cloud für digitalisierte Lösungen zu bauen, ist sicherlich wichtig und richtig, doch die Vergangenheit lehrt auch, dass es nun darauf ankommt Leben in die Bude zu bringen. Dieses Leben (Kurse, Projekte, Diskussionen) können keine Verbände erzeugen. Das bleibt Aufgabe der Volkshochschulen.

Also: wie erreichen wir das next level?

Die Konzeptgruppe der Erweiterten Lernwelten hat in ihrem ersten Papier bereits den Aufbau einer Agentur vorgeschlagen. Eine Agentur, die Service organisiert und dabei selbst in die Kursentwicklung geht. Es bleibt natürlich bei der Freiheit jeder Volkshochschule, diesen Service zu nutzen, eigene Angebote zu entwickeln.
Bisher hat der Bundesverband DVV diesen Service organisiert. Doch ist wohl allen Beteiligten klar, ein Verband ist ein Verband und keine Serviceagentur. Service braucht Innovation, Dynamik und eine Fokussierung auf marktgängige Produkte. Das läßt sich unter wirtschaftlichen Bedingungen realisieren. Ein Verband hat andere Aufgaben.

Wie kann eine Serviceagentur gedacht werden?

Unternehmensform

Das VHS Lab ist ein Tochterunternehmen des DVVs oder einer anderen Formation aus dem VHS-Netzwerk. Als gGmbH soll sie Einnahmen reinvestieren.

Unternehmensstruktur

Das Unternehmen arbeitet in den Bereichen des technischen Supports, der Adaption neuer Technologien für die Erwachsenenbildung bis hin zur konkreten Produktentwicklung und deren Vertrieb in die Weiterbildungslandschaft.

Parallel dazu braucht es dynamische Fortbildungsformate, um die Beschäftigten, seien es Mitarbeitende oder Kursleitende, als Übersetzer des digitalen Wandels zu ertüchtigen.

Forschung/Entwicklung und Produktentwicklung/Vertrieb

Wir brauchen eine verlässliche Weiterentwicklung bestehender Tools. Sei es die App, die dahinterliegende Datenbank aller VHS-Kurse oder die vhs.cloud. Für die bestehenden Lernportale sehe ich die bisherigen Teams in der Verantwortung, die allerdings nicht in der Agentur integriert sein müssen.
Im Bereich der Forschung werden neue Tools auf die Tauglichkeit für Erwachsenenbildung getestet und wenn möglich/nötig, adaptiert.

Als einen Schwerpunkt sehe ich die Entwicklung einer provisionsorientierten Vertriebslösung. Das Team entwickelt neue Online-Kurse die allen Volkshochschulen angeboten werden. Dabei werden die Produktschritte von der Entwicklung bis zum Vertrieb durch ein Team verantwortet.

Das Modell kann so aussehen:
Volkshochschulen, die sich am Vertrieb dieser Kurse beteiligen wollen, erhalten einen Link-Button, den sie auf die eigene Website stellen, bzw. über einen QR-Link im Programmheft, über den sie aufmerksam machen. Wenn über diese Links (Affiliate) ein TN für einen Onlinekurs gewonnen wird, wird der betreffenden VHS eine Provision überwiesen. Hierzu gibt es bereits fertige Systeme. Über diesen Weg gibt es nur Gewinner. Die VHS kann einerseits das eigene Portfolio nach eigenem Ermessen erweitern, braucht keine Entwicklungskosten oder technische Infrastruktur, hat andererseits mögliche Einnahmen, indem sie lediglich die Werbung unterstützt.

In der ersten Phase können die Onlinekurse eine Weiterentwicklung bestehender VHS-Standards sein. Beispiel: Photoshop 1 und 2 können noch an Volkshochschulen in Präsenz realisiert werden. Bei weiteren Spezialisierungen ( Photoshop 3 + 4) werden sich vor Ort selten ausreichend TN finden. Onlineangebote bieten durch die Markterweiterung auf den gesamten deutschsprachigen Raum, bei flächendeckender Werbung, eine hohe Chance auf hinreichend viele TN. Wenn diese Kurse dann noch als Konserve produziert werden, wie es z. B. Udemy zeigt, können die Kurse laufend in den Vertrieb gehen. Ondemand ist ein Qualitätsmerkmal für diese Form der Onlinekurse.
In der zweiten Phase werden die Kurse nicht nach Spezialisierungen entwickelt, sondern nach Lerngruppen. Also Menschen, die bisher das VHS-Präsenzsystem nicht annehmen konnten oder wollten.

In der Qualitätssicherung sollte ein Aspekt auf der laufenden Aktualisierung entwickelter Formate gelegt werden. Oncampus wäre hier ein Beispiel. Massiv Open Online Course (MOOCs) werden dort so produziert, dass sie nach Möglichkeit über Jahre hinweg im Vertrieb sind. So hätte z.B. der ichMOOC weitere Realisierung erfahren können, wenn die beteiligten Volkshochschulen aus Hamburg und Bremen das gewollt hätten. Einen MOOC nur einzigartig anzubieten ist kein Erfolgsmodell, weder im Sinne der digitalen Volksbildung, noch ökonomisch.

Neben den Onlinekursen werden auch Blended-Kurse im Fokus stehen. Dazu braucht es Lernmaterial, welches bestehende Präsenzkurse anreichert. Das werden in erster Linie Videoeinheiten sein, die über die vhs.cloud bereitgestellt werden. Interessant bleiben auch die Blended-MOOCs: zentral produzierte Online-Kurse in der Cloud, die über regionale Begleitgruppen in Präsenzform angereichert werden und zu einer lokalen Cmmunitybildung beitragen können.

Eine Herausforderung stellt das Thema Offene Bildungsmaterialien (OER) dar. Die Materialien einzig in der vhs.cloud bereitzustellen, kann keine Lösung sein. Hier kann ein Zusammenwachsen mit offenen Plattformen ein Ziel sein..

Die Mischung all dieser Lernsettings kann sehr schnell zu einem der breitesten Angebote im deutschsprachigen Raum werden. Die vhs.cloud bildet hier eine gute Grundlage. Die Buchungsmöglichkeiten der Webinarkonserven, der MOOCs und anderer Kursformate ermöglichen einen jederzeitigen Einstieg der Teilnehmenden. Aktualisierungen garantieren ein zeitgemäßes Weiterbildungsangebot.

Qualifizierung

Entwicklung von onlinebasierten Fortbildungssettings sind zwingend, da nur über diesen Ansatz hinreichend viele Mitarbeiter das notwendige Wissen erlangen können. Sie sind z. B. als Konserve kostengünstiger und können über einen längeren Zeitraum begleitend genutzt werden. Wenn diese Fortbildungen in der Konzeption gleich für alle relevanten Lerngruppen (Mitarbeitende, Kursleitungen und Teilnehmende) angelegt werden, kann digitale Volksbildung in Teilen sofort starten. Wir überspringen die herkömmlichen Fortbildungsketten (erst MA, dann KL, dann TN) und gewinnen so an Dynamik.

Finanzierung

Das Unternehmen kann erfolgreich sein, wenn es mit einer Startup-DNA gegründet wird. Das benötigte Risikokapital wird über eine öffentliche Anschubfinanzierung gewährleistet. Es sollte keine Marktbegrenzung auf Volkshochschulen geben, aber eine deutliche Serviceorientierung für die Volkshochschulen und deren Verbände im Fokus haben. Eine ähnliche Konstruktion gibt es bereits mit der Tochtergesellschaft telc, Die Produkte dieser Agentur werden von Volkshochschulen und Verbänden gekauft. Es ist leicht vorstellbar, dass der Markt von über 900 Volkshochschulen ausreicht, um eine Produktentwicklung zu ermöglichen. Allerdings stehen die Produkte, wie in der Privatwirtschaft unter Erfolgsdruck. Jedes Produkt braucht daher eine Wirtschaftlichkeitsberechnung und entsprechende Erfolgskennzahlen.

Agile Struktur

Die Arbeitsgebiete werden nicht nach Abteilungen getrennt. Es sind eher kleine agile Teams, die die komplette Kette von Entwicklung bis Vertrieb verantworten. Die bisherige Trennung von Kursentwicklung und Marketing, wie in größeren Volkshochschulen installiert, sorgt für Reibungsverluste in der gegenseitigen Zuschreibung von Mißerfolgen. Die Agentur ist auch kein Sammelbecken bisheriger Aktivitäten des Verbandes. Personalanforderungen und Stellenbeschreibungen sollten sich eher an Startups orientieren.

Nach den ersten Jahren der Umsetzung der Erweiterten Lernwelten durch den Dachverband, kommt dieser Lösung noch mehr Bedeutung zu.

Verfasst von: Joachim Sucker | 17. Januar 2018

Digital-VHS im Dschungel der Diskussionen

Das Jahr 2018 ist noch jung und es ist ein guter Moment, eine Übersicht der Aktivitäten zum Konzept der Erweiterten Lernwelten und zum Stand der Diskussion um die Digitalisierung in der VHS zu ziehen. An unterschiedlichen Stellen werden Themen sichtbar, die bisher in den Konzepten eine untergeordnete Rolle spielten. Fangen wir mit dem ganz großen Thema an.

digitalVHS

Sascha Lobo hat in einem Marshallplan die Digital-VHS gefordert. Im Kern geht es bei dieser Forderung um die Sicherstellung der digitalen Teilhabe weiter Bevölkerungskreise, einer Form digitaler Volksbildung. Lobo und andere wünschen sich eine Volkshochschule, die Verantwortung übernimmt und ein breites Programm zur Digitalisierung auflegt. In meinem Blog habe ich hier darauf geantwortet und eine erste Diskussion gestartet. Das Konzept der „Erweiterte Lernwelten“ liefert zu dieser Forderung zwar keine Antwort, aber es zeigt, dass die Graswurzel der VHS-Familie schon inhaltlich breiter diskutieren.

Der Verein „Erweiterte Lernwelten“ hat zu dieser Frage eine erste Interviewreihe gestartet. Im ersten Interview sprechen Marie Batzel (VHS-Neuss) und Amelie Wangrim (VHS Köln) dazu. Weiterhin hat der Verein das Format des Lagerfeuers gestartet. Im Rahmen einer Videokonferenz werden monatlich Themen vorgeschlagen, die mit Kolleg*innen diskutiert werden können. Die Konferenz ist frei und über die Vereinswebsite ist der Link abrufbar. Digital-VHS, Online-Kurse oder Kursstatistik waren u.a. Themen, die auch kollaborativ weiter bearbeitet werden.

 

Lernkompetenzen

An anderer Stelle wird die Frage der Lernkompetenzen für ein Lernen in der digitalisierten Gesellschaft gestellt. Martin Lindner (VHS-Lingen) hat dazu den europäischen Kompetenzrahmen konkretisiert. Erste Überlegungen, VHS-Kurse in diesem Rahmen zu verorten, werden in Lingen realisiert. Wer mal einen Blick in so ein Programm werfen möchte, kann es hier tun. Er selbst sagt dazu: „Der Witz ist, dass „digitale Kompetenz“ hier ganz streng analog zu „Sprache lernen“ verstanden wird. es sind quasi Sprachkurse: „Digitalesisch sprechen und sich in Digitalien bewegen können““.

 

Mitarbeiter-Kompetenzen

Natürlich stellt sich da auch die Frage nach den Kompetenzen der Mitarbeiter*innen in der VHS. Dazu gibt es gleich drei inhaltliche Ansätze. Der Bundesarbeitskreis hat eine Liste erstellt. Martin Lindner hat in seinem Blogpost 9 konkrete Fragen an uns selbst die Anforderungen weiter konkretisiert. Für die k.o.s. in Berlin habe ich auf der Tagung Digitalisierung in der Weiterbildung hierzu auch einen Input gegeben. Etwas unbequem ist allerdings die Beschreibung der Hemmnisse in der Umsetzung, die überwiegend durch mangelnde Kenntnisse oder Interessen der Mitarbeiter*innen gekennzeichnet sind. Wir sind alle nicht so sehr auseinander, was die Beschreibung des Notwendigen betrifft. Die Frage wird sein, wann solche Kompetenzraster in die Mitarbeiter-Fortbildungen einfließen bzw. in den Stellenprofilen auftauchen. VHS-Lingen, VHS-Leipzig und VHS-Berlin- Mitte haben erste Ausschreibungen hierzu realisiert. Dazu werde ich noch Interviews führen. Ein erstes Interview mit Martin Linder ist hier zu sehen.

 

vhs.cloud

Ein Thema der Zukunft ist sicherlich die Nutzung der vhs.cloud. Die VHS.cloud ist fast pünktlich an den Start gegangen. Derzeit werden vielerorts die Zugänge eingerichtet und die Betaphase hat richtig Schwung aufgenommen. Die Anforderungen waren hoch und so ist ein etwas unübersichtlicher Dschungel gewachsen. Das ist eher eine interne Diskussion innerhalb der VHS-Gremien. Es wird sich zeigen, welche Bereiche letztendlich sinnvoll zu nutzen sind.

Neue Lernräume

Noch etwas im Verborgenen wird über den dritten Ort gesprochen. Im Zuge kommunaler Kulturarbeit rückt die Kooperation zwischen Bibliotheken und Volkshochschulen in den Fokus kommunaler Gremien. An unterschiedlichen Orten werden neue Konzepte ausprobiert, wobei die Bibliotheken z.B. in Köln agile Bildungsarbeit integrieren. Aus VHS-Perspektive wird die Latte in Köln recht hoch gelegt. Dazu folgt auch noch ein Blogpost. Andernorts werden neue Bildungshäuser entstehen (Wolfsburg, Norderstedt), die diesen Gedanken aufnehmen. Ein Blick ins nahe Ausland ( Kerkrade, Oslo etc.) kann für Inspiration sorgen und Volkshochschulen wichtige Impulse geben. Aber darüber schreibe ich im nächsten Blogpost.

Meine Sicht ist die eines Begleiters, der viel mit einzelnen Volkshochschulen arbeitet. Sicherlich werden an anderen Stellen weitere Themen diskutiert, die über das operative Geschäft der Bildungseinrichtung hinausgehen. Über eine Vervollständigung der Themen in der Kommentarleiste freue ich mich. Vielleicht können wir so gemeinsam den Stand der Entwicklung darstellen. Und selbstverständlich sind auch weitere Anbieter der Erwachsenenbildung dazu aufgerufen. Wir sind noch zu schwach in der Bildungsdiskussion vertreten.

Verfasst von: Joachim Sucker | 2. November 2017

Was macht ein Digitalisierungsbeauftragter in der VHS?

Digitalisierung braucht Organisationsentwicklung

Die k.o.s. GmbH in Berlin hat mich eingeladen. Am 22.11.17 werde ich auf der Veranstaltung: Digitalisierung in der Weiterbildung zum Thema Brauchen Bildungseinrichtungen eine/n Digitalverantwortliche/n? sprechen.

Die Fahrt nach Berlin soll sich ja lohnen, deshalb an dieser Stelle keine Präsentation, die ich sowieso noch nicht fertig habe. Ich taste mich an das Thema heran. Als Inspirationsquelle dient mir hierbei Martin Lindner. Einige kennen ihn noch vom vhsMOOC im Jahr 2013, andere freuen sich auf sein Buch „Die Bildung und das Netz“ (ISBN: 978-3-9819280-3-7). Seit einigen Monaten ist er der Digitalisierungsbeauftrage der VHS Lingen. Das machte mich neugierig und ich habe mit Ihm darüber gesprochen.

Verfasst von: Joachim Sucker | 11. Oktober 2017

Marschallplan und digitalVHS

Sascha Lobo hat die Debatte über eine digitale VHS aus ihrer engen “internen” Diskussion der VHS-Familie befreit. Er fordert einen digitalen Marshallplan, auch in der Erwachsenenbildung. Carsten Schneider tweetet einen Ausschnitt von Renè Obermann aus der Zeit. Martin Lindner stellt die Frage nach dem weiteren Weg dahin. Beatrice Winkler aus der VHS-Karlsruhe will, dass jede VHS diese Frage mit ihren Kunden klärt. Die Debatte scheint eröffnet.

An dieser Stelle würde ich vorab den Begriff der Volkshochschule mit Volksbildung etwas breiter
übersetzen. Lobo wird nicht denken, dass es eine Einrichtung ist, die die Aufgabe der digitalen Alphabetisierung stemmen kann. Zwar haben die Volkshochschulen in den letzten Jahren das Konzept der „Erweiterten Lernwelten“ auf den Weg gebracht. Aber allein die Beschäftigung mit dem Thema der Digitalisierung auf der Angebotsebene hat Jahre gedauert und wird sicher auch noch Jahre benötigen. Das ist normal, sind ein Großteil der Entscheider doch Angehörige dieser unvernetzten Generation (Anja Wagner), die über Digitalisierung sprechen, sie aber weitestgehend aus dem eigenen Alltag verdrängen. Außer dem Smartphone natürlich. Sicher ist, dass die Volkshochschulen ein Klientel erreichen, welches im Sinne der digitalen Integration unbedingt erreicht werden muss. Allein deshalb geht ohne die VHS nichts, wenn es einen Breitenwirkung haben soll.

Warum jetzt dieser Ruf nach einer digitalen Volksbildung?

Klimawandel, Globalisierung und Digitalisierung verzahnen sich immer stärker. Die Welt verändert sich auf allen Ebenen. Auch bei denen, die in dörflichen Strukturen kaum davon betroffen sind. Der Blick ins TV weckt Ängste. Überall Flüchtlinge! Auch wenn im eigenen Dorf keine zu sehen sind. Unsere politische Führung hat keine Antworten. Die Politiker sind gnadenlos überfordert, wollen dies aber nicht eingestehen. Die einzig verständliche Antwort scheint der Ruf nach der Vergangenheit, nach Abschottung, nach einfachen Antworten. Wir kennen diese Debatten.

Das Interesse, besser die Neugierde auf das Thema Digitalisierung scheint spärlich. VHS-Kunden haben auch früher die Kurse zum Klimawandel oder Globalisierung nur in Ausnahmen besucht. Politische Bildung erlebte einen starken Niedergang.

Wer sich allerdings mit dem Thema beschäftigt, weiß auch, dass die Einschläge näher kommen. Wer erzählt Frau Meyer, dass der Job an der Supermarktkasse keine Zukunft hat? Wer sagt Herrn Müller, dass er als Versicherungsvertreter bald durch einen Algorithmus ersetzt wird? … Bankangestellte mit einem Bein in der Arbeitslosigkeit stecken? … Algorithmen besser, schneller, präziser und billiger sind als Rechtsanwälte ? Oder Mediziner oder KFZ-Mechatroniker … Wenn all diese Menschen nicht auf fluide Arbeitsmärkte vorbereitet werden, wird die gesellschaftliche Spaltung hässliche Züge bekommen. Daran wird auch das bedingungslose Grundeinkommen wenig ändern. Welcher Rechtsanwalt möchte schon Aquaponiker werden oder wie die ganzen neuen Berufe heißen werden.

Was machen wir, wenn wir zur Erhaltung unseres Lebensstandards jährlich ca. 500.000 Einwanderer benötigen, wie die Bertelsmann-Stiftung vorrechnet, die Politik aber nur 200.000 hereinlassen will? Fachkräfte sind keine Katalogware, sie müssen integriert und ausgebildet werden. Das dauert.

Wer erklärt den Älteren, dass die Sparkasse nicht ins Dorf zurückkehren wird. Onlinebanking zur Voraussetzung für ein eigenes Konto wird?

Andererseits ergeben sich durch die Digitalisierung täglich neue ungenutzte Chancen, neue Szenarien, die den Planeten und unser Leben verbessern können. Wo entstehen die neuen Berufe und wer kann daran teilhaben?

Wer lange über diese Untätigkeiten nachdenkt, weiß nicht wohin mit der Wut über diese Generation der Wegdücker.

Es geht also schlicht um die Zukunftsfähigkeit,
um den sozialen Frieden und Wohlstand.

Soweit  also nicht Neues. Wie bekommen wir aber Schwung in den Laden?
Es ist kaum vorstellbar, dass die notwendige digitale Alpabetisierung in tradierten Bildungssettings gelingen kann. Die unvernetzte Generation hat eine unflexible Bildungslandschaft hergestellt. Innovative Fördertöpfe werden in einer ehrenwerten Gesellschaft aufgeteilt. Man kennt sich, man schätzt sich, man weiß schon vorher, was herauskommt. Die Förderbedingen schaffen Sicherheit für die Vergabestellen und minimieren Kreativität und Risiko. Ob Europa, Bund, Länder, Kommunen – die Mechanismen greifen.

In den Volkshochschulen ist der Prozess gut zu beobachten. Es brauchte einen Anstubser durch eine Graswurzelbewegung ausserhalb der Strukturen, aber innerhalb der VHS-Familie. Online-Gruppen, Barcamps, große Onlinekurse, die Neugierigen sammelten sich online und mobil. Hierarchiefrei und spontan wurden Kooperationen verabredet, gegenseitige Fortbildung vollzog sich in Minutentakt, statt langer Planungszyklen. Diese hinreichende Energie führte dann zum erfolgreichen Marsch durch die Institution. Digitalisierung wurde ganz oben auf die Agenda geschrieben.

Warum soll dies nicht in einem noch größerem Maßstab gelingen? Über die VHS hinaus.

Digitale Volksbildung braucht eine dynamische und mehrdimensionale Netzwerkstruktur. Es gibt nicht den einen Bildungsanbieter, der alle Themen, alle Zielgruppen, alle Bildungsformate und alle Orte erreicht. Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, dass es nur geschlossene Lerngruppen gibt. Wir brauchen eine Lernkultur, die einen ständigen Rollenwechsel zwischen Teilnehmer und Teilgeber vorsieht, die mit Humor und Leichtigkeit Neugierde schafft. Das Ungewisse zuzulassen. Dabei das Ziel: Die Menschen zu befähigen sich selbst zu orientieren und im Web die Antworten auf die eigenen Fragen zu finden nicht aus den Augen zu v verlieren  Wir brauchen einen Kulturwechsel in der Bildung.

Wir brauchen ein Projekt – eine Bewegung!

Menschen zusammenbringen braucht meist eine gemeinsame Adresse. Die digitale Volksbildung braucht eine Markenbildung. Menschen müssen sich mit dieser Aufgabe identifizieren und verbinden. Damit meine ich keine klassische Markenbildung, die sich in erster Linie gegen andere Marken durchsetzen will. Es ist eher eine Einladung für eine Graswurzelbewegung ein Label zu schaffen. Ein Label, welches die beteiligten Akteure durch die immanente Freiheit begeistert. So begeistert, dass Menschen mit eigenen Ideen diese Bewegung mitformen möchten.

Ziel ist es, Menschen auf die Zukunft neugierig zu machen. Daraus ergeben sich alle anderen Themen, denn die Neugierde ist der Beginn einer freiwilligen, lebensbegleitenden Erwachsenenbildung. Die Themen orientieren sich an den Interessen aller Beteiligten. Ob Menschen in Jugendinitiativen, Seniorenverbänden, Stadtverwaltungen, Politik, Berufsverbänden, Sportvereinen, Kulturinitiativen, Selbsthilfegruppen, Altenheimen und und und.  Digitalisierung betrifft alle.

Es braucht sicher auch Strukturen. Eine Agentur, die nicht an Institutionen gebunden ist, sondern sich frei orientieren kann. Sie dient als Netzwerkknoten zwischen sehr unterschiedlichen externen Strukturen. Neue und ungewöhnliche Kooperationen zu ermöglichen ist ein wichtiges Ziel. Wir brauchen einen Anlaufpunkt für Ideen, für Unterstützung regionaler Akteure. Wir brauchen eine Agentur, die auch selbst Impulse setzen kann und soll und damit auch ungewöhnliche Szenarien in Gang setzt. Eine Agentur, die dezentral arbeitet und trotzdem zentrale Aufgaben der Steuerung übernimmt.

Neugierde und Begeisterung entsteht meist im gemeinsamen Tun, nicht im Klassenzimmer. Deshalb ist die Schaffung neuer Lernorte wichtig. Es gibt sie bereits:
Offene Werkstätten überziehen das gesamte Land. Makerspace, FabLabs, Repaircafés sind einige Formate. Schon jetzt arbeiten sie interkulturell und generationsübergreifend. Codingwochen an Schulen und Hochschulen nehmen auch einen wichtigen Platz ein. Barcamps ermöglichen die Schaffung von Netzwerken. Ob nun thematisch oder regional orientiert, hier wird der Wechsel zwischen Teilnehmer und Teilgeber bereits gelebt. Die über 900 Volkshochschulen mit über 3.000 Lernorten sind wichtige Netzwerkknoten und Multiplikatoren mit neuer Aufgeschlossenheit für das Thema. Nicht zu vergessen die vielen Bibliotheken, die sich neu erfinden. Erste gemeinsame Überlegungen zur Schaffung neuer Räume gibt es bereits. Meetup-Gruppen können den gesamten ländlichen Raum überziehen. Hier können Einzelakteure in der Umgebung nach Partnern suchen. Oder die überall entstehenden Co-Working-Spaces: sie sind ein guter Partner, wenn es um Bildung oder Projektideen gibt. Dort ist Wissen vorhanden. Gaming-Projekte können auf Stadteilfesten oder Schützenfesten auftreten. Einfach mal das Ungewöhnliche ermöglichen.

Akteure der ersten Stunde müssen neue Expertise mitbringen. Neu, zumindest für Bildungsprozesse im Eventformat. Wir brauchen die Influencer, die ihre Netzwerke animieren. Wir brauchen YouTuber und Prominente, wir brauchen Eventorganisatoren, wir brauchen Musiker, Maker und Kommunalpolitiker der vernetzten Generation. Wir brauchen Menschen, die Spaß an Begegnungen haben. Wir brauchen Pädagogen mit Biß und Institutionen und Unternehmen, die sich öffnen, ohne immer nur auf den eigenen Vorteil zu schielen. Das sind Menschen, die nicht erst Monate für Anträge aufwenden wollen. Sie wollen loslegen. Selbstverständlich auch mit dem Risiko des Scheiterns. All diese Akteure zu einer Bewegung zu bündeln macht den Erfolg aus. Zu finden sind sie an ungewöhnlichen nicht bekannten Orten, aber auch auf der Makerfair, der re:publica, vielen anderen Versammlungen und sogar in einigen Parlamenten. Sie warten auf eine solche Initiative. Sie sind die Botschafter und Scouts der Graswurzelbewegung.

Überall im Land werden lokale Pitches für neue Projektideen durchgeführt. Im TV gibt es eine eigene Serie, in der einer Expertenjury Projektideen vorgestellt werden. (Höhle der Löwen) Der Zuschlag orientiert sich eher an der Sozialrendite, eine neue Sichtweise auf den Break Even. Projekte werden in einer Form dokumentiert, die eine Skalierung ermöglicht.

Das Geld dafür wird zu gleichen Teilen aus öffentlichen Mitteln und Unternehmenssponsorin speisen. Nach einer Anschubfinanzierung wird die Agentur dazu einen Plan vorlegen. Was sollte uns als Gesellschaft diese Zukunftsaufgabe wert sein? Wir fangen klein an und legen die Marke 0,1 % des Bundeshaltes 2017 an. Das wären dann in der ersten Projektphase ca. 300 Mio.€. Dieser Etat wird erneuert, sobald der Topf leer ist. Es muss immer ein Budget vorhanden sein, die Zukunft schläft nicht.

Und eines muss uns klar sein: Wir haben es hier mit einer Start-Up-Initiative zu tun. Das Risiko sollten wir eingehen. Erfolg wird sich einstellen, wenn die Initiativen möglichst frei agieren können und die Begeisterung auch bei den Geldgebern ist. Dieses dynamische, mehrdimensionales Netzwerk ist es wert ausprobiert zu werden. Anders wird es nicht funktionieren. Oder gibt es bessere Ideen für den geforderten Marshallplan für eine digitale VHS? Dann her damit, es ist dringend!

 

Danke Jochen und Bildungsserver für diese Übersicht.

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