Verfasst von: Joachim Sucker | Mai 11, 2015

Was ich an Barcamps so liebe

Was ich an Barcamps liebe ist die Unvorhersehbarkeit. Nicht nur thematisch, sondern auch die aus dem Format entstehenden menschlichen Begegnungen. So war es beim vhsBarCamp in Leipzig auch wieder.

Mit diesem Tweet von Lavinia fing alles an:

Lavinia_Ionica_(@lionica)_Twitter_-_2015-05-11_09.29.01

Eine kurze Antwort von mir, und schon haben wir uns in der Pause getroffen und eine gemeinsame Session zum Thema „Online Fortbildung“ ausgetüftelt. Dabei habe ich einiges über Ihre Arbeit an der Hochschule in Halle erfahren, wo sie für den Bereich eLearning arbeitet. Sie beschrieb recht anschaulich, dass ihr Institut den Großteil der Lehrenden durch Fortbildungen versucht zu erreichen, was aber nicht so einfach ist. Wir wollten die Session etwas konkreter aufziehen und fragten, was die Anwesenden für Ihre Fortbildung an Kursen benötigen. Ich dachte dabei zuerst an AdobeConnect-Räume, in denen wir verschiedene Settings ausprobieren können.

Die Session verlief dann ganz anders. Es war nicht einfach den Fokus auf die Anwesenden zu lenken, denn natürlich saßen dort die professionellen Weiterbildner/innen, die sich kaum davon trennen können, Fortbildungen/Kurse für andere zu konzipieren. Wir sind Volkshochschüler und denken in Kursen, ich auch.

Fopbi

Durch einen Beitrag von Karlheinz Pape, der in seinem Blog berichtete, wie große Unternehmen (Adidas, Deutsche Bahn und Bosch) ihre Fortbildungsabteilungen teilweise auflösen und neue Ansätze ausprobieren. Dabei ist u.a. der Slogan „Lernen ist Arbeiten und Arbeiten ist Lernen“, der in eine andere Denkrichtung führt. Schon oft haben wir in unseren Online-Gruppen oder auf Seminaren vom formalen oder informellen Lernen gesprochen, aber was das konkret für den Bereich der Fortbildung bedeutet, noch nicht so recht konkretisiert. Bosch geht z.B. den Weg Fortbildung in Communities zu verlagern. Mitarbeiter qualifizieren sich gegenseitig im Job. Also weniger Verluste, wie wir sie in formellen Lernsituationen kennen.

Wenn ich von mir ausgehe, so habe ich in den letzten Jahren zum Thema Online-Marketing oder Weblernen keine Fortbildung gemacht. Andere berichten mir ähnliches. Wir lernen im Netzwerk, durch Barcamps, Twitter, Facebook oder Google+. Dies ließe sich an vielen Beispielen erklären.

Fortbildung, besonders vielleicht zur Themenwelt der Digitalisierung, brauchen Netzwerke. Wenn wir die Netzwerksdichte erhöhen, so haben wir es in der Session formuliert, wird dies automatisch zu erhöhtem nonformalen Wissenserwerb führen.

Eigentlich eine simple Erkenntnis, aber als VHS-Kursmacher nicht so sehr naheliegend. Es braucht mal wieder einen Perspektivwechsel, um das Naheliegende zu sehen.

Gruendung

Und das Schöne an vhsBarcamps ist die konsequente Umsetzung der Kollegen, denn wir sind ein Praxisnetzwerk. Marie Batzel von der vhsMönchengladbach hat sogleich, noch während der Session, eine vhsKultur-Community auf G+ eingerichtet. Nach 2 Minuten waren es 3 Mitglieder, nach einem Tag 12, nach 2 Tagen sind es 22 Mitglieder. Das klingt simpel, doch wird es aus meiner Sicht sehr viel in unserer Bildungsarbeit verändern.

Dazu müssen wir uns kurz einmal die Struktur unserer VHS-Organisation vergegenwärtigen. Jede VHS hat pädagogische Mitarbeiter, die für einen oder mehrere Fachbereiche zuständig sind. Kultur, Sprachen, Gesundheit etc. Bundesweit gibt es diese Struktur auch bei den Landesverbänden. Die jeweiligen programmatisch Verantwortlichen der Landesverbände treffen sich in den Bundesarbeitskreisen (BAKs). Diese tagen regelmäßig und stimmen sich über die inhaltlichen Linien ab. Vertreter der über 900 Volkshochschulen sind nicht offiziell im BAK vertreten. Die BAKs bereiten Fachbereichstage vor, zu denen dann die Mitarbeiter der Volkshochschulen eingeladen werden. Also, Alles in Allem eine ganz normale Struktur, wie wir sie von überall her kennen.

Wenn sich jetzt zum Beispiel im Bereich Kultur eine große Gruppe vernetzt, unabhängig von Hierarchien und Zuständigkeiten, wenn sich diese Kolleg/innen nur über das eigene Interesse  vernetzen, dann wird dies Auswirkungen auf die Struktur nehmen. Der BAK Kultur wird nicht mehr allein das Sprachrohr der kulturellen Weiterbildung sein. Geradezu zwangsläufig wird das Netzwerk, wenn es eine hinreichende Dynamik entfaltet, selber Einfluss nehmen und im besten Fall wird der BAK Kultur selber im Netzwerk aktiv werden und so seine Arbeitsgrundlage erheblich erweitern können. Auch hier greift das Stichwort der „erweiterten Lernwelten“.

Vielleicht war die Gründung der KulturCommunity der in der Chaostheorie vielzitierte Flügelschlag des Schmetterlings, der eine bahnbrechende Wende einleitete. Und vielleicht durfte ich in diesem Moment ein Teil des Flügelschlages sein. Ich glaube schon, denn ich habe das Leuchten in den Augen anderer Kollegen aus anderen Fachbereichen gesehen, auch dass der Landesverbandsvertreter.

Und deswegen liebe ich Barcamps!

Und schon heute freue ich mich auf die Fortsetzung 2016 in meiner Hamburger Volkshochschule

Tschuess

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Responses

  1. Hat dies auf jetzt bloggt auch noch die Straubinger vhs rebloggt und kommentierte:
    Noch eine sehr persönliche Sicht auf das Leipziger vhsBarCamp:

  2. Hat dies auf Volkshochschule Karlsfeld rebloggt und kommentierte:
    Noch eine persönliche Sicht auf das vhsBarcamp15, das letztes Wochenende in Leipzig stattgefunden hat – dieses Mal von Joachim Sucker von der Hamburger vhs:


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