Verfasst von: Joachim Sucker | 8. Mai 2017

onlineVHS – darf das sein?

onlineVHS – darf das sein?

 

 

Alle reden von Blended-Learning-Angeboten. Kein Wunder, das Konzept der „Erweiterten Lernwelten“ hat Blended-Konzepte als DAS digitale Setting für Volkshochschulen empfohlen und den DigiCircles ins Stammbuch geschrieben..

Aber seien wir ehrlich – ist das nicht eine Mogelpackung? Ja –  fast alle VHS-Kolleg*innen stimmen im Mantra „Die VHS ist eine Einrichtung für Präsenzkurse“ mit ein. Ja klar, und das wird auch so bleiben. Und auch klar , das will keiner ändern!!!

Aber dürfen wir deshalb nicht über die Wirklichkeit sprechen? Die Wirklichkeit am Weiterbildungsmarkt. Und diese Wirklichkeit wird selbstverständlich auch zunehmend von reinen Online-Angeboten geprägt. Udemy, Pink University, video2brain, edudip oder zahllose andere Webinaranbieter, die mit eigenen Geschäftsmodellen arbeiten. In der beruflichen Bildung wird es Standard werden, LinkedIn, das internationale Business-Netzwerk wird es mit Lernvideos vormachen. Wie soll es auch anders gehen, wenn immer mehr Menschen just in time und an jedem Ort Weiterbildung wollen. Wie soll die Zukunft einer digitalisierten Gesellschaft denn ohne diese on-demand-Bildung auskommen?

Ja – wir brauchen diese Formate und zwar in Massen, ohne dass andere Formate wie Präsenz oder Blended dabei überflüssig werden. Im Gegenteil: es entstehen an vielen Orte neue Lernorte, z.B. die Betahaus-Academy, und diese funktionieren in erster Linie als Präsenzorte. Keiner stellt die Präsenzangebote in Frage.

 – Denkpause –

Also, wenn unbestritten ist, dass Online-Weiterbildung eine Selbstverständlichkeit wird, darf die Volkshochschule reine Online-Formate auch anbieten?

Was für eine blöde Frage. Bei 900 eigenständigen Volkshochschulen werden immer einige dabei sein, die neugierig sind und neue Möglichkeiten der Weiterbildung ausprobieren wollen. Die in der öffentlichen Finanzierung eine Verpflichtung sehen, alle Instrumente des Weiterbildungsorchesters einzusetzen, werden die obige Frage mit JA beantworten. Präsenz und Blendedformate sind gesetzt, doch ohne MOOCs, Live-Online-Kurse, Webinare als Konserve, wird das Orchester nicht zum Ohrenschmaus.

Und es gibt sie ja, die ersten VHS-Angebote und das seit 2013. Der vhsMOOC „Wecke den Riesen auf“ mit über 700 Anmeldungen. Der StrickMOOC mit ca. 500 Anmeldungen. Der ichMOOC „Mein digitales ich“ mit mittlerweile über 2.000 Anmeldungen. Aber, und das ist mir noch wichtiger, kaum merklich werden auch kleinere Online-Angebote ins Programm einzelner Volkshochschulen genommen. Die vhsKaiserslautern streamt Veranstaltungen, die vhsHolzkirchen-Otterfingen veranstaltet Live-Webinare. Die vhsMünchen hat Deutschkurse im Angebot. Das Xpert-Lernnetzwerk ist wohl die größte Initiative (siehe Deutschlandkarte) mit Sicherheit gibt es noch weitere Angebote, die ich aber nicht gefunden habe.

Bisher scheinen diese Online-Angebote nur lokal vermarktet zu werden. Und ich frage mich, ob diese Reichweiten-Amputation für das Gesamtangebot der VHS von Vorteil ist.

Es braucht nicht viel Phantasie, um für die Zukunft viele Einzelangebote in regionaler Verantwortung zu sehen, die sich nur mit Mühe realisieren lassen, da das Einzugsgebiet zu begrenzt ist. Zwar ist die VHS-Arbeit kommunal verantwortet und kein Landrat gibt Geld für weltweite Bildung gerne aus, aber auch das wird sich ändern. Vielleicht braucht es externe Anbieter, die Angebote konzipieren. Die Politik wird auch bald verstehen, dass deutschsprachige Lernangebote im Web immer einen deutschsprachigen Markt bedienen.

Dabei kann es doch mehr geben: Angebote, die für sehr viele Volkshochschulen interessant sind. Z.B. der Photoshop-Spezialkurs. Viele bieten Photoshop an, nach spätestens 2 Kursen (Anfänger/Fortgeschrittene) ist Ende mit der regionalen Nachfrage. Weitere Kurse ließen sich nur überregional realisieren. Da ist Online doch geeignet, ja geradezu zwingend. Wer diese Kurse dabei macht, ist egal. Hauptsache die Qualität stimmt. Es kommt auf den Vertrieb und die Werbung an.

Im Moment fehlt für Online eine gemeinsame VHS-Strategie. Das ist heute noch nicht tragisch, aber in 2-3 Jahren wird dieses Vakuum gefüllt. Durch die Volkshochschulen oder durch andere. Eine erste Digitale VHS (siehe Bild) gibt es schon.

Im #vhscamp17 in Kaiserslautern haben wir dazu viel gesprochen.. Die Frage war u.a.: Sind unsere Strukturen dazu geeignet eine Strategie und eine konkrete Umsetzung in den nächsten 2 Jahren zu entwickeln? Die Zweifel waren groß. Braucht es dazu eine Parallelinitiative, die mit den Volkshochschulen zusammenarbeitet?

Was meinst Du? Können wir hier die Diskussion fortführen? Schreibe Deinen Kommentar!

Advertisements
Verfasst von: Joachim Sucker | 17. März 2017

OER-Kooperation macht Spaß!

OER ist eigentlich nicht mein Lieblingsthema. Zu kompliziert, zu komplex und zu schwierig. Und trotzdem bekamen wir 2016 den OER-Award in der Kategorie Erwachsenenbildung für den ichMOOC.

Neulich telefonierten Stefan Will vom Deutschen Volkshochschulverband und ich. Irgendwann im Gespräch erwähnte ich, dass ich ein Tutorial zum Thema Videoproduktion mit dem Smartphone machen wollte. Wir waren ziemlich überrascht, denn bei ihm stand das Thema auch auf der Agenda und er war in der Konzeption schon klar. Sein erstes Tutorial dazu stand kurz vor dem Abschluss.
Wir haben dann kurzerhand entschieden, dass wir dazu im Sinne von Offenen Bildungsmaterialien (OER) gut kooperieren könnten. Da war das Thema OER wieder da.

So hat Stefan das erste Tutorial zum Thema „Videoeinstellungen im Smartphone“ produziert. Nach der Fertigstellung habe ich draufgeschaut und zusammen mit Alexander Eberhard Gedanken für die Fortsetzung gemacht.

 

Das Ergebnis ist die Vorstellung von kleinem und günstigem Equipment, um die Videoqualität etwas zu heben. An dieser Stelle herzlichen Dank an Alex. Professioneller geht´s nicht!!!

 

 

Stefan hat dann nachgelegt und noch ein Tutorial zur Datenkomprimierung von Videos gedreht.  Das ist ja wichtig, damit der Datentransfer gut über die Bühne geht.

 

 

Warum ich das aufschreibenswert finde?
Verbände oder große Institutionen tun sich oft schwer, mit anderen gemeinsam offene Bildungsmaterialen zu erzeugen. Das gilt natürlich auch für Unternehmen mit ihrem marketinggetriebenen sog. Alleinstellungsmerkmal. Überall muss der eigene Stempel drauf.

Die Perspektive dabei ist die der Produzenten und nicht der Nutzer. Bei einem Perspektivwechsel könnten OER-Materialien ihr volles Potential erzeugen. Wenn erst einmal das Basismaterial vorhanden ist, können eigene Schwerpunkte hinzugefügt werden. Das kann entweder eine direkte Bearbeitung des Basismaterials sein, so es die cc-Lizenz erlaubt, oder eine Fortsetzung. Hierbei ließen sich die unterschiedlichen Netzwerke (DVV und allesauszucker) auch noch in der Veröffentlichung nutzen.

Und noch etwas: Die Fähigkeit der Kooperation ist in der digitalisierten Gesellschaft eine kaum zu überschätzende Fähigkeit. OER bietet dafür einen geeigneten Rahmen.

Stefan und ich werden auf dem vhsBarcamp am 5./6. Mai in Kaiserslautern gemeinsam eine Session anbieten, die dann natürlich auch noch den Content zu Drehbuch und Sehgewohnheiten im Web ergänzen soll. Vielleicht machen wir daraus eine nächste Folge oder jemand anderes aus dem Workshop hat dazu eine gute Idee.

So macht OER auch für mich als Freiberufler viel mehr Spaß.

 

Wer noch mehr über OER erfahren möchte, sucht im Web oder geht auf eines der OER-Camps.

Und noch ein Tipp: Wer sich zum OER-Fachexperten ausbilden lassen will, kann über den Berufsverband für Trainer, Berater und Coaches eine kostenfreie Fortbildung besuchen.

 

 

 

Verfasst von: Joachim Sucker | 1. März 2017

Warum ich das Basislager vorbereite

leuchtfeuer

 

Nein, alle zwei Jahre einen MOOC zu veranstalten, das ist nicht meine Motivation für den neuen Leuchtfeuer 4.datei_0010 MOOCEs ist eher eine stetig wachsende Erkenntnis, dass Lernen im digitalen Zeitalter nicht das Händeln irgendwelcher Webtools ist, sondern eine Haltung braucht.

2013 im vhsMOOC haben wir uns sehr intensiv mit damaligen Webtools beschäftigt. 4 Jahre später hat sich nicht sehr viel geändert. YouTube ist immer noch DER Veröffentlichungskanal, WordPress immer noch eine wichtige Blogsoftware, Xing gibt es immer noch und Hangouts auch. All das wird jetzt im neuen EB-MOOC auf iMOOX aktualisiert. Soweit, so gut.
Oder nehmen wir die Debatte der Lernmanagement-Plattformen: Elias, Moodle, Blackboard, usw.. Ohne eine Plattform scheint nichts zu gehen. Wir denken noch als erstes über unser eigenes Haus im Web nach. Es ist, als ob wir in einem gigantischen Strom ein Haus mit Fundament bauen wollten, wo doch ein Boot viel sinnvoller wäre. Wir agieren als Institution, als Bildungshaus und das wollen wir auch bleiben. Wir bauen weiter an unserer Bühne und wollen diese nicht verlassen. Das ist verständlich, aber ist es der geeignete Weg?

Wir sprechen von agilen Einrichtungen, von lernenden Organisationen, getrimmt auf neuen Output in Form von Angeboten, die unterschiedliche, erweiterte Tools benutzen. Das Arbeiten in dieser lernenden Organisation verändert sich aber wenig – 5 Tage, 8 Stunden, meistens am eigenen Schreibtisch in der gemeinsamen Abteilung. Es werden Menschen eingestellt, die in dieses Raster passen. Risikominimierung ist das Leitmotiv.

Darüber verlieren wir aus den Augen, dass neue Lernvoraussetzungen gefragt sind. Selbstorganisiertes Lernen und  Wissen um die Ressourcen im Web sind Merkmale, die wir vermitteln sollten. Dazu braucht es Menschen, die diese neuen Formen bereits anwenden. Wohin das die Bildungsinstitutionen treibt – ich weiss es nicht.

Nicht falsch verstehen, es ist kein Vorwurf. Es ist eher eine subjektive Beschreibung von Entwicklungsprozessen, die sich von wichtigen Teilen gesellschaftlicher Entwicklung abkoppeln. Arbeit 4.0 führt automatisch zu Lernen 4.0. Flexibel zu jeder Zeit und an jedem Ort verfügbar. Das können Bildungseinrichtungen schwer leisten. Das ist die Domain des informellen Lernens, des Lernens am Arbeitsplatz just in time. Wer in ein Co-Working-Space geht und fragt, wie das Lernen dort organisiert wird, trifft auf suchende Augen. Wieso lernen? Wir arbeiten hier zusammen und wenn eine Frage offen ist, dann sucht man mit anderen die Antwort. Aber Lernen im klassischem Sinn ist das eher nicht.

Je mehr ich mich mit diesen Formen, die ja nicht wirklich neu sind, beschäftige, desto klarer sehe ich den Holzweg, auf den vor allem die Medienkompetenz gepriesen wird. Ich stelle mir eine Einrichtung vor, die mit allen Webtools virtuos spielt und trotzdem das Jahres- oder Halbjahresprogramm herausbringt, wo die Bildungsmenschbildschirmfoto-2017-03-01-um-10-57-11en weiter in ihren Büros sitzen und sich Gedanken machen, was andere Menschen lernen sollten. Um unsere Bildungstempel herum passiert so viel: MakerSpace, FabLabs, offene Werkstätten, Co-Working-Space in unterschiedlichsten Ausprägungen. Die Szene explodiert geradezu. Selbst die Hochschule der Bundeswehr gründet einen Maker-Space in Hamburg und versucht damit an neue Zielgruppen in Schulen zu kommen. Das Paradies der Digitalen, das Silicon Valley hält auch einige “Wunder” bereit. Jede Woche sind deutsche Delegationen zu Gast. Und?

Ich möchte mehr entdecken. Mit anderen auf den Weg machen, die digitale DNA zu entschlüsseln. Selbstverständlich können wir weiter so arbeiten wie bisher, doch es braucht Ergänzungen, es braucht Experimentierräume. Diese Räume zu erkundschaften, dazu wird das Leuchtfeuer 4.0 beitragen. Ich freue mich sehr, mit Nina Oberländer und Anja Wagner zwei Scouts gefunden zu haben, die freudig und mutig bildschirmfoto-2017-03-01-um-10-46-05das Basislager vorbereiten. Und wie es die digitale DNA vorschreibt, ohne das Ergebnis und die Mitwirkenden jetzt schon zu kennen. Seit Monaten treffen wir Drei uns per Videokonferenz und ich staune, wie sich das Puzzle ganz langsam zu einem Bild entwickelt. Ein Zelt ist erkennbar, aber wo es steht – keine Ahnung. “Always beta” beschreibt zukünftige Entwicklungen treffend.
Ich freue mich, wenn die Richtigen das Basislager für unsere Expedition mit aufbauen. Da verliert der erste Buchstabe von MOOC, der für Massiv steht, an Bedeutung. Wer also mit auf Expedition will, dem empfehle ich erst einmal die Geschichte, die Nina für uns alle aufgeschrieben hat.

Alles weitere folgt dann – irgendwie. Sicher always beta. Bis dann – ich freu mich auf jeden von Euch!

 

Nachtag:
Inzwischen ist die Küche im Basislager auf Facebook eingerichtet.

 


  |  ANMELDUNG  |  Der inhaltliche Faden  |  Der Trailer  |  Die Story  |

 

                Partner bildschirmfoto-2017-03-01-um-10-57-11 bildschirmfoto-2017-03-01-um-11-02-59

Verfasst von: Joachim Sucker | 17. Januar 2017

Keiner will digitale VHS-Kurse

So kann ich die Klagen von VHS-LeiterInnen auf den Punkt bringen.

Da legt die VHS sich eine Lernplattform wie Moodle an, will dort Materialien zu den Kursen hinterlegen und keiner interessiert sich dafür. Das sorgt für Unmut und führt zu einem Rückzug aus dem digitalen Geschäft.

Aber die Gründe sind hausgemacht.

  1. aepfel-und-birnenWenn die VHS über Jahrzehnte keine digital unterstützten Kurse anbietet, sucht auch keiner in der VHS nach solchen Angeboten. Wer immer nur Äpfel verkauft, hat genau die richtige Kundschaft dafür und kann nicht erwarten, dass sich Birnen sofort gut verkaufen lassen.
  2. Der Mehrwert für Kunden durch die Hinterlegung von Unterrichtsmaterial auf Moodle ist gering. Moodle wird schon oft als PDF-Schleuder bezeichnet. Für die Kunden ein erhöhter Aufwand, denn das Einarbeiten auf Moodle ist für nicht webaffine Kunden ein zusätzlicher Aufwand. Da nehme ich doch lieber die Kopie von der Kursleitung.
  3. Überzeugende Kurskonzepte z.B. als Flipped-Classroom sind noch die Ausnahme. Die Produktionen laufen schwer an. Es gibt zu wenig Pädagogen oder Kursleitungen, die sich dafür begeistern. Naja und dann kommt wieder keiner ;-(
  4. Die Kurse bekommen auch wenig Marketingunterstützung. Sie gehen im Kurskatalog unter. Sie müssen sich neben den klassischen Präsenzkursen durchsetzen. Katalog und Flyer bekommen die Stammkunden, die ÄpfelkäuferInnen. Die Gruppe, die sich für solche Kurse interessiert, muss natürlich auch online angesprochen werden.

Dabei gibt es durchaus alternative Zugänge zu den neuen Kundenkreisen.

Grundlage für neue Wege ist die Erkenntnis, dass nicht jede VHS das Rad neu erfinden muss. Es gibt bereits sehr viel Material im Web. Und einiges davon ist sogar als offenes Bildungsmaterial ( OER ) zugänglich, kostenfrei und ohne, oder mit sehr geringen Einschränkungen in der Nutzung.

Ein Beispiel:

bildschirmfoto-2017-01-17-um-16-30-19Moin/Oncampus, die Plattform der Fachhochschule Lübeck für offene online Kurse sog. MOOCs (Massiv Open Online Course),  hat zur Jahreswende einen Foto-MOOC produziert. Inhalt und Leistungesniveau entspricht genau einem VHS-Einsteigerkurs in die digitale Fotografie (470 Treffer in der Kursdatenbank der Volkshochschulen).

 

bildschirmfoto-2017-01-17-um-16-34-59Der Kurs hat bisher über 750 Einschreibungen – ich bin einer davon. Alle Lernvideos stehen als OER zur freien Nutzung im Web. Selbst wenn der Kurs abgelaufen ist, was lediglich bedeutet, er wird nicht weiter unmittelbar betreut, stehen die Videos auf der mooin-Plattform oder bei YouTube weiter zur Nutzung. Hier liegt also ein fertiges Kurskonzept zur Nutzung bereit, ohne dass eine VHS dafür zahlen müßte oder nenneswert Arbeit investieren müßte.

Wenn eine VHS diesen Kurs aktiv bewirbt hat sie folgende Effekte:
Sie integriert einen fertigen Onlinekurs in ihr Portfolio. D.h. sie reserviert eine Meldung auf der Internetseite oder eine Anzeige im Programmheft. Die Kunden erfahren, dass über die VHS doch schon Online-Angebote erfasst werden. Die Kunden fühlen sich gut beraten.

Bei VHS-KollegInnen löst ein solches Vorgehen reflexartig Ängste aus. „Wir bringen die Menschen doch aktiv zu anderen Anbietern.“ Auf den ersten Blick stimmt das, aber ich habe es 2015 in der Hamburger VHS ausprobiert. Wir haben dort einen StrickMOOC anderer Volkshochschulen aktiv beworben. Wie ich von den StrickMOOC-Verantwortlichen hörte, durchaus erfolgreich. Der Effekt in Hamburg war aber auch, dass sich die Textil-Anmeldezahlen in dem Zeitraum erhöht haben. Ich habe dafür eine einfache Erklärung: Online-Kurse benötigen eine hohe Selbstdisziplin, um den gesamten Kurs zu absolvieren. Mit zunehmender Kursdauer schwindet die Motivation. Das Neue ist nicht mehr neu. Der Wunsch zum Stricken bleibt aber. Das führt zu Anmeldungen in den Präsenzkursen. Die TeilnehmerInnen wissen sehr wohl, dass eine Präsenzgruppe die Motivation hochhalten kann. Diese These ist nicht belegt, aber weitere Versuche würden sich sicher lohnen.

bildschirmfoto-2017-01-17-um-16-31-22 Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten für den Fotokurs. Die VHS kann zu diesem Online-Kurs einen Begleitkurs anbieten. Die Fakten werden über die MOOC-Videos gelernt und die Handhabung kann in Präsenz mit der Gruppe geübt werden. Im MOOC „Gratis Online Lernen“ der Uni Graz haben das einige Volkshochschulen genauso erfolgreich ausprobiert, wie in den 35 MOOC-Bars im Rahmen des ichMOOCs der Bremer- und Hamburger VHS.

Und es geht weiter: Aus den Videos können sich KursleiterInnen einzelne Videos für ihre Kurse heraussuchen und eigene Kurskonzepte darauf aufbauen. Das sind wir schon sehr an einem Flipped-Classroom-Konzept.

Mit etwas Geduld kann so der Übergang zu den „Erweiterten Lernwelten“ auch in den Volkshochschulen geschafft werden. Es bleibt spannend!

Verfasst von: Joachim Sucker | 20. November 2016

Evaluation von Onlinekursen

Am 3. November 2016 war ich auf der  Fachtagung „Digitalisierung in der Weiterbildung – Alles neu durch 4.0?“ eingeladen. Veranstaltet durch die k.o.s GmbH. Mein Thema war die Evaluation von Online-Kursen am Beispiel des ichMOOCs.

bildschirmfoto-2016-11-20-um-17-53-38

Die Veranstalter haben auf ihrer Website die Tagung wie folgt angekündigt: „Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft. Auch im Feld der Bildung werden die Innovationspotenziale der Digitalisierung breit diskutiert. In vielen Lehrerzimmern und Vorlesungssälen sind Flipped Classrooms und Open Educational Ressources bereits angekommen. Aber was ist mit dem Feld der Erwachsenen- und Weiterbildung? Wo liegen hier die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung? Und was bedeutet Bildung 4.0 für Weiterbildungsanbieter in Berlin?Die Fachtagung hat das Ziel, Erfahrungen zum digitalen Lernen in der Berliner Weiterbildungslandschaft zu sammeln, zu reflektieren und zu gestalten. Weitere Infomationen finden Sie im ausführlichen Programm hier.“


bildschirmfoto-2016-11-20-um-17-53-09

 

Als Experiment hatte ich meine Präsentation bereits einige Tage vorher offen ins Web gestellt und über Twitter und Facebook verbreitet. Im Workshop hatte sich niemand vorab darüber informiert.

Zwar konnte ich das Thema Evaluation in der Kürze nicht umfassend darstellen, aber mir war wichtig, den Zusammenhang zwischen digitalen Angeboten und der Digitalisierung der Bildungseinrichtung aufzuzeigen. Vorne digitale Angebote und im backoffice traditionell mit Hierarchie und Anwesenheitspflicht zu arbeiten, das wird auf Dauer nicht funktionen. Ich hatte dazu bereits im Blog des Deutschen Volkshochschulverbandes unter der Überschrift „Ist Digitalisierung Chefsache“ geschrieben.

Dieses Thema wird mich noch lange begleiten 😉

« Newer Posts - Older Posts »

Kategorien